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24. Oktober 2011 19:20 Uhr
Nach dem Spiel in Kaiserslautern
Tumulte: SC-Fans und Polizei geben sich gegenseitig die Schuld
Noch nie hat es aus Sicht der Polizei nennenswerte Vorfälle mit SC-Fans bei einem Spiel in Kaiserslautern gegeben. Diesmal war es anders. Nach Abpfiff gab es Tumulte und Verletzte. Der SC hält sich mit einer Stellungnahme noch zurück.
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In einer Unterführung am Bahnhof Kaiserslautern wurde offenbar von Anhängern des SC Freiburg ein erster Feuerwerkskörper gezündet Foto: Polizei
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Freiburger Anhänger in Kaiserslautern Foto: Polizei
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Auslöser der Auseinandersetzungen nach Schlusspfiff: Im Fanblock des SC Freiburg wird zu Beginn der zweiten Halbzeit ein Feuerwerkskörper gezündet. Foto: Polizei
Ausgelöst wurde das Ganze durch das Abbrennen von bengalischen Feuern vor und während des Spiels. Das ist verboten – wird aber von der Szene nicht akzeptiert, die derzeit verstärkt eine Kampagne für die Legalisierung von Pyrotechnik in den Fankurven fährt.
Die Bilanz der samstäglichen Auseinandersetzung zwischen Sicherheitskräften und Anhängern des SC Freiburg, vornehmlich aus der Ultraszene: Die Polizei spricht von vier verletzten Beamten und 27 lädierten Zuschauern, die Freiburger Ultraszene von "knapp 40 Fans", die "körperliche Schäden davon getragen haben"; ein Fan habe vier Zähne verloren – was der SC Freiburg bestätigt. Ein Offizieller des Vereins hat den Mann ins Krankenhaus begleitet, wo er noch am Abend operiert worden ist, bestätigt SC-Pressesprecher Rudi Raschke.
Auch juristisch hat das Spiel Folgen. Die Polizei ermittelt gegen einen Freiburger Fan wegen Körperverletzung, ein weiterer soll den Hitlergruß gezeigt haben, zwei Anhänger müssen sich wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten – als solche gilt das Abbrennen von Pyrotechnik – einer wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Die Polizei wurde wegen Körperverletzung im Amt angezeigt, das Ermittlungsverfahren richte sich im Moment nicht gegen einen konkreten Beamten, sagt Wolfgang Denzer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz.
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Die Schilderungen dessen, was sich beim Abmarsch der Freiburger Anhänger nach der Auswärtsniederlage gegen den 1. FCK ereignet hat, gehen auch zwei Tage später auseinander. Fest steht: Kurz nach der Halbzeitpause wurden im Gästeblock Feuerwerkskörper abgebrannt. Roter Qualm stieg auf. Das Ganze wurde gefilmt, die beiden Verantwortlichen nach Angaben der Polizei identifiziert. Nach Spielschluss habe der Ordnungsdienst der Lauterer versucht, das Duo beim Verlassen des Stadions anzuhalten, um dessen Personalien festzustellen. Ohne zu wissen, worum genau es gehe, hätten sich SC-Anhänger mit dem verdächtigen Duo solidarisiert und den "Ordnungsdienst sofort angegriffen", sagt Denzer. Daraufhin habe die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt.
Das stellen die Freiburger Fangruppen Natural Born Ultras, Wilde Jungs und Supporters Crew anders dar. Die Eskalation sei definitiv von Polizei ausgegangen, heißt es in einer Erklärung. "Ohne Rücksicht auf Verluste" habe diese wahllos auf umstehende Fans eingeschlagen." Wegen der schwebenden juristischen Verfahren wollte ein Vertreter der Ultra-Szene auf BZ-Nachfrage nichts Weiteres dazu sagen.
Die Darstellung der als fanatisch geltenden Ultras wird von ganz normalen Schlachtenbummlern gestützt. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte ein der Redaktion namentlich bekannter Fan, der seit den 90ern SC-Spiele besucht und regelmäßig auswärts dabei ist. Dessen Beobachtungen decken sich mit denen anderer Nicht-Ultras: "Ich hatte den Eindruck, dass die Polizei die Situation eskalieren lassen wollte." Für ihn stelle sich die Frage der Verhältnismäßigkeit – auch angesichts von Polizisten, die mit geschlossenem Visier und Schlagstock in der Hand den SC-Fans gegenüber gestanden haben sollen.
Die Polizei in der Pfalz weist diese Eindrücke zurück. Vorab habe es Hinweise von szenekundigen Beamten gegeben, dass die Freiburger im Stadion verbotene Pyrotechnik mitbringen könnten. In solchen Fällen trage die Polizei Helme, um sich vor Verletzungen zu schützen. Das habe sich am Samstag als sinnvoll erwiesen. Denn bereits in einer Bahnhofsunterführung hätten Freiburger Fans ein bengalisches Feuer entzündet.
Der SC Freiburg will sich am Dienstag zu den Geschehnissen äußern. Am Montag versuchte sich der Verein ein differenziertes Bild zu verschaffen. Unter anderem wurden Gespräche mit der Polizei, dem eigenen Fankoordinator und -betreuer und dem Verein in Kaiserslautern geführt. Der Vorstand beriet die Lage am Montagnachmittag in einer über zweistündigen Sitzung.
- Pyro im Badenova-Stadion: Bayern-Fan kommt davon
Autor: Peter Disch (überarbeitet: 25.10.2011, 15 Uhr)


