Leichtathletik

WM-Favorit Johannes Vetter kommt aus Offenburg

sid

Von sid

Sa, 12. August 2017 um 00:00 Uhr

Leichtathletik

Johannes Vetter aus Offenburg wollte die Konkurrenz in der Speerwurf-Qualifikation schocken – das gelang ihm. Ob der 24-Jährige auch im Finale locker bleiben kann?

Johannes Vetter als Favorit, Olympiasieger Thomas Röhler als Jäger und Andreas Hofmann in Lauerstellung: Die drei deutschen Speerwerfer könnten im WM-Finale an diesem Samstag (21.15 Uhr/MESZ) den ganz großen Coup landen.

"91,20 Meter im ersten Versuch, das ist ziemlich geil." Johannes Vetter
Johannes Vetter von der LG Offenburg ging der Trubel nach seinem Monsterwurf gegen den Strich. "Fünf Fragen, das muss reichen", blaffte er den wartenden Journalisten am Donnerstagabend entgegen. Da hatte der deutsche Rekordhalter schon in einem halben Dutzend TV-Interviews seine beeindruckende Qualifikations-Vorstellung erklären müssen. Dies tat er dann auch ein weiteres Mal, wurde dabei zusehends entspannter.

Trainiert wird Vetter von Christina Obergfölls Ehemann

"91,20 Meter im ersten Versuch, das ist ziemlich geil", sagte der 24-jährige Offenburger, der nach dem weitesten Qualifikationswurf der WM-Geschichte nun der Favorit auf Gold ist. "Auch am Samstag gleich im ersten Versuch einen rauszuballern, das wäre eine coole Sache", sagte Vetter: "Ich will einfach wieder mein Ding durchziehen, Vollgas geben – und dann schauen wir einfach mal, wie es sich entwickelt." Bis 2014 hatte Vetter erst dreimal über 77 Meter geworfen, dann folgte der Wechsel zu Trainer Boris Obergföll, dem Ehemann von Ex-Weltmeisterin Christina Obergföll, die 2016 nach Olympia in Rio ihre sportliche Karriere beendete. Seit 2015 stellt die 80-Meter-Marke keine Hürde mehr für Johannes Vetter mehr dar. Binnen drei Jahren hat er sich um schier unglaubliche 15 Meter verbessert. Der 24-Jährige führt das vor allem auf die Arbeit mit Trainer Boris Obergföll zurück. "Wir haben eine Menge technischer Sachen verändert. Meine Sprint-, Sprung- und Kraftwerte waren schon immer gut", sagte er am Donnerstag nach der Qualifikation.

Was noch hinzukommt, das weiß Christina Obergföll: Die zweifache Olympia-Silbermedaillengewinnerin (2008 in Peking und 2012 in London), die kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes steht, hatte der Badischen Zeitung bei einem Trainingsbesuch vor den Olympischen Spielen 2016 schon gesagt: "Der Johannes ist noch ehrgeiziger als ich." Jeder, der Christina Obergföll kennt, weiß, was das heißt.

Nicht auszuschließen ist, dass es an diesem Samstag für Gold in den Bereich von Vetters deutschem Rekord gehen muss. In Luzern hatte der Olympiavierte diesen am 11. Juli auf 94,44 Meter geschraubt und ihn Olympiasieger Thomas Röhler entrissen, der zwei Monate zuvor 93,90 Meter geworfen hatte. Zwei Tage vor dem Wettkampf in Luzern hatte Vetter seinen Kumpel und Konkurrenten Röhler bereits bei der deutschen Meisterschaft in Erfurt geschlagen. Röhler, lange die unangefochtene deutsche Nummer eins, zeigte sich nach dem Londoner Qualifikations-Paukenschlag des Kollegen relativ unbeeindruckt. "Jojo hat sich überlegt, ich schocke dann mal den Rest. Damit hat er ein paar internationale Gegner psychisch aus dem Spiel genommen. Dafür bin ich ihm dankbar", sagte Röhler.