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05. November 2015 00:00 Uhr

Nachwuchsförderung

So will die Sportstiftung Südbaden Talenten helfen

Dem Nachwuchs auf die Beine helfen: Die Sportstiftung Südbaden hat es sich zur Aufgabe gemacht, Talente finanziell zu fördern und dadurch im Südwesten zu halten. Dafür werden noch Unterstützer gesucht.

  1. Die Ringerin Elena Brugger vom TuS Adelhausen (links) und die Mountainbikerin Hannah Grobert vom RSV Bad Säckingen gehören zu den ersten Empfängerinnen der Stiftungsgelder. Foto: sportstiftung südbaden

  2. Armin Schuster Foto: Büro Armin Schuster

FREIBURG. Wenn es seine Zeit erlaubt, sitzt Armin Schuster (54) gerne im Sattel seines Rennrades oder er joggt flotten Schrittes durch die Gegend; "so 30 bis 40 Kilometer pro Woche". Das sportliche Interesse des ehemaligen Leiters der Bundespolizeidirektion in Weil am Rhein ist damit aber noch lange nicht erschöpft. Beim derzeitigen Landesligisten SV Weil sitzt er im Nonnenholz regelmäßig auf der Tribüne und am Wochenende ist die Sportschau quasi ein Pflichttermin für ihn. Die Fußball-Bundesliga und auch der Motorsport stehen dann bei ihm besonders im Fokus.

Würde man den Haltinger als sportverrückt beschreiben, würde er sich wahrscheinlich nicht groß gegen das Attribut wehren. "Der Sport nimmt schon einen breiten Raum ein in meinem Leben", sagt Schuster. Ebenso wie die Politik. 2009 gewann der gebürtige Andernacher das Direktmandat für die CDU im Wahlkreis Lörrach-Müllheim, seither sitzt er im Bundestag in Berlin und ist Mitglied im Innenausschuss. Langeweile, so sagt er, "kenne ich nicht".

Seit ein paar Jahren treibt Schuster ein ganz spezielles Thema um, das sowohl einen großen sportlichen Aspekt als auch eine hohe politische Dimension hat. Schuster war 2011 auf dem zur Gemeinde Kandern gehörenden Hofgut Kaltenherberge zu Gast, wo er dem bekannten Springreiter Richard Baya einen Besuch abstattete. Erörtert wurden dort Belange der Reiterei, aber bald geriet das engagierte Duo auf ganz anderes Terrain. Es fehle an der Unterstützung für den talentierten Nachwuchs, insistierte Baya – und Schuster wurde hellhörig. Dabei ging es nicht um die Förderpraktiken von Verbänden oder dem Staat, die in der Regel den sportlich Besten ihres Faches zu Teil werden. Baya beklagte das Fehlen eines zusätzlichen, eines dritten Standbeins, eines von privater Seite. Und das insbesondere in Südbaden.

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Den Zipfel im äußersten Südwesten der Republik hat Schuster als eine Art Diaspora ausgemacht. "Es gibt hier mit wenigen Ausnahmen kaum eine Firma, die eine Medaille finanzieren könnte", sagt Schuster – und blickt dabei etwas neidisch auf den potenten mittleren Neckarraum oder die Region Mannheim-Heidelberg. Dort seien Dinge möglich, davon könne man im südlichsten Südwesten nur träumen, sagt Schuster, der fortan einen Plan hatte: eine Stiftung ins Leben zu rufen. Eine, die Talente, "von denen es auch in unserer Region viele gibt", unterstützt und mit ihren Zuwendungen dafür sorgt, dass der hoffnungsvolle Nachwuchs Südbaden nicht den Rücken kehren muss.

Als im Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald am 22. Oktober die erfolgreichsten Sportlerinnen und Sportler Südbadens vom Regierungspräsidium und vom Badischen Sportbund Freiburg (BSB) wie jedes Jahr geehrt wurden, ging es erstmals um mehr als nur um Auszeichnungen für bereits erbrachte Leistungen. Es ging auch um die Zukunft.

Ein sichtlich stolzer Armin Schuster konnte dabei an der Seite von Hans-Ulrich Widmann, dem Leiter des Olympiastützpunktes, und dem Präsidenten des BSB, Gundolf Fleischer, Kuverts an die ersten acht Nachwuchssportlerinnen und Sportler überreicht. Reichtümer waren Schuster zufolge darin nicht enthalten. Es war aber die erste Ausschüttung, die die Sportstiftung Südbaden aus den Erträgen des Stiftungsvermögens vornehmen konnte. Dafür gab’s viel Beifall von den versammelten Gästen.

Etwa zwei Jahre hat es von der Idee bis zur Gründung der Stiftung gedauert. Eine lange Zeit, die Schuster zufolge aber "unbedingt nötig" war. Eine juristisch einwandfreie Satzung galt es zu erstellen, die das Regierungspräsidium zu genehmigen hatte. Aber wichtiger noch: Es galt Unterstützer zu finden, die bereit waren, einen Teil jener 50 000 Euro aufzubringen, die als Gründungskapital aufzubringen waren. Kein ganz einfaches Unterfangen. Und zudem eines, das ahnen lässt, dass Schuster und seine Unterstützer viel Zeit und auch Überredungskunst aufzubringen hatten.

35 Gründungsstifter wurden schließlich gefunden, zum überwiegenden Teil sind diese im Landkreis Lörrach beheimatet. 55 805 Euro brachten diese damals als Einlage auf. Doch die Keimzelle soll weiter wachsen. "Richtig erfolgreich werden wir nur sein können, wenn wir auch in Freiburg, im Schwarzwald, der Ortenau und in Richtung Bodensee bekannt werden", sagt Schuster. Der Landkreis Lörrach sei für eine solche Stiftung zu klein. Schuster, der mittlerweile den Vorsitz des Stiftungsrates übernommen hat, sucht deshalb mit seinen Mitstreitern nach weiteren Unterstützern.

Wen sie da im Auge haben? Privatleute, kleinere, mittelständische Betriebe, die ein Herz für den Sport vorweisen können und die sich darüber freuen, wenn sich ein Talent über einen Fahrtkostenzuschuss, ein neues, besseres Sportgerät oder über Ausrüstungsgegenstände dankbar zeigt. In vielen Fällen sind das auch die Eltern solcher Sportlerinnen und Sportler, die bei der Förderung nicht selten an Grenzen stoßen.

Natürlich haben die Initiatoren auch Träume. "Unsere Satzung soll ein Bild davon geben, wie im Erfolgsfall mit Millionenbeträgen umgegangen wird", sagt Schuster. Von siebenstelligen Summen ist man in der Stiftung gleichwohl noch weit entfernt, doch das Ziel ist gesteckt. Aber letztlich wohl nur zu erreichen, wenn auch Großspender, also allseits bekannte Namen aus Industrie und Handel für die Sache gewonnen werden können.

Bei deren Akquise sind die Lörracher um den Stiftungspräsidenten Andreas Walter, dem Geschäftsführer der Lasserbrauerei, bisher noch zurückhaltend. Die Brauer von Rothaus und der Europa-Park zum Beispiel sind in der Sportförderung schon lange ganz vorne mit dabei und leisten diesbezüglich einen nicht zu unterschätzenden Beitrag. "Doch vielleicht", sagt Schuster und kann dabei ein hoffnungsvolles Schmunzeln nicht unterdrücken, "wollen die bei uns irgendwann einmal freiwillig mitmachen". Dann, wenn sie merkten, dass die Stiftung gute Arbeit macht und erfolgreich sei.

Wann das voraussichtlich sein wird? Er hoffe bald, sagt Schuster, der den vermeintlich größten Schritt aber schon getan hat: die Sportstiftung Südbaden überhaupt auf den Weg zu bringen. Bei all dem Elan, der der Sache zu Grunde liegt, will sich Schuster mit Eventualitäten gar nicht auseinandersetzen. Der Frage zu Beispiel, was geschieht, wenn die Stiftung untergeht. Selbst für diesen Fall ist aber vorgesorgt. Das Stiftungsgeld fällt dann laut Satzung dem BSB in Freiburg zu. Und dort wiederum der Jugendsportförderung. Diese, so Schuster, wolle man aber gerne eine Zeit lang noch selbst gestalten. Die Nachwuchssportler dürften dankbar sein.

Alle Beiträge finden Sie unter: http://mehr.bz/badeninbewegung

Autor: Michael Dörfler