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14. April 2016 15:18 Uhr

Freiburg-Marathon

Schiedsspruch: Dopinggesperrte Läuferin durfte starten – Athleten empört

Laut Schiedsspruch durfte die dopinggesperrte Ann-Katrin Hellstern beim Freiburg-Marathon starten. Sie wurde Zweite. Die Leichtathleten sind empört.

  1. Ihr Start beim Freiburg-Marathon bleibt umstritten: Ann-Katrin Hellstern Foto: Stinn

FREIBURG. Der Fall ist kompliziert und entzweit die Gemüter. War Ann-Kathrin Hellstern beim Freiburg-Marathon Anfang April startberechtigt? Die Mountainbikerin, Siegerin über die 42-Kilometerdistanz im Jahr 2015 und zweite in diesem Jahr, war im August vorigen Jahres auf der dritten Etappe des MTB-Rennens Trans Schwarzwald positiv getestet und daraufhin mit einer zweijährigen Sperre belegt worden.

Konkurrrentinnen werfen ihr unmoralisches Handeln vor

Mitläuferinnen in Freiburg sehen sich durch den Start der 30-Jährigen in Freiburg um eine bessere Platzierung gebracht. Man wirft ihr im Netz und in den Leserbriefspalten unmoralisches Handeln vor. Kurzum: Die Empörung über die vermeintliche Dreistigkeit ist groß. Vorwürfe, die sich auch der Veranstalter anhören muss. Ihm, dem Münchner Gernot Weigl, der Geschäftsführer der Firma Runabout ist, wird Schludrigkeit vorgeworfen. Er hätte, so heißt es, Hellstern den Start verbieten müssen.

Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit: Doping war keine Absicht

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Doch Weigl beruft sich auf einen Schiedsspruch der DIS. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit. Und diese, die höchste Instanz in diesen Fällen, hat am 3. März festgestellt, dass Hellstern in Bezug auf ihr Dopingvergehen keine Absicht unterstellt werden kann, von einem Fall "leichter Fahrlässigkeit" auszugehen ist. Rechtsanwalt Ingo Erberich, der in dieser Verhandlung als Einzelschiedsrichter fungierte, sperrte Hellstern deshalb für Wettkämpfe des Bund Deutscher Radfahrer, dazu für offizielle Meisterschaften der jeweils ausrichtenden Verbände. Und da es sich beim Freiburg-Marathon um keine offizielle Meisterschaft des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) handelt, betrachtet er die Startgenehmigung für Hellstern in Freiburg für rechtens.

Dies teilte Erberich Weigl auf dessen Nachfrage in einem Telefonat entsprechend mit. Und dieser sagt: "Aus den vorliegenden Tatsachen wollten wir Frau Hellstern einen Start beim Marathon nicht verbieten." Er hätte, sagt Weigl, bei einer Absage "kein gutes Gefühl" gehabt.

Laut der Deutschen Leichtathletikordnung (DLO) sind Personen, die zum Beispiel aufgrund einer Dopingsperre suspendiert sind, von der Teilnahme an Wettkämpfen ausgeschlossen. Frank O. Hamm
Ein solches hat mittlerweile auch der DLV nicht. In anderer Hinsicht jedoch. Der Leichtathletikverband ist stark daran interessiert, dass Runabout das Ergebnis von Hellstern nachträglich kassiert und das Klassement entsprechend bereinigt. "Laut der Deutschen Leichtathletikordnung (DLO) sind Personen, die zum Beispiel aufgrund einer Dopingsperre suspendiert sind, von der Teilnahme an Wettkämpfen ausgeschlossen. Dies steht in Übereinstimmung mit der Regel 60.4 der Internationalen Wettkampfregeln", begründet Frank O. Hamm, Vizepräsident Veranstaltungsmanagement und Wettkampforganisation im DLV, die Forderung des Verbandes. Aufgrund des Regelwerks ergibt sich für ihn, dass alle Personen, die aufgrund eines Dopingvergehens – egal in welcher Sportart – gesperrt sind, bei allen leichtathletischen Veranstaltungen für die Dauer der Sperre ebenfalls ausgeschlossen sind.

Nada: Kein Verstoß gegen verbandsautonome Entscheidungsfreiheit

Ob sich der DLV durchsetzen kann, steht indes dahin. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) weißt denn auch darauf hin, dass bei der Abfassung des Schiedsspruchs mit vereinbartem Wortlaut darauf geachtet wurde, geltendes Anti-Doping-Recht einzuhalten und eine angemessene Sanktion festzulegen. Im Übrigen, so Eva Bunthoff von der Nada, sei ein Verstoß gegen die verbandsautonome Entscheidungsfreiheit nicht zu erkennen. Und: "Der Schiedsspruch hat für die Parteien die Wirkung eines rechtskräftigen Urteils." Was wohl nichts anderes heißen soll als: Hellsterns Start war okay.

Trotz seiner Einwände hat der DLV bislang offiziell keine weiteren Schritte eingeleitet. An der Streitfront herrscht derzeit Ruhe. Ethisch-moralische Fragen bezüglich Hellsterns Start bleiben hingegen bestehen. Aber für solche sind Schiedsgerichte auch nicht zuständig.

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Autor: Michael Dörfler