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24. Januar 2011

Absolut ausgefeilte Klangschönheit

Giulia Ott, Andriy Bandurin und die Junge Münchner Philharmonie eröffneten unter Mark Mast die 25. Klosterkonzerte.

  1. Der Klarinettist Andriy Bandurin aus der Ukraine interpretierte Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur unter Leitung von Mark Mast mit der Jungen Philharmonie München. Der Festsaal im Kloster St. Blasien feierte die ausgereifte Darbietung mit stürmischem Applaus. Foto: Margrit Matyscak

  2. Die Harfenistin Giulia Ott interpretierte unter Leitung von Mark Mast mit der Jungen Philharmonie München das Konzert für Harfe und Orchester von Nino Rota. Im Festsaal des Klosters St. Blasien raubte die Harfe mit ihrer ausgereifte Darbietung schier den Atem. Foto: Margrit Matyscak

ST. BLASIEN. Mit ausgefeilter Klangschönheit eröffneten Orchester und Solisten die Klosterkonzerte im Jubiläumsjahr. Mark Mast und die Junge Philharmonie München fassten in ihrem Festkonzert "Mozart+" spannungsgeladene Dialoge zwischen Soloinstrumenten und Orchester aus der Hochklassik und Moderne zusammen.

Es gehört Courage dazu, Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester in A-Dur, KV 622, und damit die höchste Stufe der Klassik, mit Filmmusik in ein Programm zu packen. Nino Rotas Konzert für Harfe und Orchester malt eine Bilderfülle, die dem Klarinettenkonzert nicht nachsteht. Die musikalischen Welten, die zwischen beiden Entstehungsjahren liegen, 1791 und 1947, verschwinden hinter dem Gedankenreichtum der Kompositionen. Hier singt eine Klarinette zur Begleitung der Streicher und diskutiert mit den Bläsern des Orchesters, dort singt eine Harfe mit Bläsern und legt dem gesamten Orchester Klangteppiche.

Den Klarinettisten Andriy Bandurin und die Harfenistin Giulia Géraldine Ott verbindet die Schweiz. 1991 in der Ukraine geboren und mit zahlreichen Klarinettenpreisen geehrt, studiert Andriy Bandurin seit 2009 in Bern. Giulia Ott, 1993 in der Schweiz geboren und mit weltweit renommierten Harfenpreisen ausgezeichnet, studiert in Basel. Beide Musiker sind mit ihrem Instrument so verwachsen, so dass sie scheinbar keine technischen Widerstände zu überwinden brauchen. Musik in ihrer schönsten Klarheit und Farbigkeit fließt organisch, natürlich. Was Mozart Andriy Bandurin an Intervallsprüngen abverlangt, wenn er Höhenflüge zur Flöte fordert oder kurz die Tiefen des Fagotts antippt, dann folgt der junge Ukrainer freudig und leicht, als entspräche gerade dies seinem eigenen Temperament. Nino Rota lässt die Harfe in spannungsgeladenen Kantilenen mit den Bläsern um die Wette singen. Höhendifferenzen fordern dabei von der Harfe Singen auf den kürzesten Saiten, die gerne stumpf und hart klingen wollen. Aber Giulia Ott entlockt ihnen weiche Fülle, um im nächsten Augenblick mit Harfenrauschen das Orchester in die Höhe zu heben.

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Ausgereifte Solointerpreten brauchen ausgezeichnete Orchesterbegleitung. Die Mehrzahl der Mitglieder der Jungen Münchner Philharmonie entsprechen der Altersgruppe der beiden Solisten. Sie tragen die Kultur aus 14 Nationen zusammen und lassen sich von Mark Mast zu einer Einheit zusammenschweißen. Beide Solistenkonzerte würden ohne innigstes Verständnis zwischen Solist und Orchester zu einer Qual. Hier werden Superlative gefordert. Werden sie ausgeführt, entsteht Musik aus anderen Sphären. Die Zuhörer im voll besetzten Festsaal des Klosters St. Blasien fühlten sich in den Himmel entrückt und dankten mit Applausstürmen.

Als die Junge Münchner Philharmonie nach der Pause mit der Symphonie Nr. 39 in Es-Dur, KV 543, zeigen durfte, was sie alleine kann, knüpfte sie an die Höhenflüge vor der Pause an. Mark Mast forderte gemäßigte Tempi und Brillanz der Farben. Er erhielt sie schillernd schön wie Regenbögen. Ein Konzert, von dem wohl mancher noch lange schwärmen wird.

Autor: Margrit Matyscak