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14. Juni 2013

Der "Heimatsinn" wird heimatlos

In Menzenschwand muss das Geschäft mit dem preisgekrönten Konzept schließen / Mietvertrag wird nicht verlängert.

  1. Das Schild muss im August abgebaut werden – dann schließt der Laden im Menzenschwander Hinterdorf. Foto: Sebastian Barthmes

ST. BLASIEN-MENZENSCHWAND. Der "HEIMATsinn" steht vor dem Aus. Das Geschäft war im Mai 2010 eröffnet worden. Das Konzept, regionale Lebensmittel, Schwarzwälder Kosmetika und Souvenirs anzubieten, wurde seither vielfach gelobt und sogar ausgezeichnet. Im August endet der Mietvertrag und eine Verlängerung gibt es nicht. Neue passende Räumlichkeiten haben die Betreiber nicht gefunden.

Viel Zeit und Geld hatten Anja Keller, ihr Lebensgefährte Christian Nutto und Benno Kaiser investiert, bevor sie ihr Geschäft "HEIMATsinn" im 2010 eröffneten. Die Grundidee war, den Menzenschwand zu beleben, für die Infrastruktur etwas zu tun, wie sie sagen. Angeboten werden nur regionale Produkte, die aus einem Umkreis von rund 40 Kilometern stammen. Eingerichtet ist das Geschäft im Schwarzwaldstil.

Die Reaktionen auf die Eröffnung waren positiv, viele Menschen hätten den frischen Wind im Ort begrüßt, erinnern sich Anja Keller und Benno Kaiser. Aber es gab auch Skeptiker, die dem Laden ein baldiges Ende voraussagten. Aber sie behielten nicht recht und es ging stetig aufwärts. Und nachdem der "HEIMATsinn" im März in einem Fernsehbeitrag vorgestellt worden war, stieg der Umsatz nochmals deutlich an.

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Alles lief also gut und dennoch kommt nun das Aus für den Laden. Denn der Mietvertrag läuft im August aus, andere passende Räumlichkeiten haben die Betreiber nicht gefunden. Der Vertrag sei zunächst auf zwei Jahre befristet gewesen, so Keller. Denn man habe nicht gewusst, ob das Konzept überhaupt funktioniere – die drei Eigentümer wollten sich deshalb nicht langfristig binden. Im vergangenen Jahr wurde der Mietvertrag dann bis Ende April 2013, später dann noch einmal um vier Monate bis August verlängert. Eine weitere Verlängerung lehnte die Vermieterin aber ab.

Schon vor längerer Zeit hatten sich Anja Keller, Christian Nutto und Benno Kaiser auf die Suche nach Ersatzräumen gemacht. Erneut Räume anzumieten, sei nicht in Frage gekommen, erzählen Keller und Kaiser. Sie wollten nicht noch einmal viel Geld in die Ausstattung gemieteter Räume investieren, um dann nach einiger Zeit vor dem gleichen Problem zu stehen.

Also einschlossen sich Anja Keller und Christian Nutto, ein Haus zu erwerben und darin Räume für den "HEIMATsinn" einzurichten. Das Haus, in dem sich das Geschäft derzeit befindet, wurde ihnen zwar zum Kauf angeboten, war aber für sie ebenso nicht finanzierbar wie weitere Objekte in Menzenschwand. Schließlich wurde das Paar dann aber doch fündig. Sie einigten sich mit der Eigentümerin, die den Verkauf jedoch zwei Tage vor dem Notartermin absagte. Weiter Alternativen gäbe es nicht, bedauern die Betreiber des Ladens.Während ihrer Suche seien sie von den Menzenschwandern sehr unterstützt worden, viele hätten "kräftig mitgedacht" erinnern sich Anja Keller und Christian Nutto. Und auch Bürgermeister Rainer Fritz sowie Ortsvorsteher Joachim Gfrörer hätten sich immer wieder nach dem Stand der Dinge erkundigt. Das Interesse ihrer Mitmenschen sei emotional sehr wichtig gewesen, so die Grafikdesignerin.

Die Idee, den "HEIMATsinn" in einen anderen Ort zu verlegen, sei nie aufgekommen, obwohl aus anderen Ortschaften Interesse angemeldet wurde, wie sie sagten. In Hinterzarten oder Titisee sei ein Geschäft sicher lukrativer, aber dann wäre der Grundgedanke, Menzenschwand voranzubringen, nicht mehr erfüllt gewesen, sagt Keller. Und Benno Kaiser stimmt ihr zu: "Das Baby ist hier geboren worden und sollte auch hier groß werden". Das Ende des Geschäfts sei "fast ein Genickbruch" für Menzenschwand, sagt Benno Kaiser.

Autor: Christiane Sahli