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13. Februar 2016

Hochkarätige Stars von morgen präsentieren sich

Im Rahmen des Kammermusikfestivals Musitektur in St. Blasien treten auch die Teilnehmer der Meisterkurse auf.

  1. Bei dem hochkarätigen internationalen Teilnehmerkonzert der jungen Stars von morgen im Rahmen des Musitektur-Festivals in St. Blasien am Dienstagmittag präsentierte sich auch die junge Cellistin Natalia Dauer dem Publikum Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

  2. Bei dem hochkarätigen internationalen Teilnehmerkonzert der jungen Stars von morgen im Rahmen des Musitektur-Festivals in St. Blasien am Dienstagmittag präsentierte sich auch die junge Cellistin Hee-Young Lim dem Publikum Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

  3. Bei dem hochkarätigen internationalen Teilnehmerkonzert der jungen Stars von morgen im Rahmen des Musitektur-Festivals in St. Blasien am Dienstagmittag präsentierte sich auch die junge Geigerin Madina Adamova dem Publikum Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

  4. Bei dem hochkarätigen internationalen Teilnehmerkonzert der jungen Stars von morgen im Rahmen des Musitektur-Festivals in St. Blasien am Dienstagmittag präsentierte sich auch die junge Cellistin Angela Chang dem Publikum Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

ST. BLASIEN. Nicht nur die Konzerte der Dozenten des ersten Musitektur-Festivals in St. Blasien erweisen sich aktuell als nachhaltige Bereicherung des kulturellen Angebotes der Domstadt. Das Publikum im Festsaal des Kollegs lauschte am Dienstag ebenso gebannt einem ausgesprochen hochkarätigen international besetzten Teilnehmerkonzert der jungen Stars von morgen. Außer drei Teilnehmern des Kurses von Cellist Wolfgang Boettcher waren dabei eine Geigerin aus der Klasse von Petru Munteanu, eine Pianistin aus der Klasse von Mikhail Aleksandrov sowie eine Mezzosopranistin aus der Klasse von Olga Romanko zu hören.

Zwei Cellistinnen im direkten Vergleich

Am eindrucksvollsten das hohe Niveau der Kursatmosphäre spiegelte mit Sicherheit der direkte Vergleich zwischen den beiden Cellistinnen, die sich jeweils die ersten beiden Sätze eines Haydn-Konzertes vorgenommen hatten, wobei jede auf ihre Art eine meisterhafte Interpretation präsentierte. Hee-Young Lim gestaltete das C-Dur-Konzert im ersten Satz mit einer genialen Mischung aus zarter Anmut und vibrierender Lebendigkeit, das Ohr äußerst feinfühlig immer in Richtung des Klavierbegleiters gewandt. Mit großer virtuoser Geste kostete sie aber auch die lange, ebenso gefühlsintensive wie lauffreudige Kadenz aus. Den zweiten Satz setzte die junge Cellistin mit weit ausholenden, perfekt inszenierten Spannungsbögen um. Angela Chang hingegen verlieh dem ersten Satz des D-Dur-Konzertes mit ihrer zupackenden Art, die ideal zum etwas direkteren, kräftigeren Klang ihres Cellos harmonierte, Dramatik und hochgradige Emotionalität. Temperamentvoll und mit starker Intensität auch ihre Kadenz, einfühlsam, aber dennoch mit unterschwelliger Kraft die ausladende Melodielinie im zweiten Satz.

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Einem ganz anderen Bereich der Celloliteratur widmete sich Natalia Dauer – an diesem Tag übrigens die einzige Kursteilnehmerin aus der Region. Mit großer, ausdrucksstarker, romantischer Geste interpretierte die junge Frau aus Bad Säckingen zunächst Georg Goltermanns Notturno op. 92 und danach Karl Dawidoffs "Aus Springbrunnen", bei dem ihr Bogen lustig über die Saiten tanzte, während die Linke scheinbar mühelos bis in unmittelbare Nachbarschaft zum Steg hinaufkletterte.

Geigerin Madina Adamova spielte die 3. Solo-Partita Johann Sebastian Bachs mit glänzender Phrasierung, einzelne markante Töne gekonnt hervorhebend. Ihre differenzierte Dynamik und ihr gutes Gefühl für Tempi überzeugten ebenso wie ihre spielerische Leichtigkeit auch bei Doppelgriffpassagen und schnellem Laufwerk.

Pianistin Joana Goranko wird zur Publikumsfavoritin

Pianistin Joanna Goranko hatte sich bei ihrem Vortrag dem Komponisten Frédéric Chopin verschworen – und wurde damit zum absoluten Publikumsstar dieses Konzertes. Zum Einspielen quasi nutzte sie die kurze Mazurka op. 24 Nr. 2, wobei sie bereits hier mit Schwung, Akzentreichtum und brillanter Technik Zeichen setzte. Spannungsgeladen begann sie dann das Scherzo b-Moll, hob die große Linie in der Melodie hervor, setzte mit einem Feuerwerk starker Ausbrüche im ersten und zart introvertierten Klängen im Trioteil scharfe Kontraste. Mit dem furios gestalteten Schluss entlockte sie den Zuhörern gar den ein oder anderen Bravoruf.

Mit drei Beiträgen zu hören war Sängerin Olga Gumeniuc, wobei sie mit ihrem Vortrag gleichzeitig dem Programm eine Gliederung angedeihen ließ. Sie eröffnete das Konzert mit einer Cavatina von Haydn und ließ eine kraftvolle, angenehm tembrierte und dabei ausdrucksvolle Stimme hören.

Ganz im Zeichen der sprichwörtlichen "russischen Seele" interpretierte sie in der Mitte des gut eineinhalbstündigen Konzertes Alexander Dargomyschskis "Zephyr der Nacht", dessen Klavierbegleitung von spritziger Lebendigkeit erzählte. Überhaupt sollte die insgesamt großartige Leistung der beiden Klavierbegleiter Andrey Vinichenko und Sergei Filioglo nicht unerwähnt bleiben. Das Konzert beschloss Olga Gumeniucs eher dramatisch angelegter Vortrag von Franz Schuberts "Ave Maria".

Autor: Karin Steinebrunner