Evangelische Kirchengemeinde

Ulmer Unternehmer kauft Erlöserkirche in Menzenschwand

Sebastian Barthmes

Von Sebastian Barthmes

Di, 09. Juli 2013 um 16:05 Uhr

St. Blasien

Erst war sie eine katholische Kirche, dann eine evangelische – und demnächst ist sie nur noch ein Gebäude, das wie ein Gotteshaus aussieht: Die Erlöserkirche im St. Blasier Ortsteil Menzenschwand wurde verkauft.

37 Jahre war die alte Kirche in Menzenschwand evangelisch, jetzt hat sie die Kirchengemeinde verkauft. Einen letzten Gottesdienst wird es am kommenden Sonntag geben. Dann werden die sakralen Gegenstände feierlich aus der Kirche gebracht. Käufer ist der Ulmer Unternehmer Tobias Heimpel. Er will, dass die Kirche weiterhin ein öffentlicher Raum bleibt.

"Ich habe noch keinen ganz klaren Plan damit." Tobias Heimpel
Mit der Unterschrift unter dem Kaufvertrag endet ein langer Weg, sagte Pfarrer Traugott Weber. Weihnachten 2011 sei in der Kirche in Menzenschwand noch ein Gottesdienst gefeiert worden, sonst sei sie im vergangenen Jahr nur noch montags für Meditationen genutzt worden. Welche Bedeutung habe ein Kirchengebäude, das nicht oder nur selten gebraucht wird? Mit dieser Frage setzten sich die Kirchengemeinderäte auseinander. Leicht sei ihnen die Entscheidung, die Kirche zu verkaufen, nicht gefallen, sagte Weber. Aber angesichts von jährlichen Kosten von rund 10.000 Euro und knapper werdender Finanzen habe sich die Gemeinde dazu durchringen müssen.

Bis zum Verkauf wurde die frühere Martinskirche von der katholischen Kirchengemeinde in Menzenschwand genutzt. Nach der Übernahme restaurierte die evangelische Gemeinde das kleine Gotteshaus, eine gebrauchte Orgel und auch neue Bänke wurden eingebaut. 1978 wurde sie schließlich als Erlöserkirche eingeweiht und über viele Jahre auch regelmäßig für Gottesdienste genutzt. Heute sei es aber so, dass alles, was in der Kirche angeboten werde, von St. Blasien abgezogen wird. Gerade so eine Flächenkirchengemeinde wie St. Blasien brauche aber ein geistliches Zentrum. Mit dem Verkauf werde die Christuskirche in St. Blasien als Zentrum der Gemeinde gestärkt.

Die Orgel ist bereits ausgebaut und abtransportiert. Zunächst habe die Landeskirche die Orgel anderen badischen Kirchengemeinden erfolglos angeboten. Danach wurde das Instrument über ein Orgelportal im Internet angeboten – eine katholische Kirchengemeinde aus Polen hat sie nun erstanden. Zur Einweihung werde er nach Polen reisen, sagte Pfarrer Weber.

Die Glocken sind schon weg

Evangelische Kirchen werden nicht geweiht, sondern für den Gottesdienst gewidmet. Jetzt, wenn die Kirche zum "normalen" Gebäude wird, werde sie in einem feierlichen Gottesdienst, den Weber zusammen mit der Prälatin für Südbaden, Dagmar Zobel, hält, entwidmet. Dann werden die Altarbibel, die Abendmahlsgeräte, die Taufschale und auch die Osterkerze aus der Kirche getragen und anschließend nach St. Blasien gebracht.

Die beiden Glocken haben die Erlöserkirche in Menzenschwand bereits verlassen. Die größere Glocke hat die katholische Gemeinde zurück erhalten ihr hatte sie sowieso gehört. Die kleinere Glocke steht derzeit im evangelischen Pfarrhaus in St. Blasien. Das Glockenamt der Landeskirche prüfe derzeit, ob sie zukünftig in der Christuskirche hängen kann, erläuterte Weber.

Zunächst hatte der Winterhalter-Verein Interesse an der Kirche und auch der katholischen Kirche sei sie zum Kauf angeboten worden. Erst als der Museumsverein kein Interesse mehr hatte, kam der Vertrag mit Tobias Heimpel zustande. Er habe schon früher Interesse gezeigt, wollte aber nicht in Konkurrenz zum Museumsverein treten, sagte Weber.

Die Kirche soll öffentlicher Raum bleiben

"Ich habe noch keinen ganz klaren Plan damit", sagt der Unternehmensberater. Er möchte das Gebäude aber gerne Unternehmen und auch Künstlern als Raum für Präsentationen oder andere Veranstaltungen anbieten. Der dann ehemalige sakrale Bau solle weiterhin ein öffentlicher Ort sein. In diesem Jahr werde er aber keine Pläne mehr umsetzen, kündigte er an. Er sei aber beispielsweise für örtliche Künstler schon ansprechbar, wenn sie den Raum einmal nutzen wollen.

Verkauft wurde nur das Kirchengebäude selbst. Die umgebende Fläche ist immer noch ein Friedhof, der der Stadt St. Blasien gehört. Der Verkauf einer Kirche sei immer ein sensibler Vorgang, sagte Weber. Deshalb hat die Kirche in dem Vertrag verschiedene Nutzungsarten auch ausgeschlossen.

Bislang verfügte die evangelische Kirchengemeinde in St. Blasien über drei Gotteshäuser. Die Andreas-Kapelle in Wittenschwand werde weiterhin gebraucht und während der Sommerzeit regelmäßig genutzt, sagte Pfarrer Weber.

Der letzte Gottesdienst beginnt am Sonntag, 14. Juli, um 18 Uhr.