Verkehrssünden

(ST)EINWURF: Die teuren Parkscheiben

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Sa, 25. August 2018

Steinen

Das weithin unbeachtete Feld der deutschen Verwarngeld-Philosophie streifte am Montag Maulburgs SPD-Gemeinderat Markus Trefzer. Er kassierte kürzlich, so erzählte er freimütig, an der Hauptstraße einen Strafzettel über 10 Euro, weil er am "Verkehrszeichen 314" die vorgeschriebene Parkscheibe nicht ausgelegt hatte – die war daheimgeblieben. Sein Sohn hatte kurz davor an gleicher Stelle zwar die Parkscheibe dabei und auch gestellt, dann aber die Parkzeit überschritten. Dies nun habe ein sattes 15-Euro-Knöllchen zur Folge gehabt, staunt Trefzer über die seltsamen Verwarn-Spielregeln: Sohnemann, der sich immerhin teilweise gesetzeskonform verhalten habe, werde trotzdem härter bestraft. Ob das, was Trefzer da erlebt hat, wirklich stimmt, konnte bei einer Blitzrecherche im Schopfheimer Ordnungsamt nicht geklärt werden. Dort erklärt uns dann aber der freundliche Mitarbeiter, dass auch Autofahrer durchaus perfide sein können, wenn’s ums falsche Parken geht: Statt ordnungsgemäß ein sündhaft teures Parkticket zu lösen, hätten etwa

Freiburger Blechle-Besitzer über viele Jahre nach ausgedehntem Stadtbummel lieber auf das Zehn-Euro-Knöllchen daheim gewartet – es war einfach besser fürs Portemonnaie. Es dauerte, bis die Behörden das spitzkriegten. Neugierig geworden, begeben wir uns auf Forschungsreise im Internet und stellen fest, wie komplex die Materie "Falschparken" ist. Allein 47 Möglichkeiten werden aufgezählt, sich wegen Parkvergehen auf deutschen Straßen schuldig zu machen – mit Bußgeldern bis zu 70 Euro (Parken auf der Autobahn). Auch die Geschichte der Parkscheibe ist im Netz nachzulesen. Die seltsamen Erlebnisse des Genossen Trefzer sind also wohl nur die Spitze des Eisbergs, ein Buch zu schreiben böte sich an. Der Arbeitstitel könnte lauten: "Falsch parken will gelernt sein".