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19. September 2017

Ein Schwank um die Gier nach Geld

Theatergruppe St. Märgen probt und werkelt in der Schwarzwaldhalle für ihr neues Stück / Premiere ist am kommenden Samstag.

  1. Die Trauernden diskutieren heftig, wie sie an die begehrte Erbschaft gelangen können. Foto: Alexandra Wehrle

  2. Im zweiten Akt spricht Onkel Herrmann aus dem Bildschirm. Foto: Alexandra Wehrle

ST. MÄRGEN. Theaterprobe in der Schwarzwaldhalle. Es riecht nach Holz, Bauanhänger stehen im Raum, Materialien und Werkzeuge liegen herum, an einem der wenigen Tische sitzt Regisseurin Barbara Rießle und schaut zu. Das halbfertige Bühnenbild ist hell erleuchtet. Erregte Worte fliegen auf der Bühne hin und her. Denn die Erbschaft, um die es im heiteren Schwank "Onkel Herrmann und die Plunderhosen" geht, wird nur unter bestimmten Bedingungen ausbezahlt. Dreimal führt die Theatergruppe St. Märgen das Stück auf, der Kartenvorverkauf läuft.

Was tut man nicht alles für Geld? Vor allem, wenn man es in Erwartung einer prächtigen Erbschaft teils schon ausgegeben hat. Onkel Herrmann (Alfred Rießle) konnte sich offenbar gut vorstellen, was seinen Verwandten nach seinem Tod alles einfallen könnte und hat sich etwas ausgedacht: Über eine Videobotschaft erklärt er ihnen nach seiner Beerdigung, dass sie ein von ihm verfasstes Theaterstück aufführen müssen, wenn sie sein Erbe antreten wollen. Herrmanns Neffen Benno (Stefan Löffler) und Klaus-Dieter (Ralf Wilhelm) kennen dieses Stück und weigern sich energisch, mitzumachen. Feuerwehrkommandant Eberhard Höfling und der Notar (Dominik Schnell), der ein unehelicher Sohn Herrmanns sein soll, haben da weniger Probleme. Sind sie doch genauso scharf aufs Geld wie Bennos und Klaus-Dieters Gattinnen Elfriede (Melanie Goldschmidt) und Anneliese (Stefanie Saier).

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Gerade stecken die Schauspieler im zweiten Akt. Onkel Herrmann spricht aus dem Bildschirm, als sei er noch leibhaftig vorhanden, und nimmt sich seine Liebsten einzeln zur Brust. Die reagieren entsprechend erschrocken, beleidigt oder peinlich berührt. Gar nicht so einfach für die Schauspieler, ihr Timing auf das Video abzustimmen. Text und Spiel müssen genau in die Lücken passen, die Rießle beim Sprechen gelassen hat.

Die Regisseurin unterbricht die Szene mehrmals und lässt Teile wiederholen. Manchmal bricht ein Schauspieler selber ab. "Jetzt nehme euch mol e Beispiel, wie der de Text ka", deutet Alfred Rießle, nun als Souffleur, auf sein Alterego im Bildschirm. Alle lachen.

Der dritte Akt steht an, in dem das Theaterstück im Theaterstück aufgeführt wird. Denn natürlich haben sich Bennos und Klaus-Dieters geldgierige Gattinnen durchgesetzt. Und weil Onkel Herrmann bestimmte Kostüme für sein Stück verlangt, stolzieren alsbald barock und mittelalterlich gekleidete Damen und Herren in der Halle herum. Melanie Goldschmidts glänzend blaues Kleid ist selbst genäht. Andere haben sich die Kostüme geliehen und mit Accessoires ergänzt. Stefan Löffler hat die weißen Feinstrumpfhosen, die die Männer in Onkel Herrmanns Theaterstück tragen müssen, im Internet bestellt – "vorsichtshalber e weng größer". "Ich bin gespannt, was für Empfehlungen ich künftig kriege."

Während Stefanie Saier alias Anneliese alias Onkel Herrmanns Königin vom Hinteren Hirschenhof in einer Sänfte vor die Bühne getragen wird, schieben Tobias Hummel und Johannes Schlegel einen Anhänger aus der Halle. Zusammen mit Stefan Hog und Lukas Fehrenbach sind sie für Bühne und Technik zuständig. Bis das Bühnenbild steht und die Gerüste abgebaut sind, haben sie noch einiges zu tun.
Pssst – der dritte Akt beginnt!

Info: "Onkel Herrmann und die Plunderhosen... und wieder schweigen die Männer" von Regina Rösch wird am 23. September, 30. September und 1. Oktober aufgeführt. Einlass ist um 18.30 Uhr, die Aufführung beginnt um 20 Uhr. Karten für zehn Euro sind im Vorverkauf erhältlich im Internet unter http://www.theater-stmaergen.de oder persönlich jeden Freitag in Tännle's Kartoffelkiste am Kirchplatz.

Autor: Alexandra Wehrle