Josefshaus öffnet die Türen

Christian Ringwald

Von Christian Ringwald

Do, 04. Oktober 2018

St. Peter

Seit 15 Jahren werden in der Einrichtung in St. Peter abhängige Menschen betreut.

ST. PETER. Das Josefshaus mit seinem markanten Türmchen gibt es in St. Peter seit 129 Jahren. Zunächst war es ein Krankenhaus, später über ein Jahrhundert lang gehörte es zu einem Orden, war Erholungshaus und Herberge, immer Heimat für Menschen. Vor 15 Jahren zog neues Leben ins Josefshaus, seither finden dort mehrfach abhängige Menschen eine Anlaufstelle. Mit einem kleinen Fest stellte sich das Haus der Öffentlichkeit vor.

Leiter des Hauses mit seinen 30 Wohnplätzen ist Peter Werz. Bei der Feierstunde konnte er eine bunte Festgemeinde willkommen heißen. Bewohner und Mitarbeiter, viele Ehemalige aber auch Vertreter des öffentlichen Lebens mit Bürgermeister Rudolf Schuler und Alt-Bürgermeister Gottfried Rohrer waren der Einladung gefolgt. Das Josefshaus sei eine "große WG", so Peter Werz, allerdings können sich die Bewohner ihre Mitbewohner nicht aussuchen. Im Großen und Ganzen klappe das Zusammenleben. Werz nannte die Einrichtung "ein Sprungbrett zurück in die Selbständigkeit". Wichtig sei, dass die Bewohner spüren, wieder wichtig und angenommen zu sein. Die Einbindung in die Hausgemeinschaft und eine feste Tagesstruktur sollen ihrem Leben wieder Inhalt und neuen Sinn geben. Neben den 30 Plätzen im Haus sind der Einrichtung neun weitere Plätze in Außengruppen angegliedert.

Die Bewohner bereiten unter Anleitung ihre Mahlzeiten selbst zu. Aus der Küche werden rund zehn Personen mit Essen auf Rädern versorgt, auch wird der Mittagstisch der Kernzeitbetreuung der örtlichen Grundschule vom Josefshaus aus bedient.

Das Mittagessen wird gemeinsam eingenommen, Frühstück und Abendbrot zentral vorbereitet, dann in den Wohngruppen eingenommen. Zum Haus gehört ein großer Garten. Wesentlicher Bestandteil des Tagesprogramms sind die Beschäftigungsangebote. Jeder Bewohner arbeitet entsprechend seinen Interessen, Fertigkeiten und dem individuellen gesundheitlichen Zustand.

Für Willi Vötter von der Evangelischen Stadtmission Freiburg, er gilt als Vater des neuen Josefshauses, ist die Einrichtung eine "Erfolgsgeschichte". Vom Bedarf war er schon lange überzeugt, bis die Idee aber verwirklicht werden konnte, verging über ein Jahrzehnt. In St. Peter herrschte anfangs Skepsis. Eisbrecher sei der damalige Bürgermeister Gottfried Rohrer gewesen. Dank Gottes Wirken, so Willi Vötter, könne man heute jubeln und freudig feiern. Die Übernahme des (alten) Josefshauses, so Bürgermeister Schuler, durch die Evangelische Stadtmission Freiburg sei für das Klosterdorf "ein Glücksfall" gewesen: "Das Haus tut St. Peter gut".

Durch das neue Teilhabegesetz stehe das Haus vor großen Veränderungen, gleichwohl zeigte sich Martina Thrän vom Diakonischen Werk Baden zuversichtlich; sie sicherte dem Träger die volle Unterstützung des Diakonischen Werks zu. Für den Freundes- und Förderkreis sprach Stefan Heckhausen. Als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer kam er vor über zwei Jahrzehnten ehrenamtlich zur Stadtmission. Die Entwicklung in St. Peter habe er ab der ersten Stunde begleitet. Von der Arbeit sei er "sehr beeindruckt". Der Verein unterstützt Projekte für die Bewohner und sieht sich als Brücke zur Gemeinde. Mit Hilfe des Vereins wurde die Lehmhütte im Garten erstellt; aktuell soll das Dachgeschoss im Nebengebäude über dem Werkstatt-Café ausgebaut werden.