"Schon viel von Deutschland gelernt"

Alexandra Wehrle

Von Alexandra Wehrle

Di, 30. Mai 2017

St. Peter

Delegation aus der südjapanischen Kleinstadt Oki besucht die Gemeinde St. Peter / Interesse an regenerativen Energien und dem Genossenschaftswesen.

ST. PETER. Eine achtköpfige Gruppe aus der südjapanischen Kleinstadt Oki war in St. Peter zu Gast. Wie schon beim Besuch der Schwarzwälder im Oktober 2016 in Japan stand die Gewinnung regenerativer Energien im Mittelpunkt, zudem das Genossenschaftswesen, das es in Japan so nicht gibt.

Auf dem Gschwinghof sitzen die japanischen Gäste mit Bürgermeister Rudolf Schuler, Hauptamtsleiter Bernd Bechtold und Eugen Hog von der Bürger Energie in der Bauernstube von Margarete und Matthäus Weber. Das Windrad, das zum Hof gehört, haben die Gäste schon am Nachmittag angeschaut. Der Hausherr erläutert das Bauernvesper auf dem Tisch, mit Brot, das Margarete Weber selbst gebacken hat. Auch das ein oder andere gute Tröpfchen steht bereit.

Die Japaner lauschen gebannt ihren Übersetzern Yoko Kawazaki und Daniel Kremers, dann greifen sie gerne zu. Matthäus Weber freut sich über den Besuch. Er war selbst im Oktober in Japan dabei. "Energie ist ein weltweites Thema", sagt er. "Wir haben die Technik, es gibt die Energie." Nun müsse man die regenerative Gewinnung weiter voranbringen.

Das Programm der Besucher ist umfangreich und minuziös geplant. Neben Sehenswürdigkeiten wie St. Peter, Titisee und St. Märgen stehen die Besichtigung der Fernwärme-Heizzentrale St. Peter und des Gschwinghofs mit Windrad auf dem Programm. Auch mit Gemeinderat, Verwaltung und Gründungsmitgliedern der Bürgerenergiegenossenschaft trifft sich die Delegation. Zum Teil kennt man sich schon vom Besuch in Japan. Auch bei der Eröffnung der Kleinkindgruppe am Sonntag, wo sie den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft positiv bemerken, sind die Japaner zugegen.

Neben dem stellvertretenden Bürgermeister von Oki, Kimio Sakai, gehören der Delegation Mitglieder des dortigen Gemeinderats und der Stadtverwaltung an, zudem ein Mitarbeiter der Umweltabteilung. Zwei von ihnen sind Landwirte mit Erdbeer-, Spargel- und Getreideanbau sowie Schweinezucht.

Oki hat 14 000 Einwohner und ist ländlich geprägt

Kimio Sakai war früher Leiter der Recycling-Abteilung in Oki. Herzstück der Entsorgung dort ist eine Biomasseanlage, die Biomüll aus Haushalten, Abwässer und Abfälle aus der Landwirtschaft verwertet, wie er erklärt. Dort ist auch ein Zentrum für Ausbildung im internationalen Austausch entstanden, über das er selbst 1990 erstmals nach Deutschland kam. Oki hat rund 14 000 Einwohner und ist ländlich geprägt. Außer Landwirtschaft und etwas Handwerk gibt es kaum Wirtschaft. Die Stadt liegt in der Präfektur Fukuoka in einer Tiefebene, knapp über Meereshöhe. Hier werden Pilze und Edelfrüchte wie riesige Erdbeeren angebaut. 14 Prozent der Fläche bestehen aus Wasserstraßen, insgesamt 210 Kilometer lang. Besonders interessiert seien sie an der Stadtplanung kleiner Gemeinden wie St. Peter, erklärt Sakai. "Wir haben schon viel von Deutschland gelernt."

Beeindruckt zeigt er sich von der engen Zusammenarbeit zwischen Gemeindeverwaltung und Bürgern und von der Schnelligkeit, mit der die Fernwärme in St. Peter umgesetzt wurde. "In Japan wäre das schwierig wegen der Rechtslage", so Übersetzer Kremers über das Genossenschaftsmodell, das es in dieser Form in Japan nicht gibt. Eine große Solaranlage von Bürgern in einer Nachgemeinde Okis ist als Aktiengesellschaft organisiert, wobei einen großen Anteil die Stadt hält. Die Biomasseanlage in Oki wird von einem Verein betrieben.

Sakai steht auf und verteilt blaue Kittel mit japanischen Schriftzeichen. Sie werden in Japan bei einer Art Kirmes getragen, erklärt Kremers, der am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio arbeitet. Das Institut hat die Reise mitorganisiert. Bürgermeister Schuler, Hauptamtsleiter Bechtold, die beiden Gastgeber und Eugen Hog dürfen einen Kittel überziehen, auch Sakai zieht einen an. "Die ganzen drei Tage waren sehr freundschaftlich", resümiert Bürgermeister Rudolf Schuler nach Abreise der Besucher zufrieden. Das ist auch in der Stube auf dem Gschwinghof zu spüren, wo noch einiges getrunken, gescherzt und gelacht wird.

Eine Partnerschaft wird nicht besiegelt, zum einen weil bisher noch zu wenig Austausch war – von beiden Seiten erst ein Besuch –, zum anderen wegen der großen Entfernung, die Treffen schwierig macht. Schuler glaubt, dass der Kontakt dennoch hält: "Freundschaftlich werden wir sicherlich verbunden sein."