Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
17. Dezember 2009 17:07 Uhr
Hoffnungsschimmer
Staufener Risse: Erde hebt sich langsamer
Staufen atmet auf - zumindest ein wenig: Die für die Risse verantwortlich gemachten Erdhebungen verlangsamen sich. Auch bei den Erdwärme-Bohrlöchern gab es Fortschritte.
STAUFEN. EWS 7 ist der größte Schluckspecht: 1000 Liter Zementsuspension hat es gebraucht, um die Erdwärmesonde hinter dem Rathaus allein im unteren Bereich dicht zu bekommen. Inzwischen sind sämtliche sieben Bohrlöcher zwischen 140 und 90 Meter abgedichtet. An der Oberfläche macht es sich schon bemerkbar: Das Hebungstempo ist leicht runtergegangen.
Millionen für Staufen
Das lange schon als hauptverantwortlich für die Hebungen ausgemachte siebte Bohrloch ist mit den großen Mengen an Zementsuspension, das es aufgenommen hat, noch mehr in den Fokus geraten. Abgedichtet wurden alle der 2007 gebohrten Löcher, aber nirgendwo war die Menge des Materials derart hoch. "Bei den anderen sechs waren es jeweils unter 100 Litern", sagte Geotechniker Robert Breder am Donnerstag auf der monatlichen Pressekonferenz der Stadt.
Bürgermeister Michael Benitz berichtete davon, dass sich die Zahl der beschädigten Häuser auf 237 erhöht habe. Die Stadt hat inzwischen 3,5 Millionen Euro im Zusammenhang mit den Hebungen ausgegeben. Knapp zwei Millionen Euro hat das Land mittlerweile überwiesen. Weitere Gelder für Staufen seien im Landeshaushalt 2010/11 eingestellt, so Benitz. In den dreieinhalb Millionen Euro noch nicht enthalten seien die Kosten für die bauliche Trennung von Rathaus und Rathaus-Café. "Diese Maßnahme wird auch vorerst zurückgestellt", sagte Benitz.
Werbung
Staufens Bemühungen um weitere finanzielle Töpfe und zum Ausgleich der Interessen gehen voran. So hat inzwischen der Gemeinderat die Satzung der Stiftung zur Erhaltung der historischen Altstadt beschlossen. Außerdem wurde eine Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei beauftragt, zu erarbeiten, wie die von Stadt gewünschte Schlichtungsstelle zur Regulierung der Bauschäden beschaffen sein muss und welche Persönlichkeiten darin sitzen sollen. "Es werden ortsfremde Personen sein, die das Vertrauen aller Verfahrensparteien genießen", sagte Benitz auf Nachfrage. Die Stelle müsse auch über einen eigenen Haushalt verfügen.
RISSE IN STAUFEN
Das Abpumpen von Grundwasser aus 140 Meter Tiefe ruht momentan. Der Pumpbetrieb wird erst wieder angefahren nach Aushärtung der Zementsuspension in Bohrloch 7, die zeitweise mit abgepumpt worden war. Im neuen Jahr geht das Abdichten der sieben Bohrlöcher weiter. Geplant ist, sie bis zur Erdoberfläche hin abzudichten.
In einem Schreiben an die Rissegeschädigten hat die Stadt auf die Erhebung der Einrede der Verjährung verzichtet. "Diesen Schritt erwarten wir jetzt auch vom Land", sagte Bürgermeister Benitz.
INFO: GEOTHERMIE
Unter Geothermie versteht man die unterhalb der Erdoberfläche gespeicherte Wärmeenergie (Erdwärme). Aus ihr lässt sich Strom und Wärme produzieren – und zwar ohne Freisetzung von Kohlendioxid. Die Energie ist anders als bei Wind und Sonne unabhängig von Tageszeit und Witterung zu allen Jahreszeiten verfügbar. Auch ist sie schier unerschöpflich: Nach Angaben der Geothermischen Vereinigung strahlt die Erde rund viermal mehr Energie in den Weltraum ab, als die Menschheit derzeit verbraucht. Geothermiestrom benötigt zwar keinen zusätzlichen Aufwand für Lagerung und Entsorgung; die Erzeugung dieses alternativen Stroms ist derzeit aber noch recht teuer.
- Geothermie: Freiburger Experte rät zu Umsicht
- Interaktive Karte: Risse in Staufen
- Investition: Land gibt Millionen für Staufen
- Leidensgenossen:Nach Staufen auch Risse in Schorndorf
- Staufen: Ist die Bohrfirma schuld?
- Fotos: Risse in Staufen
Autor: Hans Christof Wagner
