Der Wachwechsel beim Bürgerverein Grunern ist vollzogen

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Mi, 04. April 2018

Staufen

Der neue Vorstand mit Achim Breit, Heike Dietsche und Pierre Gautier hat Ulrich Wüst abgelöst / "Gewisses Maß an Eigenständigkeit des Dorfes bewahren".

STAUFEN-GRUNERN. Einschnitt, Zäsur, Ende einer Ära: Große, aber passende Worte für das, was gerade im Bürgerverein Grunern geschehen ist. Der seit über zwei Jahrzehnten amtierende Vorsitzende des sehr rührigen Vereins, Ulrich Wüst, hat das Amt kürzlich in jüngere Hände gelegt. Bereits seit Oktober 2017 waren alter und neuer Vorstand im Gespräch, um einen möglichst reibungslosen Übergang zu schaffen.

Eins stellen die Neuen gleich klar: So viel Zeit wie Ulrich Wüst und das alte Team werden sie nicht haben: "Es ist eine Tatsache, dass bisher vieles auf den Schultern von Ulrich Wüst lag", erklärt Pierre Gautier, Beisitzer im Vorstand. "Der Bürgerverein wird mit dem neuen Vorstand nicht mehr so arbeiten können wie bisher, weil wir alle berufstätig sind. Und ich finde es auch sinnvoll, Projekte auf mehr Schultern zu verteilen."

Die Bilanz, die der alte Vorstand bei der Jahreshauptversammlung gezogen hatte, war in der Tat beeindruckend für einen kleinen Ort wie Grunern: Hervorgegangen aus einer Protestbewegung gegen eine geplante Mülldeponie und die Umfahrung, konzentrierte sich der Verein rasch auf den Erhalt und die Stärkung der dörflichen Infrastruktur.

Kindergarten, Schule, Kernzeitbetreuung, Sanierung von altem Rathaus und alter Schule, Schaffung eines Bürgerhauses, Aufbau der Wärmeversorgung für diese Gebäude über ein Blockheizkraftwerk, Bau des Spielplatzes, Betreuung von Ausgleichsflächen, Aufbau des Dorfladens – das sind nur einige der Projekte, die seit Gründung des Vereins 1992 realisiert werden konnten.

"Eine dörfliche Infrastruktur zu erhalten heißt nicht zwangsläufig, Front gegen die Muttergemeinde zu machen" kontert Ulrich Wüst Vorwürfe von Abschottung und Abkapselung. "Unsere Arbeit war und ist eine Ergänzung. Grunern gehört zu Staufen, da sind sich alle einig. Es geht nur darum, als eingemeindetes Dorf ein gewisses Maß an Eigenständigkeit zu behalten. Das heißt: Dorf tickt anders als Stadt. Und Dorf darf auch anders ticken."

2019 wird das Dorfjubiläum 875 Jahre Grunern gefeiert

Beispiel Schule: Die Zwergschule Wettelbrunn/Grunern ist für viele Eltern so etwas wie eine Zufluchtsstätte geworden für Kinder, die eine große Schule wie die Thaddäus-Rinderle-Schule nicht vertragen würden. "Den Unterschied dürfen wir auch herausstellen und offensiv präsentieren" – darauf legt Wüst großen Wert. "Wir können hier Kindergarten und Schule bieten in einer dörflichen Struktur, in einer einfachen überschaubaren Situation für die Kinder."

Ähnliche Argumente höre er auch bei seiner Arbeit im Dorfladen. Viele Kunden sagten, sie gingen seltener in die Supermärkte, wo man von dem Angebot gleichsam erschlagen werde; im Dorfladen sei alles überschaubarer, kleiner und von guter regionaler Qualität. Dass die Schule im Dorf bleibt, darauf werde auch der neue Vorstand ein Auge haben, betont der neue erste Vorsitzende Achim Breit. "Wenn Diskussionen beginnen sollten, dass man die Schule schließen will, werden wir uns ganz sicher dafür starkmachen, dass der Kindergarten, die Kernzeit-Betreuung und natürlich auch die Schule erhalten bleiben. Wenn unsere Erst- und Zweitklässler hier zur Schule gehen können, dann ist uns das so wertvoll, dass wir uns für den Erhalt einsetzen werden, sollte sich da eine Veränderung abzeichnen."

Und Breit nennt auch einen zweiten Punkt aus der laufenden Agenda des Bürgervereins: die Umfahrung von Staufen. Hier hatte sich der Bürgerverein von Grunern sehr stark personell wie finanziell engagiert und einen Vergleich vor dem Verwaltungsgericht erreicht. "Was wir sicher machen werden: die Diskussionen über den zweiten Abschnitt der Umfahrung sehr kritisch begleiten. Das ist ja sozusagen Teil der DNA, des Erbguts des Bürgervereins."

Und auch zwei neue Projekte des Bürgervereins sind bereits in der Diskussion. So soll der nicht mehr benutzte Trafo-Turm am Friedhof zu einem "Öko-Turm" umgebaut werden, mit Nistplätzen für Fledermäuse, Schleiereulen, Schwalben und andere Vogelarten.

"Und wir haben nächstes Jahr das Dorfjubiläum 875 Jahre Grunern", sagt die zweite Vorsitzende Heike Dietsche. "Da gibt es erste zarte Überlegungen, diesen Anlass zu nehmen und 2019 ein Fest zu feiern." Es werde mit Sicherheit nicht die Ausmaße der Feier in Wettelbrunn 2016 annehmen; es sei auch nicht das Ziel, etwas in dieser Größenordnung auf die Beine zu stellen. "Aber wir wollen schon die Gelegenheit nutzen, eine kleine Jubiläumsfeier zu veranstalten, wo wir die Leute aus dem Dorf zusammenbringen."

Angesichts der aufkommenden Diskussion um die "unechte Teilortswahl" wird der Bürgerverein auch politisch gefordert werden. Denn sollte die garantierte Repräsentanz von dörflichen Vertretern im Gemeinderat wegfallen, könnten an deren Stelle die aktiven Bürgervereine treten, um die Rechte und Anliegen der Teilortbewohner zu vertreten. "Für uns ist es wichtig, den Zusammenhalt im Dorf zu fördern", fasst Achim Breit zusammen. "Dass das Dorf seine Identität behält. Nicht, dass wir untergehen oder aufgehen in Staufen. Das Dorf hat eine lange Tradition, eine andere als die Stadt, eine gewisse Identität – und wir setzen uns dafür ein, dass das so bleibt."

Die Webseite des Vereins findet man unter: http://www.grunern.de