Ein Stück voll Zynismus und Witz

Theresa Ogando

Von Theresa Ogando

Mi, 05. April 2017

Staufen

Junges Theater am Faust-Gymnasium führt "Die Tochter des Ganovenkönigs" auf.

Am Wochenende führte das Junge Theater des Faust-Gymnasiums Staufen das preisgekrönte Stück "Die Tochter des Ganovenkönigs" des niederländischen Autors Ad de Bont mit viel Zynismus, Spannung und Witz auf. Die besondere Schwierigkeit bestand darin, dass die meisten Rollen doppelt besetzt wurden. Unter der Regie von Zehntklässler Adrian von Detten und Lehrer Tobias Bubeck spielten nämlich 14 Schüler der fünften bis siebten Klasse ein Stück mit nur sieben Rollen. Die seit diesem Schuljahr neu zusammengestellte Gruppe probte seit September und intensiver seit Weihnachten mit zusätzlichen Probewochenenden.

Das Stück handelt von einem Königspaar, das in kriminelle Machenschaften verwickelt ist und seine eigene Tochter umbringen will, um ihr goldenes Herz zu besitzen. Die Tochter Julchen (treffend gespielt von Carla Gellert und Luana Alborino) ahnt Böses und will sich, nachdem die Eltern ihre Großmutter (Mirella Frommhold und Melvin Stapleton) im Wald ausgesetzt haben, von ihren Eltern scheiden lassen. Deshalb sucht sie die Hilfe von zwei korrupten Staatsdienern, einem Richter (Jonathan Altherr und Josha Mielich) und einem Kommissar (komödiantisch dargestellt von Leander Meyndt). Eine Geschichte voller Intrigen. Teils Märchen, teils Krimi. Mit einem herrlich bösen Königspaar, dargestellt von Mara Erhardt, Silvan von Detten, Amelie Ebner und Julia Pfefferle. Und einem verschlagenen Richter, dem es trotz illegaler Machenschaften gelingt, sich gut darzustellen, sodass er am Ende zum neuen König gekrönt wird. Aufgrund seiner Hinterlist hält Tobias Bubeck ihn für den schlimmsten Charakter des Stückes. Erzählt wird die Geschichte von Aurélie Sailly, Victor Zimmermann und Valentin Zuern.

Die Geschichte wie auch die Darstellung war für eine Aufführung einer Unterstufe überraschend düster und tiefgründig. Lehrer Tobias Bubeck berichtet, dass man nichts verniedlichen wollte, man wollte kein klassisches Märchen aufführen, sondern Missstände in der Gesellschaft mit schwarzem Humor aufzeigen. Die Selbstbestimmtheit und das aktive Vorgehen gegen Ungerechtigkeiten, von Seiten der erst zwölfjährigen Figur des Julchens, gefielen deswegen besonders. Tobias Bubeck meint, dass auch Fünftklässler schon komplexe Probleme wahrnehmen, weswegen die Darstellung des Richters auch eine Anspielung auf Donald Trump sei. Der Richter wird am Ende mit Plastikfolie umhüllt, was, laut Bubeck, ein Sinnbild für die leeren Worthülsen und Versprechungen von Politikern darstelle.

Herausragend war die Mischung aus modernen und klassischen Elementen. Ein Königspaar mit goldenem Maschinengewehr, eine Prinzessin mit Krönchen und dazu Musik wie "Du bist Boss", von Rapper Kollegah. Sprachlich wurde stark kontrastiert zwischen dem Königspaar, das viele Kraftausdrücke verwendet und Julchen, die spricht, als wäre sie dem Mittelalter entsprungen. Dieses Wechselspiel zwischen modern und altmodisch gefiel den jungen Schauspielerinnen Carla Gellert, Luana Alborino und Aurélie Sailly besonders. Das Stück endete ausgelassen mit einem Tanz aller Schauspielerinnen und Schauspieler. Der Schlusssatz "Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt", rundete alles noch mit einer positiven Botschaft ab. Unterstützt wurde das Stück technisch von Yannick Lehnerz und Joe Brändle, in der Maske von Julia Hochscheidt, Laetitia Wühler, Daniela Waibel und Céline Ilbertz und von der Souffleuse Anna Keiling. Eine schöne Aufführung, die ein begeistertes Publikum hinterließ.