Frühstück in einem Zirkuswagen

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Mi, 29. Januar 2014

Staufen

Die "Flexible Kinderbetreuung Staufen" will in Grunern ab Mai einen Waldkindergarten einrichten.

STAUFEN. Im Ortsteil Grunern soll im Mai ein Waldkindergarten eingerichtet werden. Damit will die "Flexible Kinderbetreuung Staufen", die bereits mehrere Einrichtungen in der Stadt betreibt, einem Wunsch der Eltern nachkommen. Dringend gesucht werden noch Erzieherinnen und Erzieher, die Spaß an der Arbeit mit Kindern im Wald haben.

Eine Lichtung im Wald, ein bunter Bauwagen, Holz und Werkzeuge liegen herum, hier wachsen Kräuter in gepflegten Beeten, dort stecken die Fähnchen der Naturtoilette – das ist die Szene rund um den von einem Verein betriebenen Waldkindergarten in Ehrenkirchen.

Bei Schnee und Eis, bei Regen und Matsch, bei Sonne und Hitze - die Kinder sind immer draußen. Nur bei extremer Witterung ziehen sie sich zurück in den schützenden beheizbaren Wagen. Das Konzept findet bei vielen Eltern großen Anklang – und erfreut sich regelmäßig großer Nachfrage, auch bei Familien aus Staufen und den Teilorten.

Im Wald ist vieles einfacher

Diese Nachfrage ist der eine Grund, warum jetzt auch in Grunern eine Gruppe von maximal 20 Waldkindern entstehen soll. Der andere ist die Schnelligkeit, mit der man starten kann. "Wir haben eine Nachfrage von ansässigen Eltern wie von Zuziehenden", sagt Kerstin Dietzel, pädagogische Leiterin der Krümelbande Staufen (mit Kinderkrippe und Kindergarten) sowie des Kindergartens St. Raphael in Grunern. "Und wir wollen mit dem Waldkindergarten schon am 5. Mai beginnen." So schnell kriegt man keinen Neubau hin – die beabsichtigte und bereits beschlossene Erweiterung des bestehenden Kindergartens im Dorf wird wohl frühestens 2015 fertig sein können.

Im Wald ist vieles einfacher. Der Träger, die "Flexible Kinderbetreuung Staufen", hat nach längerem Suchen einen komfortablen Neubau auf zwei Achsen gefunden – ein extra konstruierter Zirkuswagen von neun Meter Länge, gebaut von einer Firma in Leipzig. Der wird dann in den Wald gestellt (wo genau, das beraten verschiedene Gremien der Stadt noch miteinander) – und fertig ist das Angebot.

Oder besser "wäre": Denn auch wenn der Standort gefunden und Kinder angemeldet sind – Kerstin Dietzel fehlen zurzeit noch Erzieherinnen und Erzieher. Sie sucht zwei ausgebildete pädagogische Fachkräfte. Bezahlt werden sie nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst, und wenn sie Erfahrung mit Naturpädagogik mitbrächten, wäre es noch besser. Denn natürlich lässt man die Kinder nicht so einfach zwischen acht Uhr und 14 Uhr nur im Wald herumtoben: Auch hier gibt es Richtlinien, pädagogische Konzepte und Sicherheitsbestimmungen zu beachten. Als "spielzeugfreie Zone" werden die Waldkinder mit Naturmaterialien arbeiten, sie werden sägen, hämmern und bohren, sie werden sich von oben bis unten dreckig machen, sie werden im Wagen frühstücken und hier vor Gewitter und Sturm Schutz suchen.

Außerdem werden sich die Eltern der Waldkinder wohl stärker für den Betrieb engagieren müssen als in festen Kindergärten - denn es gibt immer wieder etwas einzurichten, zu bauen, zu reparieren und zu feiern. Das alles wird im Betreuungsvertrag geregelt, sagt Kerstin Dietzel. Anmeldungen für den neuen Kindergarten sind jetzt möglich – die Betreuungspreise werden sich an den ortsüblichen Tarifen orientieren.