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24. November 2008

Intensive Musik, die tief berührt

Grandioses Landesjugendorchester Baden-Württemberg unter Leitung von Christoph Wyneken gastierte am Samstag in Staufen

  1. Ein Konzert mit Werken von Brahms und Dvorak gab das Landesjugendorchester Baden-Württemberg (Leitung: Christoph Wyneken) in der Aula des Staufener Faust-Gymnasiums. Foto: Bianca Flier

STAUFEN. Mit einem grandiosen Konzert begeisterte das Landesjugendorchester Baden-Württemberg (LJO) unter der Leitung von Christoph Wyneken die Hörer in der Aula des Faust-Gymnasiums. Bürgermeister Benitz konnte ein "volles Haus" begrüßen, und das, obwohl das Konzert kurzfristig in den Kulturfahrplan eingebaut werden musste.

Zum Glück für die Musikfreunde hat das geklappt, denn was am Samstagabend von den hochtalentierten jungen Musikerinnen und Musikern geboten wurde, war allererste Sahne. Und das nicht nur in Bezug auf das technische Können; auch die gestalterischen Fähigkeiten, die ja den Geist der Darbietungen erst ausmachen, sind beim LJO wunderbar ausgeprägt, was wiederum für den feinfühligen Leiter Wyneken und sein großes Engagement spricht.

Zwei bekannte Werke der Weltliteratur standen auf dem Programm: Johannes Brahms’ Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in d-Moll op. 15 und Antonin Dvoraks Sinfonie "Aus der neuen Welt". Klaviersolist war der herausragend begabte Moye Kolodin, ein junger Mann aus der Kaderschmiede des Conservatoire Paris und mehrfacher internationaler Preisträger bei Klavierwettbewerben. Seine genialen Fähigkeiten präsentierte er beim Vortrag von Brahms’ Klavierkonzert in Bestform, wobei das LJO ihm meisterlich sekundierte. Atemlos folgten die Hörer dem mit verwegenem Pathos inszenierten Maestoso, dem ein Andante folgte, in welchem Wyneken die Kunst der Langsamkeit zelebrieren ließ. Die herrlich kontrastierenden Stimmungsbilder den finalen Rondos mit ihrer Fülle an thematischen Einfällen gaben dem Solisten Kolodin die Gelegenheit, sein virtuoses Spiel mit silbrigen Anschlägen und fantastisch eleganten Läufen so richtig auszuleben. Der Beifall vor der Pause wollte schier nicht enden. Die mit Spannung erwartete Darbietung von Dvoraks Sinfonie "Aus der neuen Welt" geriet zu einem spektakulären Klanggemälde, bei dem jeder "Pinselstrich" vom Orchester sorgfältig, liebevoll und mit herrlichem Musiziergeist ausgeführt wurde. Der erste Satz war getragenen von dem atemberaubenden Kontrast zwischen der Melancholie des kurzen Andante und der strahlenden Vitalität, mit welcher das Allegro in Szene gesetzt wurde. Das vom Englischhorn eingeleitete Largo entwickelte eine Intensität, die tief berührte und ins Land der Träume und Erinnerungen entführte.

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Das Auftauchen aus dieser Träumerei gelang mit der fröhlichen Munterkeit des Molto Vivace. Der Abschluss mit dem Allegro Fuoco – ein Kabinettsstückchen nicht nur für die Bläser des Orchesters – könnte als Highlight bezeichnet werden, doch war eigentlich das ganze Konzert eine Aneinanderreihung von Glanzlichtern. Alles strahlte eine frische Jugendlichkeit aus, wie sie wahrscheinlich nur ein Orchester mit jungen, enthusiastischen Musikern so einzigartig auf ihre Hörerschaft zu übertragen versteht. Fünf Sterne für Christoph Wyneken und das Landesjugendorchester Baden-Württemberg!

Autor: Bianca Flier