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14. Juli 2009 19:52 Uhr

Zauberhaftes Programm

Kinderzirkus "Faustino" fällt aus dem Rahmen

Unter dem Motto "Wir fallen aus dem Rahmen" präsentierte der Kinder- und Jugendzirkus sein neues Programm als Museumsbesuch am Stadtsee in Staufen unter freiem Himmel. Und dabei kann man auf Niederschlag nur zu gut verzichten.

  1. Die Kinder und Jugendlichen vom Kinderzirkus Faustino fielen in ihrem Programm nicht nur "aus dem Rahmen", sondern schufen ganz eigene Bilder. Foto: Martina Faller

Die Besucher stellten sich dennoch unterm Blätterdach der Platanen ein – und wo dessen Schutz nicht ausreichte, wurden eben Schirme aufgespannt. Und dann waren da ja noch die Akteure auf der Bühne, die die Unannehmlichkeiten des Wetters schnell vergessen ließen und das Publikum mit ihrem vor Einfallsreichtum und Kreativität nur so sprühenden Programm zwei Stunden lang in den Bann schlugen.

Da gab es eine Putzkolonne, die gewagt auf Leitern balancierend das Museum auf Hochglanz brachte, Museumsarbeiter in Blaumännern, aus deren Versuch, ein Bild aufzuhängen, eine zauberhafte Clownnummer wurde und Bedienungen, die im Museumscafé die Getränke auf großen Bällen balancierend formvollendet servierten. Eine akrobatische Nummer baute mit Stühlen eine Installation von Keith Haring nach, während eine Gruppe Skateboarder aus rollenden Brettern und Cigar-Boxen in der Abteilung für moderne Kunst eine Skulptur kreiert.


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In einer anderen Abteilung erwachen große Meisterwerke bedeutender Künstler plötzlich zum Leben. Clowns fallen buchstäblich aus dem Rahmen und demonstrieren auf der Bühne eindrücklich ihre Jonglierkünste. Elfen springen gleichsam von der Leinwand, um sich an Tüchern kunstvoll in luftige Höhen zu schwingen und Edgar Degas berühmte Tänzerinnen erwachen aus ihrer auf die Leinwand gebannten Pose und tanzen grazil über die Bühne.

Auch die Moderationen und Überleitungen sind von großen Meisterwerken inspiriert. So beginnen das Selbstbildnis Vincent van Goghs, Vermeers "Mädchen mit dem Perlohrring" und Leonardo da Vincis "Mona Lisa" unversehens ein Gespräch, in dem sie sich in ihrer Bedeutung zu übertreffen versuchen: "Ich wurde sogar schon einmal geraubt", übertrumpft Mona Lisa die Konkurrenz. Und wie sich der berühmteste Kunstraub aller Zeiten zugetragen hat, das setzen zur Tatort-Titelmelodie die als Kommissare und Kunsträuber verkleidete Seilspringer artistisch in Szene.

Mona Lisas feine Nase führt den Besucher schließlich auch in die naturkundliche Abteilung des Museums. Dort ließen die jungen Artisten schon zuvor die Menschheitsgeschichte übers Seil defilieren, nicht ohne augenzwinkernd festzustellen, dass der Mann im Stadium des Primaten verharrte, während die Frau "immer schöner, schöner und schöner wurde". Zu welchen zirzensischen Kunststücken indes auch Primaten in der Lage sind, zeigten zwei Artisten im Affenkostüme. Mal kopfüber nur an den Füßen, mal im Spagat zwischen den Tüchern hängend, verschlugen sie dem Publikum mit ihrer waghalsigen Akrobatik in luftiger Höhe den Atem. Den Schlussapplaus hatten sich am Ende jedoch alle redlich verdient. Und da nun niemand mehr Schirme in der Hand halten musste, konnten die Museumsbesucher ihrer Begeisterung über den fantasievollen und abwechslungsreichen Museumsbesuch freien Lauf lassen.

Fotos: Der Kinderzirkus "Faustino" in Staufen

Autor: Martina Faller