Schüler und Lehrer im Tango-Fieber

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Sa, 29. April 2017

Staufen

Das Faust-Gymnasium und das Bandoneonmuseum veranstalten Tango-Tage / Die Jugendmusikschule bietet Bandoneon-Kurse an.

STAUFEN. Almut Wellmann ist aus Barcelona angereist. Ihr Bandoneon auf den Knien, verfolgt die Musikerin konzentriert die Probe am Faust-Gymnasium in Staufen. Die Musikklasse 7 c übt den "Libertango" von Piazzolla. "Geht das auch schneller", fragt Wellmann. Prompt geben die Jugendlichen auf ihren Instrumenten Gas. Viel Zeit bleibt nicht mehr zum Proben: In drei Wochen beginnen die Tango-Tage am Faust.

Es ist ein außergewöhnliches Projekt, an dem neben rund 160 Schülern und Lehrern auch Profi-Musiker, das Tango- und Bandoneonmuseum, die Jugendmusikschule, der Lions-Club, die Schulstiftung und der Förderverein des Faust und sogar das Konsulat der Republik Argentinien mitwirken. Dabei hatte alles ganz klein angefangen: "Für meine Musikklasse überlege ich mir jedes Jahr ein Projekt", erzählt Gabriele Stannat-Deißler, Klassenlehrerin der 7 c und Leiterin des Fachbereichs Musik am Faust-Gymnasium. "Ich dachte an das Bandoneonmuseum. Um es für die Kinder spannender zu machen, sollten sie die Instrumente in Aktion erleben."

Stannat-Deißler wandte sich an Joachim Baar. Der Leiter der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau und Vorsitzende des Trägervereins Tango- und Bandoneonmuseum Staufen verwies die Lehrerin an Almut Wellmann und ihr Sextett El Piropo. Die Musikerin, die in Barcelona lebt und schon bei früheren Gelegenheiten in Staufen aufgetreten ist, sagte sofort zu. Und so kommt El Piropo am 20. Mai für ein großes Bandoneon-Familienkonzert und eine Milonga (Tango-Tanzabend) nach Staufen. Die Schüler werden nicht nur zuhören, sondern selbst mitspielen. Geplant sind ein Workshop-Tag und ein Besuch im Tango-Museum.

Zum Abschluss, am 24. Mai, werden alle gemeinsam ein Konzert geben. Damit das Zusammenspiel dann klappt, probt Wellmann schon jetzt ab und an gemeinsam mit den Schülern. Damit eröffnet sich den Kindern und Jugendlichen eine neue Welt. Denn Tango Argentino gehört nun wirklich nicht zu der Musik, die junge Ohren häufig hören. "Die Schüler mit dieser Musik in Berührung zu bringen, erweitert ihren musikalischen und kulturellen Horizont", nennt Stannat-Deißler als pädagogischen Aspekt des Projekts. Wer sich von der leidenschaftlichen Musik fesseln lässt, der kann an der Jugendmusikschule Bandoneon-Unterricht nehmen. "Den Unterricht gibt Frau Wellmann, sie wird ein Mal im Monat aus Barcelona kommen", sagt Baar.

Für den Unterricht braucht es jedoch spielfähige Instrumente – was beim Bandoneon, dessen Produktion schon vor Jahrzehnten nahezu eingestellt wurde, alles andere als selbstverständlich ist. Zumal heutzutage nur noch eine der vielen Tastaturen spielbar ist, "das ist die 142-tönige Tastatur", erklärt Baar. Von allen anderen Tastatur-Varianten weiß heute niemand mehr, wie sie funktionieren. Die Sammlung Steinhart, auf der das Staufener Tangomuseum beruht, umfasst aber auch 142-tönige Bandoneons. Der Trägerverein des Museums kauft sie und lässt sie vom einzigen Bandoneonbauer Deutschlands in Oldenburg restaurieren. Das klingt nicht nur aufwändig, sondern geht auch ins Geld. "Wir sind sehr froh, dass der Lions-Club Bad Krozingen-Staufen und ein privater Spender den Großteil der Kosten übernehmen", sagt Baar.

So ist aus dem Tangoprojekt am Faust-Gymnasium auch noch ein Restaurierungsprojekt geworden. Sind die Instrumente restauriert – ihr Wert geht dann locker in die Tausende –, werden sie über die Jugendmusikschule an die Bandoneon-Schüler verliehen. "Man kann auch als Erwachsener noch anfangen", so Baar.

Zum Programm der Tango-Tage gehören daher auch Schnupperkurse, und zwar sowohl im Bandoneonspiel als auch im Tango-Tanz. Warum Tango und Bandoneon unweigerlich zusammengehören, wird das Familienkonzert am 20. Mai erklären. Dort "wird die Geschichte des Bandoneons erzählt, gespielt und getanzt", verrät Baar. "Damit wird zugleich die Entstehung des Tango und des deutschen Kulturguts Bandoneon geschildert." Das will sich selbst der argentinische Generalkonsul Edgardo Mario Malaroda nicht entgehen lassen und hat sein Kommen angekündigt. Ein weiterer Höhepunkt ist das Konzert am 24. Mai, bei dem die Musikklassen, der Chor und die Bigband des Faust mit einem Streichorchester der Jugendmusikschule und El Piropo musizieren werden. So ist aus einer kleinen Idee ein großes Gemeinschaftsprojekt entstanden, das auch ein Zeichen gegen den zunehmenden Individualismus in der Gesellschaft setzen will.