Viel für Grunern erreicht

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Di, 20. Juni 2017

Staufen

Vor 25 Jahren wurde der Bürgerverein gegründet / Nächstes Wochenende wird gefeiert.

STAUFEN-GRUNERN. Ein kleines, aber feines Fest zu einem kleinen, aber feinen Jubiläum – das verspricht der Bürgerverein Grunern anlässlich seines 25-jährigen Bestehens. In einem Zirkuszelt auf dem Bolzplatz bei der Schule wird am Wochenende, 23. bis 25. Juni, ein buntes Programm laufen. Im Vorfeld hat der langjährige Vorsitzende Uli Wüst auf ein Vierteljahrhundert Bürgerverein Grunern zurückgeblickt.

p> Das Gespräch findet in einem der jüngsten erfolgreichen Projekte des rührigen Bürgervereins statt: im Dorfladen, seit vier Jahren der Treffpunkt von Einwohnern wie Touristen, für die Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs und mit dem neuesten Dorfklatsch. Auf der Fensterbank gut sichtbar der Pokal des Deutschen Bürgerpreises. Den bekam der Verein im Jahr 2013 für seine vielen Ideen, die dafür sorgen, dass das Dorf nicht zum Schlafort verkommt.

Begonnen, so schildert es Uli Wüst, hatte es in den 90er Jahren mit einem Haufen Müll. Im Salenbachtal gleich neben dem Dorf wollte der Landkreis eine Mülldeponie errichten – und die Verwaltung in Staufen freute sich auf hohe Gebühren- und Steuereinnahmen. Sie hatte allerdings nicht mit dem Widerstand der Dorfbevölkerung gerechnet: Das Projekt, von dem aus Grunern stammenden damaligen Bürgermeister von Hohenthal kräftig unterstützt, brachte die Grunermer Einwohner auf die Palme.

Im Dorf sah man sich nach der Eingemeindung 1974 als Stiefkind der Stadt. Es gab sogar Überlegungen, sich lieber Münstertal oder Ballrechten-Dottingen anzuschließen; bei der Abstimmung ergab sich dann aber doch eine Mehrheit für Staufen. Viele Versprechungen aus dem Eingemeindungsvertrag seien bis heute nicht erfüllt, beklagt Wüst. Und dann rückte ein zweites Problem immer näher – im wahrsten Sinne des Wortes: die Umfahrung Staufen. Die Trasse wurde laut Wüst immer weiter Richtung Grunern verschoben. Aus diesem "Jetzt-reicht-es"-Gefühl entstand 1992 der wehrhafte und aktive Bürgerverein. Zu den beiden Zielen "Verhinderung der Mülldeponie und der Umfahrung" kam ein dritter sehr wichtiger Punkt hinzu: der Erhalt und die Verbesserung der Infrastruktur in Grunern.

Die Mülldeponie war zwei Jahre später schon Geschichte, da neue Gesetze das Müllablagern unter freiem Himmel untersagten. Zum Dauerthema wurde die Umfahrung, die vielen Dorfbewohnern zu nah an ihrer Gemeinde gebaut werden sollte. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen fand man einen Kompromiss, der wohl ab 2018 den Bau eines ersten Abschnitts der Umfahrung ermöglichen wird. Wie es mit dem zweiten Abschnitt weitergeht, wird nach einer Verkehrszählung entschieden. Die Straße ist komplett planfestgestellt; der Bürgerverein hofft jedoch, dass der gut ausgebaute öffentliche Nahverkehr die Autofahrer zum Umsteigen aufs Bähnle bringen wird.

Von der Wärmeversorgung bis zur Kernzeitbetreuung

Geht man heute mit Uli Wüst durchs Dorf, fallen viele Details auf, die sich in der dörflichen Infrastruktur verbessert haben. "Als Erstes muss man unser bürgerfinanziertes Blockheizkraftwerk nennen", betont er. Im Keller des Dorfladens arbeitet die Quelle der "Wärmeversorgung Grunern". An einer 285 Meter langen Rundleitung hängen Kindergarten, Schule, Alte Schule, Altes Rathaus und ein Mehrfamilienhaus in der Dorfstraße. "Als wir uns die Heizungen der alten Gebäude damals angesehen haben, fanden wir 40 Jahre alte Öl-Dreckschleudern, und es gab weder finanzielle Mittel noch den politischen Willen, daran etwas zu ändern. Das haben wir dann gemacht." Über die ökonomische wie ökologische Win-Win-Situation freut sich der Vertreter der Umweltliste/Die Grünen im Staufener Gemeinderat ganz besonders.

Stichwort Alte Schule: Das Dorf hatte lange nur einen kleinen, niedrigen Versammlungsraum im Keller der neuen Grundschule; hier probte auch der Musikverein mehr schlecht als recht. Die Alte Schule wurde von Privatleuten bewohnt. Deshalb plante der Bürgerverein mit Hilfe eines Architekten eine Verbindung von Milchhäusle und altem Rathaus – bis Uli Wüst kurz vor der entscheidenden Ratssitzung hörte, dass die Familie aus der Alten Schule ausziehen wolle. Resultat heute: Der Musikverein hat einen wunderbaren Probenraum. Im ersten Stock treffen sich Kinder und Erwachsene für Vorträge, Feiern und Versammlungen.

Auch die Gestaltung des Bereichs zwischen Kindergarten und Dorfstraße nahm der Bürgerverein in die Hand. "Früher rasten hier die Autos entlang, direkt bei Schule und Kindergarten", erinnert sich Wüst. Dann schrieb der Bürgerverein einen Ideenwettbewerb aus. Das Rennen machte der Vorschlag eines Bürgers aus dem Dorf. Die Stadt bezahlte die Pflastersteine, das Verlegen übernahmen mehr als 80 Bürger (auch Nichtmitglieder) in der Freizeit. Heute liegen in dem Bereich 850 Quadratmeter Steine. Die Kreuzung, über die viele Kinder von der Grundschule in die Kerni im Rathaus gehen mussten, wurde entschärft und verkehrsberuhigt.

Die "Kerni" oder Kernzeit-Betreuung ist noch so ein erfolgreiches Projekt des Bürgervereins. Aus dem Vorschlag zweier berufstätiger Mütter, die ihre Kinder gut betreut sehen wollten, entstand das über die Dorfgrenzen bekannte und gut angenommene Angebot. Hunderte von Schülern und ihre Eltern haben 17 Jahre lang von der Organisation dieser Betreuung profitiert. Erst als die drei Staufener Grundschulen zusammengelegt wurden, übernahm die Stadt die Organisation.