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19. Juni 2015

Vom Kabinenroller zum Supersprinter

Die ganze Bandbreite der Elektroautos war in Staufen zu sehen.

  1. Ein Journalist auf Probefahrt: BZ-Mitarbeiter Rainer Ruther testet den Renault Twizy. Foto: Rainer Ruther

  2. Der Bildschirm im VW e-up gibt jede Menge Informationen. Foto: Rainer Ruther

STAUFEN. Die meisten Autos in Deutschland sind ausgerüstet, als ob man mit ihnen jeden Tag in den Urlaub fährt: leistungsstarker Motor, viel Platz für viele Passagiere und deren Gepäck – insgesamt ein Haufen Blech, der an 250 Tagen im Jahr aber nur dazu dient, den Besitzer zur Arbeit und wieder zurück zu karren. Kein Wunder, dass sich mehr und mehr Menschen für Alternativen interessieren. Eine davon, nämlich sich per elektrischem Automobil fortzubewegen, stand im Mittelpunkt eines Aktionstages des "Arbeitskreises Klimaschutz Staufen", wo auch verschiedene Modelle zum Ausprobieren bereitstanden.

Sicher würde auch das eine oder andere E-Mobil seinen Besitzer in den Urlaub tragen – nicht aber der Twizy. Das Gefährt von Renault sieht aus wie ein Kabinenroller aus den Fünfziger Jahren und ist die am radikalsten neugedachte Lösung für ein Elektromobil: ein Sitz und ein Notsitz in Reihe, Türen nicht serienmäßig, Seitenfenster Fehlanzeige. Es ist Fahren wie zu Beginn des automobilen Zeitalters: Man spürt den Fahrtwind, hört den Elektromotor surren, nimmt angenehme und nicht so angenehme Gerüche direkt wahr. Und man fällt auf: Wenn der Twizy vorbeiflitzt, drehen sich die Köpfe.

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Die Bedienung ist denkbar einfach: ein Lenkrad, Blinker- und Lichthebel, ein Tacho mit Batteriestand-Anzeige, und daneben ein Knopf mit den Buchstaben "D" für Vorwärts, "N" für Leerlauf und "R" für Rückwärtsgang. Im Fußraum gibt es zwei Pedale: die Bremse und das Gas, wobei man diese Wörter als eingefleischter E-Mobiler auf keinen Fall in den Mund nimmt. Denn es handelt sich um das "Energiepedal", das man tritt, um zu beschleunigen, und das "Energierückgewinnungspedal", wenn man bremsen will. Der kleine Elektromotor, den man deutlich arbeiten hört, hat eine Vorrichtung, die beim Bremsen Energie wieder in die Batterie zurückführt, genannt: Rekuperation. Wer sanft und vorausschauend fährt – und das bietet sich an bei dem geringen Vorrat an Energie an Bord – der fährt nicht nur so lang, wie die Batterieanzeige verspricht, sondern kann sogar ein paar Kilometer dazuaddieren.

Besonders eindrucksvoll ist das in einem elektrisch getriebenen VW up zu beobachten. Auf einem Bildschirm am Armaturenbrett werden alle möglichen Daten für den Fahrer aufgelistet, vom Durchschnittsverbrauch in Kilowattstunden über die Restmenge an Energie bis hin zur Rekuperation. Und tatsächlich schlägt der Zähler den einen oder anderen Kilometer drauf, wenn’s mal bergab geht. Man muss bei allem Unterhaltungswert natürlich immer aufpassen, dass bei der Beobachtung des Bildschirms auch noch Interesse für die Straße bleibt.

Elektroauto hängt Benziner ab

Die Größe und den Komfort eines Benziner-Kleinwagens bietet die nächste Generation von E-Autos. Bei VW ist das der e-up, es gibt einen Elektro-Smart, einen Citroen Zero und einen Renault Zoe. Hier hat man das Gefühl, sich in ein ganz "normales" Auto zu setzen – bis die Fahrt losgeht. Und wie es abgeht: Ein Elektroauto ist langsam, lautet eines der verbreitetsten Vorurteile. Wer das glaubt, hat noch nie per Zoe an der Ampel einen stärkeren Benziner abgehängt – ganz zu schweigen vom Elektro-Luxusmobil Tesla, das in Geschwindigkeit und Reichweite seinesgleichen sucht. Der Spaß, umweltfreundlich mit 230 Stundenkilometer unterwegs zu sein, ist allerdings für die wenigsten Geldbeutel erschwinglich.

Was die Deutschen weiter skeptisch macht, ist zum einen der Preis der elektrischen Autos. Zwar gibt es den Zoe für unter 20 000 Euro (plus Batteriemiete), aber das ist immer noch viel teurer als der Benzinbruder. Staatliche Hilfen könnten den Verkauf anziehen lassen. Dann sind Ladestationen noch rar, und das Aufladen dauert lange, selbst wenn spezielle E-Tankstellen zum Einsatz kommen. Aber wie beim Tesla mit seinem 20-Minuten-Supercharger geht die technische Entwicklung rasant voran.

Autor: Rainer Ruther