Staatsanwaltschaft Freiburg

Weitere Anklage im Staufener Missbrauchsfall gegen Spanier erhoben

dpa, cabu

Von dpa & Carolin Buchheim

Mi, 18. April 2018 um 14:57 Uhr

Staufen

Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat nach dem jahrelangen Missbrauch eines Neunjährigen nun Anklage gegen einen Spanier erhoben. Er sitzt in Deutschland in Untersuchungshaft.

Dem 33-Jährigen werden unter anderem schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Zudem soll sich der Mann nach dem Willen der Behörde wegen schwerer Zwangsprostitution sowie Verbreitung, Besitzes und Erwerbs von Kinderpornografie vor der Jugendschutzkammer verantworten, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Der Mann ist einer von insgesamt acht Verdächtigen im schwerwiegendsten Fall von Kindesmissbrauch, den das Landeskriminalamt Baden-Württemberg je bearbeitet hat. Der Angeklagte soll von September 2016 bis August 2017 mehrfach in der Ortenau und im Breisgau den heute Neunjährigen missbraucht haben.

Der Spanier befindet sich seit seiner Auslieferung im vergangenen Dezember in Deutschland in Untersuchungshaft. Über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheidet das Landgericht Freiburg.

Vor Gericht gab Christian L. an, der Spanier habe insgesamt 18.000 Euro für den Missbrauch gezahlt

Der mutmaßliche Haupttäter im Missbrauchsfall ist Christian L., der Lebensgefährte der Mutter des Kindes.

Der heute neun Jahre alte Junge soll mehr als zwei Jahre lang von L., der Mutter Berrin T. und einer Vielzahl von Männern sexuell missbraucht worden sein. Die Kontakte zu den Männern habe L. zum Teil über das Darknet geknüpft; der Missbrauch fand in angemieteten Ferienwohnungen in Südbaden und auch in der Wohnung der Familie statt.

Christian L. filmte eine Vielzahl der Missbrauchshandlungen und teilte Foto und Videos auch im Darknet. L. kooperiert wohl mit den Ermittlungsbehörden: Er äußerte sich am heutigen Mittwoch ausführlich im ersten Prozess gegen einen der Täter, Markus K. aus der Ortenau und sagte aus, er selbst habe das Kind wohl 50 oder 60 Mal selbst missbraucht. Auch K. räumte in einem Geständnis unter Ausschluss der Öffentlichkeit die ihm vorgeworfenen Taten ein.

L. gab am Mittwoch an, der nun auch angeklagte Spanier habe allein für den ersten Missbrauch 10.000 Euro bezahlt; für weitere Missbrauchshandlungen hätte er 5.000 und 3.000 Euro geleistet. Der Prozess gegen Christian L. und die Berrin T. beginnt im Juni am Landgericht Freiburg.
Gefasste Täter im Staufener Missbrauchsfall

  • Berrin T., die 47 Jahre alte Mutter des missbrauchten Kindes, deutsche Staatsangehörige
  • Christian L., der 39 Jahre alte Lebensgefährte der Mutter, deutscher Staatsangehöriger
  • Markus K., ein 41-jähriger Deutscher aus der Ortenau, gegen den der Prozess in Freiburg schon geführt wird
  • ein 37 Jahre alter Schweizer, der in Österreich verhaftet wurde
  • ein 33-jähriger Spanier, der in seinem Heimatland gefasst wurde
  • ein 49 Jahre alter deutscher Soldat, der in seiner Kaserne der deutsch-französischen Brigade im Elsass festgenommen wurde
  • ein 43-Jähriger aus Schleswig-Holstein, der den Jungen aus Staufen missbrauchen und foltern wollte und im Oktober in Karlsruhe verhaftet wurde
  • ein 32-Jähriger aus Schleswig-Holstein, der seine eigene Tochter missbraucht haben soll

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