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17. Juli 2015

Zirkusträume werden wahr

Der Staufener Kinder- und Jugendzirkus Faustino feiert seinen 25. Geburtstag.

  1. Zur Jubiläumsaufführung lud der Kinder- und Jugendzirkus Faustino ein. Foto: Martina Faller

  2. Mit viel Ausdauer und Fleiß wurde von den Zirkusstars auch die menschliche Pyramide einstudiert. Foto: Privat

STAUFEN. Kinder kommen, Jugendliche gehen. Programme, Bühnen und Aufführungsorte wechseln – doch im Kern ist sich der Kinder- und Jugendzirkus Faustino in den 25 Jahren seines Bestehens treu geblieben. Dass Kreativität und Gemeinschaft, der Spaß an der Bewegung, an Spiel und Fantasie nach wie vor das Herzstück der Staufener Zirkusarbeit sind, das demonstrierten rund 30 Kinder und Jugendliche eindrücklich bei den umjubelten Aufführungen ihres Jubiläumsprogramms "Zirkusträume" im Zirkuszelt auf dem Schladerer Platz.

"Weißt du noch 1990, …." Frau und Herr Zirkusdirektor schwelgen beim Kaffee in Erinnerungen und träumen von einer spektakulären Zirkusshow wie früher. Um diesen Traum wahr zu machen, bedarf es einiger Vorbereitungen und vieler Helfer. Manager werden beauftragt, Techniker zu Rate gezogen, der TÜV muss das Zelt abnehmen und Artisten unter Vertrag genommen werden.

Dass jeder Schritt auf dem Weg zum Ziel bereits eine famose Zirkusnummer darstellt, ist typisch Faustino. Hier wird die eigene Geschichte nicht nur zum Thema, sondern zum sprühenden Feuerwerk zirzensischer Kunst. In der Realität waren die Anfänge des Kinder- und Jugendzirkus indes ganz bescheiden. Im Rahmen des Sommerferienprogramms 1990 wurde unter der Leitung von Bruno Zühlke und Bärbel Riedel erstmals ein Zirkusprojekt in Staufen realisiert. Die zwei Wochen im Sommer 1990 hatten die Begeisterung für den Zirkus jedoch so sehr entfacht, dass klar war: Es muss weitergehen. Und es ging weiter. Im März 1991 wurde unter dem Dach der Jugend- und Kulturinitiative Staufen unter anderem von Pia Morshäuser und Clemens Oberle ein fortlaufender Zirkuskurs in Leben gerufen. Seither treffen sich jeden Donnerstag 25 bis 30 Kinder in der Belchenhalle Staufen, um die verschiedenen Zirkusdisziplinen zu erlernen, neue Tricks und Choreographien einzustudieren.

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Daran hat sich bis heute nichts geändert. Außer dass das Angebot im Jahr 2000 um einen Zirkusschnupperkurs erweitert wurde. Auch Max Häfelinger hat im Alter von neun Jahren zunächst im Schnupperzirkus angefangen. "Ich hatte immer viel Lust hinzugehen, weil ich mich darauf freute, Neues auszuprobieren", bekundet der 17-Jährige. Angefreundet hat er sich insbesondere mit den Disziplinen Rola, Diabolo und Clown. Als er zwei Jahre später zu den "Großen" kam, konnte er sich, wie er sagt, "super mit den anderen zusammentun und viele neu Tricks und Kniffe lernen".

Wenn Flammen auf der Zunge tanzen

Inzwischen gehört Max zu den "alten Hasen". In vielen Aufführungen hat er tragende Rollen gespielt und spektakuläre Nummern auf die Bühne gebracht. Seinen großen Auftritt hat Max auch in der Jubiläumsaufführung. In der Rolle des tumben, stotternden Max, der lieber Bonbons lutscht, anstatt zu arbeiten, hat er die Lacher stets auf seiner Seite und als Artist versetzt er das Publikum in ungläubiges Staunen. Gekonnt lässt er in der Fakir-Nummer die Flammen auf Handfläche und Zunge tanzen, spuckt und schluckt Feuer, dass den jüngsten Zirkusbesuchern im vollbesetzten Zirkuszelt die Münder vor Staunen offen stehen, und präsentiert sich auch auf der Rola als Meister seines Fachs. "Das sieht gefährlich aus", zeigte sich ein junger Zirkusbesucher beeindruckt.

Im Zelt hatte die Stimmung da den Siedepunkt längst schon überschritten. Nicht nur wegen der hochsommerlichen Temperaturen. Begeistert klatschte das Publikum die Rhythmen der Zirkusmusik vom ersten Takt an mit und bejubelte frenetisch jede gelungene Nummer. Die Artisten auf der Bühne freuten sich mindesten genauso, wenn das was sie in vielen Übungsstunden in der Belchenhalle und auf der Zirkusfreizeit in den Pfingstferien mit großer Anstrengung, viel Übefleiß und Ausdauer auf dem Freizeithof Langenhard in Lahr einstudiert haben, auch gelang: Wenn es gelang auf dem Einräder Seil zu springen, Diabolos nach dem Flug bis in die Zirkuskuppel wieder einzufangen, den Balanceakt über das Drahtseil und den Spagat im Tuch zu bewerkstelligen und die Akrobaten-Pyramiden aufzubauen.

"Wenn man den Erfolg sieht, den man erarbeitet hat, dann vergisst man die Anstrengung", weiß Max Häfelinger schon aus Erfahrung. Der junge Zirkusartist weiß aber auch, dass "man am Ende der Aufführung mit einem lachenden und weinenden Auge in die Sommerpause geht". Werden doch jedes Jahr Artisten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, aus dem Zirkus verabschiedet. Dieses Jahr waren es mit Paul Morshäuser und Marie Brenner nur zwei Artisten, die aus dem Kreis der Aktiven verabschiedet wurden. "Es ist aber kein endgültiger Abschied", verriet Pia Morshäuser dem Publikum, "beide werden dem Faustino als Jugendtrainer erhalten bleiben."

Max Häfelinger hat noch ein Jahr als Artist bei Faustino. Er freut sich darauf und will noch nicht an Abschied denken. Mit Nachdruck fügt er hinzu: "Ich bin stolz ein Faustino zu sein."

Autor: Martina Faller