Belohnung für die gute Tat

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Fr, 19. Oktober 2018

Stegen

Eine Klasse des Stegener St.-Sebastian-Kollegs gewinnt einen Jugenddiakoniepreis / Einsatz für Senioren und Flüchtlinge ausgezeichnet.

STEGEN/LUDWIGSBURG. Anderen Menschen zu helfen, macht Spaß. Diese Erfahrung hat die Klasse 9d des Kollegs St. Sebastian in Stegen gemacht. Die neun Mädchen und 22 Jungen wurden für ihr soziales Engagement mit dem Jugenddiakoniepreis "Machmit!" ausgezeichnet. In der Kategorie der 13 bis 17-Jährigen erreichten sie den zweiten Platz und gewannen 1000 Euro.

Im Rahmen des Projekts "Flüchtlinge und ältere Menschen begleiten" besuchten 14 Jugendliche das Altenheim in Kirchzarten, die Seniorenanlage in Stegen und das Altenheim in Littenweiler. Dort sangen sie mit den Menschen und halfen ihnen bei alltäglichen Dingen: Sie schenkten wie Tee aus, lasen vor oder gingen spazieren, wie Klassenlehrerin Susanne Fischer erklärt. "Über das Jahr hinweg sind kleine Freundschaften entstanden." Einige Jugendliche übernahmen auch Patenschaften für Senioren.

Andere der damaligen Achtklässler befassten sich mit einer Gruppe von Frauen und Kindern aus dem Irak, die nach ihrer Flucht in Freiburg leben. Sie packten Päckchen und überreichten diese an der Weihnachtsfeier der Flüchtlingsunterkunft. "Wir durften an der Feier teilnehmen und haben mit den Familien getanzt und deutsche Lieder gesungen", sagte Fischer. Sie hofft, dass der Kontakt bestehen bleibt. Berührungsängste mit den Flüchtlingen habe es nicht gegeben. "Unsere Schüler haben wenig Kontakt zu Flüchtlingen, weil es an unserer Schule keine gibt." Auch Vorurteile habe sie bei ihren Schülern nicht ausgemacht. "Die Kinder sind sehr unvoreingenommen an das Projekt gegangen." Manche der Helfer hätten sich sogar doppelt engagiert – im Altenheim und in der Flüchtlingsunterkunft.

Als eine Kollegin ihr von einer ähnlichen Initiative einer Schulklasse in Hamburg erzählt habe, so Fischer, habe sie das ihrer Klasse vorgeschlagen. Mit Erfolg. Die Schüler seien sofort begeistert gewesen. "Sie haben selbstständig die Kontakte geknüpft und das Projekt verantwortungsvoll geführt." Obwohl ihre Schüler in einem schwierigen Alter seien, habe sie nicht regelmäßig kontrollieren müssen, ob sie auch tatsächlich in die Altenheime oder Flüchtlingsunterkünfte gegangen seien. "Ich war positiv überrascht, wie toll alles geklappt hat." Ein Schüler habe ihr gesagt: "Ich habe gelernt, dass es ein schönes Gefühl ist, sich sozial zu engagieren", sagte Fischer.

Ulrike Bruinings, Landesjugendpfarrerin des evangelischen Kinder- und Jugendwerks Baden, erklärte den Schülern in ihrer Lobrede während der Preisvergabe, warum das Projekt ausgezeichnet wurde. "Wir finden, dass es über das Übliche hinausgeht, was junge Menschen an Schulen in Arbeitsgemeinschaften oder Praktika sonst tun. Ihr gestaltet mit eurem Engagement und den Begegnungen, die ihr schafft, die Gesellschaft mit."

Eva Maria Armbruster, Vorstand Sozialpolitik bei der Diakonie Württemberg, betonte, wie wichtig es sei, wenn sich "junge Menschen einbringen, eigene Ideen entwickeln und Verantwortung übernehmen". Die Erfahrungen wirkten auf beiden Seiten lange nach. "Deswegen sind wir überzeugt, dass das soziale Engagement junger Menschen preiswürdig ist."

Der erste Platz in den Altersgruppen 13 bis 17 Jahren und 18 bis 27 Jahren ist mit 2000 Euro dotiert. Für den zweiten Platz bekommen die Stegener Schüler 1000 Euro. Einen Teil des Preisgelds will die Klasse spenden oder auch in ein neues soziales Projekt fließen lassen. Natürlich sollen auch die Schüler belohnt werden, sagt Fischer, die mit einen Teil des Geldes einen Ausflug organisieren möchte. Wohin es gehen soll, wollte sie nicht verraten: "Das bleibt eine Überraschung."