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19. November 2011

"Jetzt blicken wir wieder nach vorn"

BZ-INTERVIEW mit Karl und Petra Hummel, die ihren im Juli abgebrannten Scherpeterhof in Eschbach wieder aufbauen werden.

  1. Karl und Petra Hummel wollen den Scherpeterhof in Stegen-Eschbach wieder aufbauen. Das Anwesen war im Juli abgebrannt. Foto: Silvia Faller

STEGEN-ESCHBACH. Der Niedergang ihres Anwesens, des Scherpeterhofs, durch einen Brand im Juli war für die Familie Hummel ein schwerer Schlag. Fünf Monate später sind Karl und Petra Hummel zuversichtlich, im kommenden Frühjahr ihre Kühe wieder im eigenen Stall melken zu können. Auf drei Betriebe verteilt waren die Tiere untergekommen. Die Familie wohnt zur Miete auf dem Fußhof bei Familie Klaus Schwär und Karl Hummels Mutter Maria bei ihrer Schwester. Im Gespräch mit BZ-Mitarbeiterin Silvia Faller erzählen die Hummels davon, wie es ist, wenn sich die Einheit von Haushalt und Betrieb auflöst, und davon, wie es weitergeht.

BZ: Respekt, dass Sie Ihren Hof wieder aufbauen. Man könnte meinen, dass Sie genug von der Landwirtschaft haben, erst recht nach solch einem Ereignis.

Petra Hummel: Es gibt Leute, die das auch zu uns gesagt haben. Aber ich kann mir ein anderes Leben gar nicht vorstellen. Als Tierhalter kann man nicht einfach so den Schalter umdrehen und sagen, das war´s dann. Wir haben unsere Herde aufgebaut und hängen an den Tieren.

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Karl Hummel: Mir geht es auch so. Ich bin auf dem Scherpeterhof aufgewachsen, das Anwesen ist der Ort meiner Familiengeschichte. Natürlich ist es eine große Herausforderung in der heutigen Zeit einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen, aber ich mag meinen Beruf sehr und sehe nicht nur die viele Arbeit, sondern schätze die Lebensweise auf dem Hof, das Miteinander der Familie und der Generationen.

BZ: Das hat sich ja aufgelöst durch den Verlust der Hofstelle. Wie geht es Ihnen?

Karl Hummel: Die erste Zeit war schlimm, wir waren wie betäubt. Aber mit der Zeit akzeptiert man das Geschehen. Seit wir den Wiederaufbau planen, schauen wir nach vorn. Wir freuen uns alle sehr, ganz besonders auch meine Mutter, wenn wir wieder auf dem Scherpeterhof einziehen können.

Petra Hummel: Für unseren jüngsten Sohn war es am Schlimmsten, er war traumatisiert und hat jetzt noch Ängste. Sie werden aber schwächer und auch bei ihm ist nun die Freude auf das Neue daneben gerückt. Die Kinder sind ebenso wie wir beide von der Planung ergriffen und reden davon, wie sie sich einrichten werden.

BZ: Ihr Betrieb ist seit vielen Jahren nach Bioland-Kriterien zertifiziert. Wie läuft das weiter, wo die Tiere nun in verschiedenen Ställen stehen?

Karl Hummel: Die Jungrinder sind sowieso auf einer Dauerweide bei der Hofstelle und elf Kühe haben wir als geschlossene Herde auf dem Scherlehof untergebracht, wo sie auch unser Futter kriegen und wo wir sie selbst melken. Sechs weitere Kühe sind derzeit noch auf dem Schwabenhof in Eschbach und auf dem Burlehof in St. Peter, wo sie von den Kollegen gefüttert und gemolken werden. Ihre erneute Zertifizierung nach der Rückkehr auf den Scherpeterhof wäre zwar möglich, ist aber sehr aufwändig. Wir haben uns deshalb entschieden, diese Tiere in den nächsten Wochen zu verkaufen, zumal die anderen Landwirte den Platz in ihren Ställen brauchen, wenn ihre eigenen Tiere von den Sommerweiden kommen. Weil wir aus diesem Grund auch den Scherlehof nicht weiter nutzen können, werden wir die elf Kühe von dort früher als normal trockenstellen und im Fahrsilo unserer Hofstelle einen Notstall für sie einrichten. Wenn die Tiere im Frühjahr dann kalben und wieder Milch geben, sollte der Stall fertig sein.

BZ: Wird das klappen?

Karl Hummmel: Wir hoffen es. Das Bauantragsverfahren ist recht aufwändig. Wir wollen den neuen Stall abseits vom Wohnhaus bauen. Und weil dieses Gelände planungsrechtlich im Außenbereich liegt, muss das Landratsamt eine gründliche, naturschutzrechtliche Prüfung vornehmen. Aber wir sind zuversichtlich. Bei den Behörden, im Rathaus und auch bei den Gemeinderäten spüren wir jedenfalls eine große Unterstützung, auch steht uns der Bauernverband zur Seite. Dafür sind wir dankbar.

Petra Hummel: Und wir danken auch den Berufskollegen, die uns unterstützen. Überhaupt ist die Solidarität groß. Stellen Sie sich vor, als wir an einem Tag heimkamen, stand ein kleiner Traktor hier im Hof. Damit haben drei Freunde unseren Sohn überrascht. Sein vorheriges Fahrzeug wurde zerstört.

BZ: Ist der neue Stall nicht auch eine Chance?

Karl Hummel: Sicher, gerade für uns als Bioland-Betrieb. Bisher hatten wir noch eine Anbindehaltung, was der Verband von 2013 an nicht mehr akzeptiert hätte. Wir errichten nun einen Laufstall mit Melkstand, was abgesehen vom Tierschutz auch arbeitswirtschaftlich günstiger ist.

BZ: Dann investieren Sie also in die Zukunft?

Karl Hummel: Ja, das tun wir. Motiviert hat uns auch die Entscheidung unseres ältesten Sohnes Andreas, das Fach Agrarwissenschaften zu studieren.

Autor: sf