Einwohnerversammlung

Stegen ringt um Planung für Begegnungshaus

Markus Donner

Von Markus Donner

Mi, 15. Februar 2017 um 15:01 Uhr

Stegen

STEGEN. Die Frage, ob das geplante Begegnungshaus in Stegen nach den Vorstellungen der Gemeinde gebaut werden kann, dürfte sich erst nach dem Bürgerentscheid beantworten lassen. Bei der Einwohnerversammlung am Dienstag in der vollbesetzten Kageneckhalle warb die Bürgermeisterin für die vom Gemeinderat gutgeheißene Planung im Stockacker, die Kritiker baten darum, die Bauabsichten am vorgesehenen Standort zu überdenken.

STEGEN. Die Frage, ob das geplante Begegnungshaus in Stegen nach den Vorstellungen der Gemeinde gebaut werden kann, dürfte sich erst nach dem Bürgerentscheid beantworten lassen. Bei der Einwohnerversammlung am Dienstag in der vollbesetzten Kageneckhalle warb die Bürgermeisterin für die vom Gemeinderat gutgeheißene Planung im Stockacker, die Kritiker baten darum, die Bauabsichten am vorgesehenen Standort zu überdenken.

Über 250 Stegener waren zu der Informationsveranstaltung der Gemeinde gekommen, um sich aus erster Hand über ein Projekt ins Bild setzen zu lassen, bei dem nach den Worten von Bürgermeisterin Fränzi Kleeb "der Mensch im Mittelpunkt steht". Das mit dem Vorhaben verbundene Konzept und die Architektur bildeten den Kern ihrer Ausführungen. Zugleich zeigte sich die Rathauschefin offen für Hinweise und Anregungen der Bürger. "Ich versichere Ihnen, dass sich der Gemeinderat damit intensiv befassen wird und nach praktikablen Lösungen suchen wird." Derzeit habe die Gemeinde einen Bauantrag gestellt und parallel dazu die Änderung des Bebauungsplanes beschlossen. Der nächste Schritt sei die Abwägung der Einwendungen. Dabei sollen auch die Anregungen der Bürgerinitiative überdacht werden. Dies könne in Ruhe geschehen, da der Bauantrag bei der Baurechtsbehörde erst einmal ruhe.

Das Betreuungskonzept, so Fränzi Kleeb, werde – im Gegensatz zu Betreuungseinrichtungen mit Heim- oder Stationencharakter – getragen von familiärer Fürsorge und Unterstützung. Das Begegnungshaus diene ferner dem Ziel, in Stegen zu bezahlbaren Preisen dringend benötigter Wohnraum zu schaffen – für junge Familien, aber auch für ältere Menschen. Bereits 2013 habe der Gemeinderat die Grundstücke im Stockacker für das Projekt zugesagt. Im Jahr darauf sei eine Planung vorgestellt worden, die schon damals größere Baufenster vorsah. Kleeb rief den alten Bebauungsplan von 1993 in Erinnerung, der schon damals Gebäude für gesundheitliche und soziale Zwecke an gleicher Stelle ausgewiesen habe. 24 Jahre später hätten sich die Bedürfnisse und Anforderungen an eine solche Bebauung geändert. Die erklärte nach Darstellung der Bürgermeisterin die Notwendigkeit einer Bebauungsplanänderung.

Heimstatt für das Leben von Geburt bis zum Tod

Peter Krimmel, seit 1988 niedergelassener Arzt in der Gemeinde und Vorsitzender des in das Projekt involvierten Vereins "Miteinander Stegen", setzt sich seit 1999 mit der Organisation von Pflegediensten für Schwerstpflegebedürftige im 24-Stunden-Dienst auseinander, wie er sagte. Daraus sei der Wunsch entstanden, die Rundumversorgung weiter auszubauen. Dazu habe es eine Bedarfsanalyse gegeben und es wurden ein Netzwerkbüro und eine Nachbarschaftshilfe auf- und ausgebaut.

Daraus sei dann das Projekt "Lebensräume" hervorgegangen mit der Idee, dem ganzen Leben von Geburt bis zum Tod eine Heimstatt zu geben. Dazu hätte man sich an vergleichbaren Projekten in der Umgebung orientiert, zum Beispiel in der Gemeinde Eichstetten, aber auch in Freiburg. Die Initiatoren verfolgten die Absicht, von Häusern mit Heimcharakter Abstand zu nehmen, hin zum Wohnen wie im eigenen Zuhause oder in der Wohngemeinschaft. In einer Atmosphäre, die im Einklang mit einer rollstuhl- und pflegegerechten Architektur und Inneneinrichtung Wohlbehagen vermittelt. Bewusst habe man sich auch Gedanken gemacht, inwieweit Synergieeffekte durch die räumliche Nähe zum Pater-Middendorf-Seniorenwohnanlage erzielt werden könnten.

In der von Rüdiger Kunst, Geschäftsführer der Kommunalen Stadterneuerung GmbH Freiburg moderierten Einwohnerversammlung kamen auch Architekt Dirk Herlitzius und die für die Bebauungsplanänderung zuständige Fachplanerin Lioba Fischer zu Wort. Herlitzius begründete die Abkehr von Gebäuden mit Satteldach hin zu einer Flachdachbauweise. Letztere böte keine Einschränkungen durch Schrägen und verbesserten so die Wohn- und Lebensqualität auf gleichem Niveau der Geschosse darunter. Ferner seien die Voraussetzungen für Photovoltaik-Kollektoren besser. Lioba Fischer erklärte, die Planung für das Begegnungshaus sei aus dem Flächennutzungsplan heraus entwickelt worden. Da sich das zu schmale Baufenster für die Umsetzung des Pflegekonzeptes als untauglich erwies, habe sich der Gemeinderat für eine Bebauungsplanänderung entschieden. "Nicht die Art der baulichen Nutzung wird geändert, nur das Maß der baulichen Nutzung", erklärte Fischer. Die Behörden hätten bei der Anhörung das Vorhaben durchweg als unproblematisch beurteilt.

Rüdiger Kunst erläuterte verschiedene Finanzierungsmodelle für die auf 6,7 Millionen Euro veranschlagten Baukosten. Favorisiert werde eine gemeinnützige GmbH. Sie finanziere sich mit einem 50-prozentigen Gesellschaftsanteil der Gemeinde (über das Grundstück) und einer Beteiligung in gleicher Höhe durch "Miteinander Stegen", wobei hier auch Spenden eingebunden werden sollen. Alternativ käme die Suche nach einem Investor in einem Auswahlverfahren in Frage.