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02. August 2016

Schöne Klänge zwischen Blumen

Die Formation "Just Jazz" reihte Hit an Hit und erzeugte bei manchem Song Gänsehautfeeling / Ein Konzert, das zum Sommer passte.

  1. Just Jazz: Werner Thoren aus Steinen am Saxophon und Sängerin Sabine Hänni beim Konzert in der Gärtnerei Vosskuhl, das dem Publikum bestens gefallen hat. Foto: Martina David-Wenk

STEINEN. Jetzt als letzte der Zugaben, gegen halb elf, getraute sich Sabine Hänni von Just Jazz "Singing in the Rain" anzustimmen. Außer einem ganz kurzen Schauer hatte der Regen Steinens Open-Air verschont. Jetzt konnte also nichts mehr schief gehen. Die Regio- Jazzband hatte zuvor über zwei Stunden perfekte Unterhaltung geboten, schöner kann ein Sommertag kaum enden.

Steinens Gärtnerei Vosskuhl gehört wohl zu den schönsten Orten im Konzertsommer. Zwischen den Blumenbeeten und Gewächshäusern, neben Rosmarin und Thymian lässt sich der Sommer feiern, wie kaum irgendwo anders. Die Musik trug auch viel zu diesem idealen Sommerwohlfühlabend bei. "Just Jazz" reihten Hit an Hit, wagten sich auch in die Popmusik und lieferten einen wohlgefälligen Klangteppich. Wobei sie mit dem ersten Lied gleich ein großes Ausrufezeichen setzten: "Ain’t no Sunshine", ist ein absoluter Diamant der Musikgeschichte, Sabine Hänni bürstete ihn sogar noch etwas gegen den Strich, was dem Song gut tat. Was hat sie nur mit ihrer Stimme gemacht? Als hätte sie sie nikotingeschwängert, so klingt der weltbekannte Liebeskummersong noch verzweifelter, die Lage noch aussichtsloser. Aber es ist wirklich nur Stimmmodulation, bei Swingnummern ist sie wieder fröhlich und beschwingt. Mittendrin, umringt von fünf Mannen, steht die Sängerin aus Riehen, kontrolliert die Einsätze, flirtet mit dem Publikum und zeigt dabei auch die große Bandbreite ihrer Stimme. Ein Powerpaket. Publikum und Band verschmelzen an diesem Abend. Was bei diesem Repertoire nicht schwer ist. Andererseits, wer Street Life intonieren will, der könnte auch scheitern. Just Jazz scheitert nicht, Street Life ist so temporeich und funkig, wie es sein soll. Überhaupt sind viele Stücke so wie sie sein sollen; artfremd interpretieren Just Jazz nie, dies darf man diesen Diamanten auch nicht antun.

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Sie sind durchaus rockiger geworden, doch ihre Stärken sind die weichen Balladen, die zärtlichen Liebeslieder oder eben Liebeskummerlieder. Stings "Fields of Gold" ist so Gänsehautstück mit Gitarrist Christian Rotzlers Solo. Herzerwärmend sind solche Balladen. Wer so sein Publikum einfängt, der traut sich auch, es irgendwo anders hinzu führen, wo man gemeinsam noch nie war. "Kiss" von Prince war so ein Ausflug in die Popmusik. Ungewohnt von Just Jazz, was dem Programm aber gut tat. Ihr musikalischer Fundus ist groß, sie haben keine Angst vor großen Namen. "Route 66" ist ein absoluter Abräumer, wer kennt den Song nicht. Alles klatscht mit, Christian Rotzler und Werner Thoren am Saxophon wechseln sich als Solisten ab. Beim anderen Evergreen "How High the Moon" glänzte Klaus Wielsch am Piano. Beim instrumentalen Midnight Creeper sorgt Stephan Lage-Witt am Bass fürs Aufhorchen. Und Günther Schönthaler am Schlagzeug war der stets verlässliche Taktgeber der Band. Schön war’s und unter dem großen Dach der Gärtnerei auch hinterher noch heimelig-gemütlich.

Autor: Martina David-Wenk