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12. April 2015 20:21 Uhr

Mehr Sorten

Stiftung will alte Pflanzen- und Tierarten bewahren

Die Stiftung "Pro Specie Rara" will alte Pflanzen- und Tierarten vor dem Vergessen bewahren. Sie setzt sich für eine größere Vielfalt an Nutzpflanzen ein. Auf dem Mundenhof findet ein Setzlingsmarkt statt.

  1. Um die Wiederentdeckung und Verbreitung jener und vielzähliger anderer „vergessener Gemüsesorten“, bemüht sich die Stiftung „Pro Specie Rara“, die in Freiburg ihren deutschen Hauptsitz hat. Foto: privat

Die Rote Gartenmelde, der Gelbmöstler und die Haferwurzel sagen heute wahrscheinlich den wenigsten etwas – dabei waren diese Gemüsesorten vor etwa hundert Jahren in unserer Region noch fester Bestandteil der täglich Ernährung. Um die Wiederentdeckung und Verbreitung jener und vielzähliger anderer "vergessener Gemüsesorten", bemüht sich "Pro Specie Rara" (lat.: Für seltene Arten).

Die 1982 im schweizerischen St. Gallen gegründete Stiftung setzt sich neben Kulturpflanzen auch für den Erhalt von vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen ein – und das seit vier Jahren auch in Deutschland. Freiburg ist Hauptsitz der gemeinnützigen Gesellschaft "Pro Specie Rara Deutschland" (PSR), die 2011 durch eine Kooperation zwischen Schweizer Dachorganisation und der Stiftung "Kaiserstühler Garten" entstanden.

Alte Gemüsesorten erhalten

"Unser Hauptfokus liegt momentan darauf, die Menschen daran zu erinnern, dass es eine viel größere Vielfalt an Nutzpflanzen gibt, als wir sie heute in den Supermärkten vorfinden", erklärt Jörgen Beckmann. Der studierte Biologe bildet gemeinsam mit Béla Bartha die Geschäftsleitung der deutschen Organisation. Er betont: "Momentan arbeiten wir vor allem daran, unseren Kreis an Förderern – oder wie die Schweizer sagen: ,Gönnern‘ – zu vergrößern." Gemeint sind Spender, die das Netzwerk und somit den Erhalt der alten Gemüsesorten finanziell unterstützen.

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In der Schweiz gebe es davon bereits um die 10.000, hier in der Region seien sie noch dabei, die Leute für ihr Projekt zu begeistern, meint Beckmann. Nicht zu vernachlässigen seien aber auch all diejenigen, die selbst zum Spaten greifen. Beckmann betont: "Wir haben bisher eine etwa 40-köpfige Gruppe aus Hobbygärtnern zusammen, die sogenannten Sortenbetreuer, die unser Saatgut bei sich im Garten anpflanzen."

Vielfalt bei den Geschmacksrichtungen

Je bekannter die Sorten werden, desto wahrscheinlicher sei es, ihnen auch immer häufiger im Alltag zu begegnen. "Es geht uns bei zum einen natürlich darum, nicht zu vergessen, welche Vielfalt an Geschmacksrichtungen unsere Lebensmittel eigentlich zu bieten haben", führt Beckmann aus. Einige ihrer Gemüsearten seien auch nicht unbekannt, dafür wüssten aber die wenigsten, wie viele Sorten es von einer einzigen Art geben kann.

Als Beispiel nennt der Experte den Weizen. Während es zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts noch um die 1000 verschiedene Sorten gegeben habe, würden heute lediglich um die zwanzig im Anbau genutzt. Das sei nicht nur aus kulinarischer Sicht schade, sondern stelle auch global ein Risiko für die Ernährungssicherung dar.

Die Konzentration auf nur wenige Arten im Anbau von Kartoffeln, Tomaten, Karotten und Bohnen führe zum Verlust ihrer biologischen Vielfalt. "Je einheitlicher die Produkte, desto mehr geht auch das Aroma verloren", gibt der Geschäftsführer zu bedenken.

Rezepte auszutauschen

In Deutschland arbeitete man momentan am Erhalt von 50 verschiedenen Sorten, wobei zu den Nutzpflanzen neben Gemüse selbstverständlich auch Ackerpflanzen wie der "Emmer" und Zierpflanzen zählten. Ein Beispiel für letztere ist laut Homepage von "Pro Specie Rara" die Echte Kapuzinerkresse. Neben der Möglichkeit zu spenden und selbst aktiv zu werden, bietet die Website allen Interessierten auch die Chance, Fotos und Rezepte auf dem Gebiet auszutauschen und sich ausgiebig über die Sortenvielfalt der Pflanzen zu informieren.

Dazu laden auch Veranstaltungen wie der PSR-Setzlingsmarkt ein, der am 9. Mai von 10 bis 15 Uhr am Haupteingang des Mundenhofs stattfindet. Dort können Hobbygärtner nicht nur Ansprechpartner vor Ort ausgiebig zu PSR befragen, sondern sich auch mit Saatgut und Setzlingen traditioneller Gemüsesorten ausstatten.

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Autor: Melanie Zimmer