Jubelndes Treffen von Orgel und Posaune

mah

Von mah

Di, 19. Mai 2015

Stühlingen

Mayumi Shimizu und Eiko Maria Yoshimura bieten in Stühlingen ein außergewöhnliches Konzert.

STÜHLINGEN. "Mit den Ohren hören, die zugleich mit dem Herzen verbunden sind", so brachte Bruder Jürgen die Essenz des zweiten, gut besuchten Stühlinger Klosterkonzertes mit den Worten des Religionsphilosophen Martin Buber auf den Punkt. Zu hören waren Mayumi Shimizu, die seit der Spielzeit 2012/13 als Soloposaunistin beim SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg tätig ist, und die Organistin Eiko Maria Yoshimura, die unter anderem zur Zeit am Dom in St. Blasien als Kirchenmusikerin engagiert ist.

Im Mittelpunkt des Konzertes standen im ersten Teil Ausschnitte aus dem Konzert für Altposaune von Leopold Mozart, dem Vater von Wolfgang Amadeus, und im zweiten Teil dasjenige von Georg Christoph Wagenseil. Dies verhieß, Musik der Empfindsamkeit aus dem 18. Jahrhundert zu hören, aus jener galanten Periode zwischen barocker Kunstfertigkeit und gesetzter klassischer Musik, die vor allem individuelle Gefühle in Musik ausdrückte. Mayumi Shimizu spielte die zwei Stücke im musikalischen Zwiegespräch mit der Orgel auf einer enger mensurierten Altposaune, deren Bauweise historisch in die Renaissance zurückgeht. Warm, brillant, zu Herzen gehend, so kann man den Farbklang der Altposaune umschreiben, der in der Klosterkirche wunderbar zur Geltung kam. Im ersten Teil waren die "Sonata Prima" von Dario Catello, das Larghetto von Michael Haydn, dem Bruder von Joseph Haydn, sowie Johann Sebastian Bach mit einer Solo-Fuge für Orgel und "Jesu meine Freude", einer Kantate für Posaune und Orgel zu hören.
Im zweiten Teil des Konzertes überraschte Mayumi Shimizu das Publikum mit einer Komposition "Hommage à Jean Tinguely" von dem 1957 geborenen Jean François Michel. Sie stieg von der Empore herunter und spielte des "Künstlers Sprechgesang" und "Tanz der Maschine" in virtuoser Manier inmitten des Auditoriums. Sie bekam dafür begeisterten Zwischenapplaus. Eiko Maria Yoshimura trat solistisch mit Orgelmusik des Spätromantikers Arthur Piechler und Felix Mendelssohn-Bartholdy hervor. Das Nachspiel des Letzteren dürfte vielen Gottesdienstbesuchern als musikalischer Ausklang der Sonntagsmesse bekannt sein. Aber Werke von Mozarts Vater, der noch für einen aktiven Posaunisten in Wien sein Werk komponieren konnte, von Joseph Haydns Bruder, von Wagenseil – die Namen bezeugen bereits, dass es ein außergewöhnliches Konzert jenseits des Gängigen war. Es stand unter dem treffenden Motto "Jubelt mit Orgel und Posaunenklang". Es gab dementsprechenden Applaus. Keiner der Konzertbesucher dürfte wohl an diesem frühlingshaften Frühabend die Klosterkirche ohne einen subjektiven innerlichen Jubel verlassen haben, niemand ohne vom Klang der zierlichen Altposaune ergriffen worden zu sein.