Wie lebt es sich auf einem Bauernhof?

Johannes Renner

Von Johannes Renner

Di, 04. September 2018

Stühlingen

Raphaela Schmid hilft auf dem Biohof Kramer in Mauchen / 16-Jährige beteiligt sich an Projekt der Landfrauenbewegung.

STÜHLINGEN-MAUCHEN. Arbeiten auf dem Bauernhof. Bei der digital überfluteten Jugend mag das nach grauer Vorzeit klingen. Doch Raphaela Schmid aus Bad Rippoldsau hat sich darauf eingelassen. Sie brachte zwei Wochen ihrer Sommerferien auf dem Biohof der Familie Kramer in Mauchen zu und packte kräftig mit an.

Die 16-jährige Schülerin ist hellauf begeistert und kann diese Erfahrung wärmstens weiterempfehlen. So habe sie viel Neues gelernt und sei herzlich von der Familie aufgenommen worden. Obwohl sie eigentlich Angst vor Hunden hat, konnte sie mit Hofhund Bruno schnell Freundschaft schließen. "Es ist eine Herausforderung, woanders zu leben und zu arbeiten", sagt Raphaela. Morgens und abends half sie beim Füttern der Kälbchen und beim Säubern der Stalldurchgänge. Außerdem passte sie gelegentlich auf den jüngsten Spross der Familie auf und half beim Kochen.

Immer weniger Menschen haben Bezug zum Landleben

Familie Kramer ist von der Schülerin angetan und wünscht sich, dass sich wieder mehr junge Menschen für die Landwirtschaft begeistern können. "Es ist ein vielfältiger Beruf. Man arbeitet mit Tieren, Pflanzen und Technik", so Volker Kramer. "Man ist sein eigener Herr", ergänzt er. Allerdings gebe es keine geregelten Arbeitszeiten und der Beruf des Landwirtes sei im Vergleich zur Industrie finanziell oft weniger lukrativ. "Immer weniger Menschen haben Bezug zum Landleben", beklagt Kramer die strukturellen Entwicklungen. Irene Kramer kann nicht nachvollziehen, warum viele junge Menschen in die Stadt wollen. Gerade auch vor dem Hintergrund der horrend hohen städtischen Mieten sieht sie im Landleben Vorteile. "Man muss mit dem Herzen dabei sein", sagt sie über das Leben auf dem Bauernhof. Den Trend zu biologischem Anbau sieht Irene Kramer nicht nur idealistisch fundiert, sondern zunehmend auch wirtschaftlich sinnvoll.

Die freiwillige Hof-Helferin Raphaela Schmid hat allerdings beruflich schon andere Pläne. "Auf Dauer wäre der Beruf der Landwirtin nichts für mich", meint sie. Kurze Aufenthalte kann sie sich aber wieder vorstellen. Die Schülerin lebt bewusst und weiß, dass man Landwirte durch regional nachhaltigen Konsum unterstützen kann. "Das ist besser, als Produkte aus Übersee zu importieren", sagt sie. Nach den Ferien wird Raphaela das Wirtschaftsgymnasium besuchen und möchte beruflich eines Tages mit "Sprachen und Menschen" zu tun haben.