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07. Dezember 2012 12:36 Uhr

Beschluss

Stuttgart wird 2016 Sitz des SWR-Sinfonieorchester

Der SWR hat sich für Stuttgart als Standort des künftig fusionierten Sinfonieorchesters entschieden. Der Rundfunkrat folgte der Entscheidung des Intendanten Peter Boudgoust

  1. Stuttgart wird 2016 Sitz des SWR-Sinfonieorchester. Foto: dpa

Der Südwestrundfunk hat sich für Stuttgart als Standort des künftig fusionierten Sinfonieorchesters entschieden. Dass diese Entscheidung absehbar war, darüber hatte die Badische Zeitung bereits am Donnerstag berichtet. Der Rundfunkrat folgte am Freitag der Entscheidung des Intendanten Peter Boudgoust, wie der Sender am mitteilte. "Die Entscheidung für Stuttgart als zukünftigem Orchestersitz ist keine Entscheidung gegen Freiburg oder Baden-Baden", erklärte Boudgoust.

Der Beschluss benenne den zentralen Standort der Proben und den Sitz des Orchestermanagements von 2016 an. Die Abonnement-Konzerte in Freiburg und Stuttgart blieben unverändert erhalten. "Für die Konzertbesucher in Stuttgart und Freiburg wird sich nichts ändern", erklärte der Intendant.

OB Dieter Salomon kritisiert Verfahren

Die Stadt Freiburg zeigte sich trotzdem tief enttäuscht. Freiburg habe um ein transparentes, offenes und faires Verfahren gebeten, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon. "Davon kann leider nicht die Rede sein." Robert Mürb von der Landesvereinigung Baden kritisierte, dass die Kriterien für die Entscheidung nicht nachvollziehbar seien. Er kündigte Widerstand an. "Wir nehmen eine solche Aushöhlung der Musikkultur in Baden nicht hin." Salomon bemängelte die Zusammensetzung der Kommission, die die Vor- und Nachteile möglicher Standorte geprüft hatte. Dort seien zwar mehrere Stuttgarter, aber kein Südbadener vertreten, sagte Salomon.

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Fakt sei, dass Freiburg mit dem Konzerthaus beste Bedingungen für Proben und Konzerte biete, während in Stuttgart erst noch in entsprechende Räumlichkeiten investiert werden müsse, meinte Salomon weiter. Mürb wies erneut darauf hin, dass mit dem Abzug des Orchesters in der Region Oberrhein ein kulturelles Vakuum entstehe. Stuttgart habe jetzt schon ein Überangebot an Musikern mit Staatskapelle, Philharmonikern und Kammerorchester sowie der Bachakademie und der Bigband des SWR.

Stuttgart biete das größere Einzugsgebiet

Der Vorsitzende der Standortkommission, Michael Sieber, betonte, dem Gremium sei es nicht darum gegangen, kulturpolitische oder regional-strukturell bedingte Empfehlungen abzugeben. Vielmehr habe es die künftigen Arbeitsbedingungen des Orchesters, der Dirigenten und Solisten im Blick gehabt. Auch unter Berücksichtigung weiterer Kriterien sei die Kommission am Ende der Prüfung einstimmig überzeugt gewesen, dass Stuttgart die besten Start- und Zukunftschancen für das künftige Sinfonieorchester biete. Boudgoust informierte die Gremien zudem darüber, dass der SWR einen künstlerischen Leiter einsetzen werde, der die Fusion praktisch umsetzen solle.

Fusion soll fünf Millionen Euro pro Jahr einsparen

Die "Freunde und Förderer des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart" begrüßten die Standortentscheidung. Die Metropolregion Stuttgart biete mit ihren 4,7 Millionen Einwohnern das größte Einzugsgebiet und das größte Konzertpublikum weit und breit. Unabhängig davon bedauere der Fördererkreis die erzwungene Fusion zweier deutscher Spitzenorchester weiterhin zutiefst. "Das ungute Gefühl bleibt", sagte der Vorsitzende Uli Kostenbader laut Mitteilung.

Der Sender hatte sich aus Kostengründen entschlossen, das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und das Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg zu einem Rundfunkorchester zu verschmelzen. Die Fusion soll fünf Millionen Euro pro Jahr einsparen.
Im Etat 2013 der zweitgrößten ARD-Anstalt klafft nach SWR-Angaben eine Lücke von 41 Millionen Euro. Der Fehlbetrag werde dem anstaltseigenen Kapital entnommen. Der Rundfunkrat genehmigte den Etat am Freitag. Er sieht Erträge von 1,138 Milliarden Euro und Aufwendungen von 1,179 Milliarden Euro vor. Der Sender kann nach Ansicht von Boudgoust angesichts seiner strategischen Ausrichtung "selbstbewusst in das Jahr Null der neuen Rundfunkfinanzierung blicken". Vom kommenden Jahr an werden ARD und ZDF mit einem geräteunabhängigen Rundfunkbeitrag finanziert, der zunächst bei 17,98 Euro festgeschrieben ist.

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Autor: dpa