Unterm Strich

Stuttgart soll die stressärmste Stadt der Welt sein

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Mi, 20. September 2017 um 08:37 Uhr

Stuttgart

Ist es eine Wahrnehmungsstörung oder ein wissenschaftlicher Rundungsfehler? Die Studie einer Textilreinigungs-App kommt zu dem diskussionswürdigen Ergebnis, dass Stuttgart die stressärmste Stadt der Welt sei.

Es muss sich schon um eine größere Wahrnehmungsstörung handeln, die der Badener beim Blick auf die Landeshauptstadt hat. Eine, die sich bestimmt historisch, kulturell, genetisch und so begründen lässt. Denn NIEMALS käme er auch nur in die Nähe der Idee, Stuttgart für die stressärmste Stadt der Welt zu halten. Sei sie aber – sagt eine Studie, eine weltweite sogar. Naja, die Untersuchung ist von einer Textilreinigungs-App namens Zipjet, was der Sache natürlich schon wieder ein bisschen Glanz nimmt. Und außerdem: Reinigung, Kehrwoche – klingelt’s?

Trotzdem, unvoreingenommen, wie wir halt auch sein können, wollen wir die Studie mal genauer ansehen. In 17 Kriterien wurden Großstädte gemessen und verglichen: von der Kaufkraft bis zu den Grünflächen, von der Jobsicherheit bis zur Lärmbelästigung, vom Nahverkehr bis zur Anzahl der Sonnenstunden.

Killesberg vor Central Park

Von den 150 Städten, die ins Ranking kamen, liegt Stuttgart – unfassbar – auf Platz 1. Das heißt: Fernsehturm vor Eiffelturm, Killesberg vor Central Park, Wasen vor Wiesn. Mitstreiter wie Paris, New York oder Rom liegen auf den Plätzen 78, 84 und 89. Auf dem letzten ist Bagdad gelandet – trotz super Werte bei den Sonnenstunden.

Übrigens haben es noch drei deutsche Städte in die Top Ten geschafft: Hannover (das Stuttgart des Nordens) auf Rang 3, München und Hamburg auf den Plätzen 5 und 10.

Beim Studium der Studie erschließt sich schnell, dass der Schwabe seine eigene Vorstellung von Stress hat. Dem Diesel fahrenden Otto-Normal-Stuttgarter etwa macht der tägliche Stau deshalb nichts aus, weil er ihn halt in seinem Benz verbringt. Und im Benz stellt sich auch das mit den Grenzwerten in der Luft nicht so stressig dar wie außerhalb vom selbigen. Und wenn dann das mit dem Klimawandel so weitergeht – wo die Schwaben ja ordentlich was dazudaimlern – und die Stadt bei den Sonnenstunden aufholt, ist ihr Platz 1 eigentlich nicht mehr zu nehmen – es sei denn, Bagdad baut Autos und führt die Kehrwoche ein.