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10. Januar 2015 12:59 Uhr

Ärztemangel

Arzttermine sind oft Mangelware – trotz zu vieler Praxen

Patienten vieler Fachärzte müssen im Raum Freiburg lange auf Termine warten – vor allem bei Hautärzten. Obwohl es davon zwischen Offenburg und Müllheim offiziell mehr als genug gibt.

  1. Termine bei Dermatologen sind oft Mangelware – auch weil manche Schönheitsmedizin betreiben. Foto: dpa Deutsche Presse-Agentur

Ob Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen oder Ortenau – für Hautärzte gilt jeder dieser Landkreise als überbelegt. Das heißt: Es sind mindestens zehn Prozent mehr Dermatologen angesiedelt als laut Berechnung für die Versorgung der Bevölkerung notwendig wären. Freie Plätze für Hautärzte sieht die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) nur in den Kreisen Lörrach und Waldshut.

In Freiburg dagegen gibt es laut dieser Statistik mehr als doppelt so viele wie nötig: 22 Hautärzte sind dort in eigener Praxis tätig, höchstens zehn dürften es sein. Doch der errechnete Versorgungsgrad entspricht für viele Patienten nicht dem gefühlten. Denn Termine beim Hautarzt sind schwer zu bekommen – was unter anderem dazu führt, dass sich die Patienten in der Ambulanz der Uni-Hautklinik gegenseitig auf den Füßen stehen.

Schönheitsmedizin macht Termine rar

Eine Hauptursache sehen Experten darin, dass sehr viele Dermatologen längst nicht mehr nur das tun, was sie ursprünglich sollten. Statt Leberflecke oder Hautkrankheiten zu behandeln, kümmern sie sich in großem Maße um sogenannte Igel-Leistungen, die nicht von den Kassen, sondern Privatversicherungen oder direkt von Patienten bezahlt werden und mit denen mehr Geld zu verdienen ist: Tattoo-Entfernung oder Faltenunterspritzung – gerade kosmetische und schönheitsmedizinische Angebote zählen zu den Bestsellern. Fast die Hälfte ihres durchschnittlichen Jahresumsatzes von 367 000 Euro erwirtschaften deutsche Hautarztpraxen laut dem Statistischen Bundesamt mit privatärztlichen Leistungen – das ist unter Deutschlands Medizinern ein Rekord.

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Mitte der 90er Jahre, als festgelegt wurde, wie viele Ärzte sich pro Region niederlassen dürfen, widmeten die Mediziner ihren normalen Kassenpatienten noch mehr Zeit – "und seitdem wurden die Bedarfsplanungszahlen nicht maßgeblich angepasst", sagt Kai Sonntag von der KV Baden-Württemberg. Daher wird die Zeit für die wirklich Kranken knapp.

Praxen weniger als 25 Stunden geöffnet

Ebenfalls nicht mit in die Berechnung eingeflossen ist das später eingeführte Hautkrebs-Screening, das ein Drittel des Praxisumsatzes ausmacht.

Und es gibt einen dritten Grund für den gefühlten Hautarztmangel: Längst ist nicht jede Praxis ganztags besetzt. Von den 22 Freiburger Dermatologenpraxen sind laut KV acht weniger als 25 Stunden offiziell geöffnet, weitere drei weniger als 30 Stunden.

Nur zwei von 22 Praxen erreichen als Gemeinschaftspraxen die 40-Stunden-Marke. Wobei allerdings viele Mediziner auch außerhalb der offiziellen Sprechstunden Termine vergeben. Solange ein Arzt seine Praxis die Mindestzeit von 20 Stunden geöffnet hat, muss er um seine Zulassung durch die KV nicht fürchten – unabhängig davon, ob er in dieser Zeit Privat- oder Kassenpatienten versorgt oder Igel-Leistungen erbringt.

"Wenn ich die Behandlung von Kassenpatienten so bezahle, dass alles andere attraktiver ist, dann muss ich mich nicht wundern, wenn die Ärzte etwas anderes machen", sagt dazu der Berufsverband der Deutschen Dermatologen.

Autor: Michael Brendler