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25. Mai 2016 00:00 Uhr

Freiburg

Ausstellung im Basler Hof zeigt Archive im Land

Der Fotograf Joachim Feigl war zwei Jahre in den Archiven Baden-Württembergs unterwegs, egal ob in Staats-, Firmen- oder Privatbesitz. Seine Werke sind nun in einer Ausstellung zu sehen.

  1. Im Erzbischöflichen Archiv in Freiburg Foto: Feigl

Der Chef des Freiburger Stadtarchivs, Ulrich P. Ecker, mag ein Klischee überhaupt nicht: das vom verstaubten Archiv und dessen angeblich gnomenhaften Personal. Doch die kleine, leider nicht allzu auskunftsfreudige Fotoausstellung, die er im Stammhaus des Freiburger Regierungspräsidiums, dem Basler Hof, mit einer kurzen Ansprache eröffnet hat, zeigt auch das: Im Gemeindearchiv von Jagstberg im Hohenlohischen lagern in vergammelten Schränken Akten, die so verstaubt sind, dass sie der Mann auf dem Bild nur mit Arbeitsanzug und Mundschutz anzufassen wagt. Aber Ecker hat Recht: Diese Jagstberger Akten sehen nur so aus, weil sich kein Archivar, keine Archivarin um sie gekümmert hat.

Der Stuttgarter Fotograf Joachim Feigl war zwei Jahre in den Archiven Baden-Württembergs unterwegs, egal ob nun in Staats-, Firmen- oder Privatbesitz. Er hat dort die Menschen bei ihrer Arbeit fotografiert, und – ja, da ist Ecker zuzustimmen – es sind normale Einrichtungen mit modernen Menschen. Aber was heißt schon normal: Neben dem Staub von Jagstberg gibt es den diskreten Charme von Betontiefetagen, in denen mobile Metallschränke das Aktenlager aufnehmen – nicht unbedingt ein schöner Arbeitsplatz. Weit mehr dem, was man unter Archiv versteht, entspricht das Fürstlich-Fürstenbergische Archiv in Donaueschingen: Schöne Schreibtische, wohlgeordnete Regale, dazwischen schaut die fürstliche Familie in Bild und Büste auf die Mitarbeiter.

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Quasi das Gegenstück ist das Archiv Soziale Bewegungen in Freiburg, wo kein Herrscher Platz hat und dennoch die Regale überquellen von Schubern und Aktenordnern. Fast vornehm wirkt dagegen die Ordnung im Erzbischöflichen Archiv, ebenfalls in Freiburg Feigls Fotos, die den Menschen im Archiv gelten, zeigen am Rande, wie neues Material in die Archive drängt: Oft stehen in den Regalen oder am Boden Kisten und Kartons, in denen Aufzubewahrendes der Aufarbeitung harrt. Und diese Aufarbeitung ist die eigentliche Tätigkeit der Archive, die für die Nachwelt die Spreu vom Weizen trennen und damit, wie Regierungsvizepräsident Klemens Ficht sagte, unsere Überlieferung prägen. Erst recht geschieht das im Barbarastollen in Oberried, wo Deutschland einlagert, woran sich spätere Welten erinnern sollen – nun nicht mehr in Gestalt von Verwaltungsakten, Briefen oder Fotos, sondern als Mikrofilm in runden Stahlbehältern. Aber ist das noch richtige Archivarbeit – und nicht mehr bloß ein Wegstellen?

"Geschichte machen – Archive in Baden-Württemberg": Regierungspräsidium Freiburg, Kaiser-Joseph-Straße 167, jeden Arbeitstag 8 bis 17 Uhr, freitags bis 16 Uhr.

Autor: Wulf Rüskamp