Bald hilft nur die Feuerwehr

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 29. Juli 2018

Südwest

Der Sonntag Was die anhaltende Trockenheit für die Bäume in Freiburg bedeutet .

"Wir machen nichts anderes mehr als gießen. Und das seit Wochen." Was Paul Kaltenbach, als Gärtnermeister beim Garten- und Tiefbauamt (GuT) Freiburg zuständig für den Südwestteil der Stadt, sagt, lässt keine Zweifel. Die Dürre hält das GuT in Atem. 50 000 Liter gießt Kaltenbachs Team in einem normalen Sommer täglich. Jetzt ist es das Doppelte, Tendenz steigend.

Acht Personen gießen im Zuständigkeitsbereich des Gärtnermeisters, vier Fahrzeuge sind im Einsatz. Zusätzlich wird eine Fremdfirma für die Bewässerung beschäftigt. "Wenn es so weitergeht, werden wir bald die Feuerwehr um Hilfe bitten müssen." Das ganze Personal ist eingebunden, andere Arbeiten wie das Zurückschneiden von Hecken sind derzeit zurückgestellt. Auch das Aussprechen von Urlaubssperren hält Kaltenbach für unumgänglich, sollte die Trockenheitsphase fortbestehen.

30 000 Bäume stehen an Freiburgs Straßen, weitere 30 000 in Parkanlagen oder auf Rasenflächen. Die alle zu gießen, wäre ein nicht vertretbarer Aufwand. "Wir beschränken uns daher auf die Jungbäume", erläutert Kaltenbach. Und auch unter denen gibt es eine Hierarchie bei der Bewässerung. Erst sind die unter Einjährigen dran, dann die unter Zweijährigen, zuletzt die unter Dreijährigen. "Die Bäume, die älter sind, haben bereits so viele Wurzeln schlagen können, dass sie Wasser besser konservieren können. Sie können wir in so einer Situation nicht mehr berücksichtigen."

Ausschließlich Trinkwasser kommt zum Einsatz. Wasser aus den Seen zu entnehmen, wäre rein rechtlich gar nicht machbar. "Außerdem gäbe das einen Riesenaufschrei in der Bevölkerung", schätzt Paul Kaltenbach.

Hansjörg Filsinger, Landschaftsgärtner beim GuT, ist von April bis Oktober mit dem Gießen von Jungbäumen betraut. Zwischen 150 und 200 Liter lässt er jedem Baum zurzeit zukommen. "So viel muss sein, damit der Boden eine gewisse Feuchtigkeit erreicht." Die Menge hängt auch von den Lebensbedingungen eines Baums ab, ob er etwa von Rasen oder von asphaltierter Fläche umgeben ist. Rund drei Wochen braucht Filsinger, bis er wieder zu den gleichen Bäumen kommt. So lange müssen sie durchhalten.

Ist die Lage jetzt schon bedrohlicher als im für seine Hitze berühmten Sommer von 2003? Schwer zu sagen, meint Kaltenbach. "Der August steht uns ja erst noch bevor." Und die Auswertung über Baumschäden kann ohnehin immer erst im darauffolgenden Jahr erfolgen. "Dann sehen wir, ob sie wieder austreiben oder abgestorben sind." Im Jahr 2004 habe man rund zehn Prozent Ausfälle hinnehmen müssen.

Was die Trockenheit des Sommers 2018 für die Bäume bedeutet, kann man eindrucksvoll im Eingangsbereich des Hauptfriedhofes sehen. Dort liegen Ende Juli jeden Morgen unzählige Laubblätter auf dem Boden. "Wir haben zurzeit Laubbeseitigungseinsätze wie sonst im Herbst." Die Bäume sind erfinderisch in Zeiten der Not: "Sie reduzieren ihre Verdunstungsfläche und werfen immer so viele Blätter ab, wie es nötig ist, um sich am Leben zu erhalten."

Wie sehr kann Regen jetzt noch helfen? Es müsste schon eine große Menge abregnen, sonst würde das Regenwasser nur nahezu wirkungslos abfließen. "Am liebsten wäre mir ein leichter Nieselregen, der die ganze Nachte andauert", sagt Kaltenbach.

Die Bevölkerung kann mithelfen. Indem sie selbst die Bäume in der Umgebung ihrer Wohnungen gießt. "Wir sind um jeden Liter dankbar, der gegossen wird", so Kaltenbach und Filsinger. Zu viel könne es gar nicht sein. "Niemand muss Angst haben, dass ein Baum absäuft, wenn wir ihn später auch noch bewässern." Zudem gebe es die Möglichkeit, Baumpatenschaften zu übernehmen.

Viele Baumarten finden sich in Freiburg. Das ist wichtig, weil dieser Variantenreichtum dafür sorgt, dass etwa bei einem artentypischen Befall durch Miniermotten oder den Prozessionsspinner nicht gleich ein Großteil des Bestandes gefährdet ist. Linde, Ahorn, Eichen, aber auch Zierkirschen oder Platanen prägen das Stadtbild. Könnte es eine Lösung sein, auf mit anderen Klimabedingungen besser zurechtkommende Arten zu setzen? Klar, man beobachte das auch, dass in immer mehr südbadischen Gärten etwa auch Palmen stehen. "Wir müssen hier aber immer noch auch mit sehr kalten Wintern rechnen."