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05. November 2010 12:51 Uhr

Besuch aus Berlin

Rheintalbahn: Abgeordnete informieren sich über Alternativen

Nicht nur bei Bahnchef Grube ist das Interesse an der Rheintalbahn schlagartig gewachsen, seit Stuttgart 21 zu entgleisen droht. Nun haben sich auch Bundestagsabgeordnete des Verkehrsausschusses über den Ausbau der Strecke und die Alternativen informiert.

  1. Die Bahntrasse durch Offenburg ist einer der sensibelsten Punkte bei der Neuordnnung des Zugverkehrs am Oberrhein. Foto: dpa

HERBOLZHEIM. Wenige Tage nach der Rundfahrt des Bahnchefs Rüdiger Grube zu den neuralgischen Punkten des Rheintalbahnausbaus hat sich am südlichen Oberrhein am Donnerstag erneut Besuch aus Berlin eingestellt. Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen waren gekommen. Zwischen Bad Bellingen und Offenburg ließen sie sich von Bürgermeistern und Initiativensprechern erklären, was diesen an der Planung der Bahn für den viergleisigen Ausbau der Strecke nicht gefällt und welche Gegenvorschläge sie haben.

Das Besondere an dieser Gruppe war, dass Mitglieder des Verkehrsausschusses des Bundestags ihren Kern bildeten, voran dessen Vorsitzender Winfried Hermann (Grüne). Und dieser Ausschuss, das versprach Hermann am Donnerstagabend zum Abschluss des Besuchs in Herbolzheim, werde sich mit dem Thema beschäftigen. Etwa nächstes Jahr in einer Diskussion über den Schienenbonus, der der Bahn höhere Lärmgrenzwerte zugestehe als dem übrigen Verkehr.

Zehn Parlamentarier, acht Stationen

Und auch der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) solle kommen, so Hermann, um sich an Ort und Stelle zu informieren – denn dies sei die zentrale Achse des Güterverkehrs in Europa. Der Protest gegen Stuttgart 21 habe geholfen, die Ohren der Politiker auch für die Kritik an der Planung der Rheintalbahn zu öffnen. Ihm und seinen zeitweilig zehn Parlamentskollegen seien am Tag auf den insgesamt acht Stationen ihrer Besichtigungstour durchweg klare Alternativen zur Bahnplanung vorgetragen worden. Sie seien machbar und sollten zumindest ernsthaft in Erwägung gezogen werden – was Grube namens der Bahn am vergangenen Wochenende bereits zugesagt hatte. Er, Hermann, erlebe den Protest am Oberrhein gegen die Bahnpläne als "Beispiel einer funktionierenden Bürgerdemokratie".

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Ob sich allerdings auch beim Bund etwas bewegt, etwa indem der viergleisige Ausbau der Rheintalstrecke zwischen Offenburg und Basel zu einem Modellprojekt mit entsprechenden Sonderbedingungen im Lärmschutz erklärt wird, konnte Hermann nicht sagen. Zwar ist er Ausschussvorsitzender, aber Mitglied der Opposition. Immerhin aber, so meinte er, seien inzwischen alle Fraktionen bereit, zusätzliches Geld in den Lärmschutz zu investieren. Die Bahn müsse zudem den Lärm an der Quelle, also an Schienen und Wagen, bekämpfen.

Finanznöte der Bundesverkehrspolitik

Doch um besseren Lärmschutz geht es den Bürgern und Kommunen längs der Strecke nicht allein. Matthias Guderjan, Bürgermeister von Kenzingen, warnte, über solchen Zusagen dürfe man nicht aus den Augen verlieren, dass die Region auch eine andere Trassenführung für die Güterzüge wolle, dass also konkret die neuen Schienen zwischen Offenburg und Riegel neben der Autobahn verlegt werden sollen und nicht entlang der vorhandenen Gleise, wie es die Bahn vorsieht.

Hermann wies auf die Finanznöte der Bundesverkehrspolitik hin. In den nächsten zehn Jahren werde es nur elf Milliarden Euro für neue Bahnstrecken geben. In diesen engen Grenzen könnten nicht gleichzeitig Stuttgart 21 mit sieben, aber wohl eher zehn Milliarden Euro Kosten und die Rheintalstrecke mit vermutlich fünf Milliarden Euro gebaut werden.

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Autor: Wulf Rüskamp