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18. Februar 2014 07:25 Uhr

Denkmalschutz

Die 60.000 Bodendenkmale im Land sind gefährdet

"So ein Keltengrab im Wald sieht einfach aus wie ein relativ müder Hügel", sagt Thomas Deines von der Landesforstverwaltung. Und genau darin liegt das große Problem für diese Bodendenkmäler und deren Schutz.

  1. Sternschanze bei Neuenweg im Südschwarzwald – ein gut sichtbares Bodendenkmal Foto: Luftbild: Erich Meyer

Etwa 60 000 Bodendenkmale und archäologische Fundstellen gibt es in Baden-Württemberg, doch für den Laien sind sie oft nicht zu erkennen. Und deshalb laufen sie stets Gefahr, etwa bei Bauarbeiten kurzerhand beschädigt oder gar zerstört zu werden.

"Die Reste keltischer Hügelgräber bei Karlsruhe-Neureut zählen genauso als Bodendenkmal wie Überbleibsel des römischen Limes oder Schanzanlagen aus dem Dreißigjährigen Krieg", erklärt Andrea Bräuning von der in Freiburg ansässigen Denkmalschutzbehörde. Laut Gesetz sind solche Fundstellen zu schützen, wenn an ihrer "Erhaltung aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht". Denn im Boden lagert ein vielfach noch unbekanntes Archiv der Spuren menschlichen Lebens.

Und das soll auch so bleiben, geht es nach der Denkmalschutzbehörde. Denn die verfügt gar nicht über die notwendigen finanziellen Mittel, um alle Bodendenkmäler und Fundstellen sachgerecht auszugraben und zu dokumentieren. Außerdem zerstöre auch eine Ausgrabung letztlich die im Gelände erhaltenen Spuren. Fundstellen im Gelände zu schützen, sei jedoch ebenfalls schwierig, räumt Andrea Bräuning ein.

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Erst im Herbst vergangenen Jahres wurde bei Raitbach nahe Schopfheim ein Wall aus dem Dreißigjährigen Krieg beim Bau eines Forstweges plattgemacht: Das Kulturdenkmal war damit unwiederbringlich verloren. Dies sei ein Missgeschick gewesen, das zum Glück nur selten vorkomme, sagt Bräuning. Um solche Fälle zu verhindern, hat die Denkmalpflege in Zusammenarbeit mit der Forst- und Landwirtschaft jüngst eine 70-seitige Broschüre veröffentlicht, die alle Beteiligten auf partnerschaftliche Zusammenarbeit zum Schutz der Denkmale im Boden einschwört.

Aufgabe der Denkmalschutzbehörde ist es derzeit, die Geodaten von Kulturdenkmälern in Listen zu erfassen. Früher wurden hierfür Luftbilder nach auffälliger Vegetation und Zonen mit verstärkter Erosion abgesucht. Heute arbeitet die Landesdenkmalpflege mit modernster Technik: Laserstrahlen tasten die Bodenoberfläche ab, deren Reflexion gibt auch über tiefer liegende Unregelmäßigkeiten im Erdreich Aufschluss. Solche Scans liegen mittlerweile für ganz Baden-Württemberg vor. Nach der Analyse der Aufnahmen am Schreibtisch begutachtet das Team von Andrea Bräuning manche Objekte im freien Feld. "Wir übergeben die Daten Kreis für Kreis an die Behörden", sagt sie. So bekommt die Landesforstverwaltung immer mehr Informationen über Bodendenkmäler an die Hand.

Thomas Deines hält die Mitarbeit der Forstwirtschaft im Denkmalschutz für selbstverständlich: "Wir verstehen Wald als Kulturgut. Wenn wir wissen, worauf wir Rücksicht nehmen müssen, dann setzen wir an sensiblen Stellen Forstmaschinen ein, die nicht in den Boden eingreifen oder verzichten gegebenenfalls ganz auf maschinell unterstützte Arbeitsverfahren." Auch wenn das arbeitsintensiver sei oder Mehrkosten verursache. "Aber Eigentum verpflichtet eben", sagt Deines.

Die meisten Bodendenkmäler im Land befinden sich jedoch dort, wo schon unsere Vorfahren fruchtbare Böden fanden und sich niederließen. Und da wird meist heute noch Landwirtschaft betrieben. Ist ein Bodendenkmal bekannt, dann kann das auch für die Bauern Eingriffe in ihre Bewirtschaftung bedeuten, so Michael Schulz vom Landesbauernverband. Die Landwirte müssten dann zum Beispiel ihre Pflugtiefe verringern oder ganz auf solche Arbeitsgeräte verzichten. Die Broschüre des Landesdenkmalamts empfiehlt sogar die Grünlandbewirtschaftung als wirksamsten Schutz für Bodendenkmäler.

"Wenn die Auflagen bei den Landwirten zu Einbußen führen, dann müssen die eine Entschädigung erhalten. Man muss aber bedenken, dass die Denkmalschutzbehörde immer weniger Geld hat", sagt Michael Schulz. Problematisch sei, dass zwar Daten über Bodendenkmäler vorlägen, die Landwirte sich aber bislang nicht selbst informieren könnten, so Schulz. Grundsätzlich stünden aber auch die Landwirte dem Denkmalschutz positiv gegenüber. "Wenn wir von einem Denkmal wissen, dann wird das auch pfleglich behandelt", sagt Schulz.

Autor: Karen Bauer