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13. Januar 2012

Nachwachsende Rohstoffe

Der Wald ist eine wichtige Energiequelle

Hackschnitzel, Pellets, Papier – der Wertstoff Holz wird stark nachgefragt / Aber ohne Restholz gehen dem Waldboden die Nährstoffe aus.

  1. Wertvolles aus dem Wald – gefällte Bäume. Foto: Michael bamberger

FREIBURG. Holz wird als Energiespender immer beliebter. Nicht nur als Scheitholz im privaten Kamin, sondern in Form von Pellets oder Hackschnitzeln auch in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, Schwimmbädern und Schulen etwa. Doch noch fehlt ein Gesamtkonzept für die energetische Nutzung der Biomasse Wald.

Holz ist klimaschonend, weil bei der Verbrennung nur die Menge des Treibhausgases Kohlendioxid freigesetzt wird, die der Baum während seines Wachstums aufgenommen hat. Holz wächst in der Region, die Preisbildung ist nicht vom Weltmarkt abhängig. Jedenfalls nicht so, dass mit extremen Aufschlägen durch Spekulation gerechnet werden muss.

Allerdings ist Holz nicht mehr so billig wie vor dem Start in die Energiewende, denn um den Rohstoff wird gerungen: Die Verwertung für Zeitungspapier und die energetische Nachfrage treiben den Preis nach oben. Und einfach nur den Wald abzuholzen wäre kurzsichtig. Nachhaltigkeit ist eine Erfindung der Forstwirtschaft und heißt auf den Wald bezogen ganz eindeutig: "Es darf nicht mehr geschlagen werden als nachwächst", erinnert Konstantin von Teuffel, der Leiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), bei einer landesweiten Fachtagung der Forst- und Holzexperten an eine alte Försterweisheit.

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Zu den Gästen gehörte auch Wolfgang Reimer, Ministerialdirektor im Ministerium für ländlichen Raum in Stuttgart, selbst Bauer und Waldbesitzer. Die Energiewende brauche jeden erneuerbaren Rohstoff, betonte Reimer und aus dem Wald könnten vielleicht vier bis acht Millionen Festmeter Holz zusätzlich genutzt werden. Derzeit werden vier Millionen Festmeter energetisch genutzt, was 900 Millionen Liter Heizöl einspart. Bundesweit werden jährlich 55 Millionen Festmeter (Holzmaß für Kubikmeter) und auf den rund 1,4 Millionen Hektar Waldfläche in Baden-Württemberg bis 11 Millionen Festmeter Holz geschlagen.

Doch während die Papier- und die Möbelindustrie, die Bauwirtschaft und jetzt auch die Heizwerke nach Holz lechzen, wachen der Tourismus und der Natur- und Landschaftsschutz argwöhnisch über den Wald als Erholungsort und Biotop. "Es gibt Zielkonflikte", räumt Ministerialrat Reimer ein, "wir dürfen die Biodiversität und den Naturschutz nicht opfern." Das wirft nicht nur die Frage auf, wie viel Holz und wofür geschlagen werden darf und kann, sondern auch die nach dem Nährstoff, die dem Wald durch das Abholzen entzogen wird. Denn nicht nur das Stammholz, sondern auch das Restholz ist wichtig. Letzteres wird mancherorts schon systematisch eingesammelt und zu Hackschnitzeln verarbeitet.

Zum Beispiel im südbadischen Münstertal durch die "Forstbetriebsgemeinschaft Belchen-Neumagen". Alles, was bei der Holzernte in den Wäldern rund um den Belchen nicht verwertet werden kann – Äste, Kronen, Splitterholz oder Bruchholz – wird geschreddert, gelagert und als Hackschnitzelmasse an Heizkraftwerke der Badenova oder von Gemeinden der Region verkauft. Die Jahresleistung von 25 000 Kubikmeter Hackschnitzel aus Holz sparen 1,8 Millionen Tonnen Heizöl ein, bei einem Verkaufspreis von 18 Euro pro Kubikmeter arbeitet die Anlage, die Waldbesitzer und Gemeinden gemeinsam betreiben, bereits wenige Jahre nach Inbetriebnahme mit Gewinn. "Und weder bei der Lagerung noch beim Transport läuft Öl aus", freut sich der südbadische Forstpräsident Meinhard Joos.

Doch wenn das Restholz nicht im Wald liegen bleiben kann, muss ein anderer Dünger für den Waldboden her, um das Defizit an Mineralien auszugleichen. Die naheliegende Möglichkeit: "Die Asche der verbrannten Pellets und Hackschnitzel kann zur Kompensation in den Wald zurückgeführt werden", sagt Klaus von Wilpert. Der Forstwissenschaftler hat mit seinem Team einen Feldversuch im Altdorfer Wald zwischen Donau und Bodensee gemacht. Fazit des so erarbeiteten Konzeptes für einen "Energieholz-Aschekreislauf zur Erhaltung der Nährstoffnachhaltigkeit" ist: Es geht und es ist sinnvoll. Holzasche aus den Heizwerken kann – vermischt mit Mehl von Dolomitkalk – großflächig im Wald ausgebracht werden, das kostet nur rund 250 Euro pro Hektar und muss nur alle 64 Jahre gemacht werden. Einziges Problem: Die Asche muss "rein" sein. Holzheizkraftwerke dürfen also keinen verunreinigten Rohstoff verbrennen.

Wäre das nicht ein Modell für das ganze Land? "Da müssen wir noch drüber reden", dämpft Reimer zunächst einmal die Erwartungen auf eine schnelle Lösung. Doch "interessant" und eine realistische Möglichkeit sei das schon. Derzeit wird die Asche größtenteils schlichtweg als Abfall entsorgt. Die Studie von Wilperts Team wird jetzt in das Gesamtkonzept für die energetische Nutzung von Biomasse einfließen, das im Ministerium erarbeitet werden soll.

INFO: FORSTWIRTSCHAFT IM LAND

Der Forst in Baden-Württemberg ist eine wichtige Wirtschaftsbranche: Mit der Verarbeitung von Holz verdienen rund 200 000 Beschäftigte in 29 000 Betrieben ihr Geld. Nach einer Studie des Ministeriums für ländlichen Raum von 2010 setzt die Branche jährlich mehr als 30 Milliarden Euro um, das entspricht 3,5 Prozent des Wirtschaftsumsatzes im Land. Die Wälder Baden-Württembergs wachsen im Bundesdurchschnitt am schnellsten, um 14 Volumenfestmeter pro Hektar. Nach Bayern hat Baden-Württemberg die höchsten Holzvorräte im Wald stehen, der Einschlag liegt zwischen neun und elf Millionen Festmetern pro Jahr. 78 Prozent des geschlagenen Holzes bleiben im Bundesland, 95 Prozent in Deutschland. Hauptabnehmer sind die Sägewerke mit 65 Prozent.  

Autor: sie

Autor: Heinz Siebold