Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
31. Januar 2009
"Die Asse hat mich krank gemacht"
Ein Ex-Mitarbeiter klagt an
KARLSRUHE. "Die Asse hat mich krank gemacht", glaubt ein Ex-Mitarbeiter der niedersächsischen Atommüll-Deponie. 90 Prozent des strahlenden Inventars in der einsturzgefährdeten Schachtanlage stammen aus Karlsruhe.
Eigentlich, sagt Eckbert Duranowitsch, sei er ein "Stehaufmännchen". Doch als er 1999 mit der Diagnose Leukämie konfrontiert wurde, war das mit dem Aufstehen nicht mehr so einfach. Der Arzt hatte gefragt: "Hatten Sie mit Radioaktivität zu tun?" Und tatsächlich war der gelernte Maschinenschlosser von 1987 bis 1990 in der Schachtanlage beschäftigt. Dort lagern 126 000 Fässer Atommüll. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig will nun prüfen, ob im Fall Duranowitsch ein Anfangsverdacht auf vorsätzliche Körperverletzung besteht. Der frühere Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, weist dies zurück. Dagegen nimmt die Bundesregierung die Vorwürfe ernst. Es gebe aber keine Erkenntnisse über Versäumnisse beim Strahlenschutz, sagte Staatssekretärin Astrid Klug (SPD).
Werbung
Die Verantwortlichen dürften also nicht weiter belangt werden – zumal die Große Koalition plant, das Verursacherprinzip außer Kraft zu setzen und die auf zwei Milliarden Euro veranschlagten Sanierungskosten für Asse dem Steuerzahler aufzubürden. Der Umweltausschuss hat den Antrag bereits durchgewunken.
Dagegen fordert die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, die Atomindustrie an den Kosten zu beteiligen. Dass CDU und SPD die Atomindustrie von den Kosten befreien wollten, sei ein Skandal.
Es wäre nicht das erste schlechte Geschäft. Folgekosten von 2,6 Milliarden Euro für die stillgelegte WAK sorgen immer wieder für Aufregung. Die Stromkonzerne kauften sich 1991 mit 511 Millionen Euro aus der Verantwortung. Mehrkosten trägt seither der Steuerzahler.
Autor: Roland Muschel
