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04. April 2009 21:15 Uhr
Brennpunkt Straßburger Rheininsel
Nato-Gipfel: Feuerwehr löschte unter Polizeischutz
Die Rheininsel war Brennpunkt der Ausschreitungen in Straßburg. Mittendrin: Deutsche und französische Feuerwehren. Als die Lage zu gefährlich wurde, brachen sie den Einsatz vorübergehend ab, sagen die Verantwortlichen – und wehren sich gegen anders lautende Gerüchte.
Zwischen dem alten Zoll und dem Ibis-Hotel am Ortseingang von Straßburg herrschten am Samstag stundenlang Zustände wie im Bürgerkrieg. Demonstranten setzten Gebäude in Flammen und verwüsteten Bushaltestellen und Telefonzellen. Die Polizisten wurden mit Feuerwerkskörper und Zwillen beschossen. Als sich die militanten Nato-Gegner in Richtung Innenstadt zurückziehen wollten, wurden sie von der Polizei in Richtung Demonstranten-Camp in Ganzau abgedrängt. Die Sicherheitskräfte setzten dabei massiv Tränengas ein.
Zwischen den Fronten versuchten deutsche und französische Feuerwehrleute die von den Demonstranten gelegten Brände zu löschen. Neben dem Ibis-Hotel, das am Ende nicht mehr zu retten war, fackelten die Randalierer das alte Zollhaus und ein Tourismusbüro ab. Außerdem soll auch eine Apotheke gebrannt haben.
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Als Gesundheit und Sicherheit der Wehren in Gefahr waren, wurden sie abzogen. Nachdem die Feuerwehren aus Kehl und Straßburg die Brände in der Innenstadt der Elsass-Metropole fluchtartig verlassen hatten, kamen sofort Gerüchte um die verwaisten Löschschläuche auf: Man hätte die Brände sich selbst überlassen, so der Vorwurf. Auch wurde behauptet, man lasse das Ibis Hotel absichtlich abbrennen, um später den Nato-Gegnern den großen Schaden in die Schuhe zu schieben.
Tatsächlich mussten die Einsatzkräfte fliehen, weil sie von Demonstranten angegriffen wurden. Günther Petry, Oberbürgermeister von Kehl, erklärt auf einer Pressekonferenz: "Zwölf Wagen mussten sich zurückziehen, darunter auch einer aus Kehl". Später kehrte die Feuerwehr unter Polizeischutz zurück und löschte unter Polizeischutz. Laut Augenzeugen habe das Feuer anderthalb Stunden gewütet. Die Flamen fraßen sich bis zum Dachstuhl durch.
Der Einsatzleiter der Feuerwehr, Gerhard Stech, verteidigte die Entscheidung, die Löscharbeiten zu unterbrechen: "Die Feuerwehr geht erst rein, wenn es sicher ist. Das war für eine gewisse Zeit nicht gewährleistet". 17 Feuerwehrleute mussten mit dem deutsch-französischen Löschboot über den Rhein evakuiert werden. Anders hätte es für sie aus der gefährlichen Situation kein Entkommen gegeben.
Günther Petry bewertet den Ablauf des Gipfels zwar insgesamt als positiv. Man müsse den Samstag aber zweigeteilt sehen: "Am Morgen hatten wir einen perfekt organisierten Staatsakt, eine zauberhafte Stimmung mit außerordentlich symbolischem Charakter.". Dies sei aber überschattet worden von der Eskalation in Straßburg.
Übrigens: Neben den Feuerwehren aus Kehl und Straßburg löschten auch Kollegen aus Freiburg beim Nato-Gipfel. "Wir sind zu einem Einsatz in Straßburg gerufen worden und haben dort die französischen Kollegen unterstützt", meldet am Telefon Philipp Golecki, der stellvertretende Chef der Freiburger Berufsfeuerwehr.
Autor: Helmut Seller, Constance Frey, Alex Sillgitt, Joachim Röderer, Dana Hoffmann
