Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. Dezember 2014 19:36 Uhr

Rot-Grüne Probleme

Energiewende versus Naturschutz: Der Milan stört die Windkraft

Ausgerechnet bei der Windkraft hinkt die grün geführte Landesregierung den selbstgesetzten Zielen hinterher. Die jetzt vorgelegte Kartierung von geschützten Vögeln könnte den Ausbau zusätzlich bremsen.

  1. Ein über dem Elztal kreisender Roter Milan Foto: Milan Serbin

Denn die geschützten Vogel-, aber auch Fledermausarten können durch neue Windräder Schaden nehmen.

Wo im Land Platz und genügend Wind für ein Windrad wäre, ist fast immer auch eine geschützte Vogelart zu Hause. Zwei Jahre hat die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) die Brutstätten von Rot- und Schwarzmilan an für Rotoren geeigneten Standorten erfasst und am Montag die entsprechenden Karten vorgelegt. Für Umweltminister Franz Untersteller und Naturschutzminister Alexander Bondem (Grüne) gelten sie als Planungshilfe, um Konflikten mit dem Naturschutz aus dem Weg zu gehen.

Manchmal klebt ein Uhu an den Rotorblättern

Doch der Milan ist nicht allein: Falken, Störche, Weihen sind ebenfalls gefährdet, manchmal klebt auch ein Uhu an den Rotorblättern. Vor allem aber besiedeln 21 verschiedene Fledermausarten quasi das gesamte Land. Kein Quadrant im Untersuchungsraster der Landesanstalt ohne geschützte Tiere: Das macht es Investoren der Windenergie nicht gerade leicht.

Weit mehr als 1000 Windräder will die Koalition aufstellen, doch nur ein neues ist im ersten Halbjahr dazugekommen. Entsprechend regt sich Kritik auch bei Grünen am Artenschutz. Naturschutz dürfe nicht als Hebel gegen den Windkraftausbau missbraucht werden, klagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann, vielmehr müsse rechtlicher Spielraum zugunsten der Rotoren genutzt werden. Auch die SPD steht nicht uneingeschränkt hinter dem Milan, von dem es weltweit nur knapp 30 000 Brutpaare (die Hälfte davon in Deutschland) geben soll. Ihr Fraktionschef Claus Schmiedel erklärte jetzt, man müsse im Zweifel nicht immer prüfen, ob ein Windrad den Rotmilan am Hinterkopf erwischt.

Werbung


Der streng geschützte Milan stoppt Windparkprojekte

Das allerdings passiert häufiger als gedacht: Allein in Rheinland-Pfalz, einem der Hauptverbreitungsgebiete dieses Raubvogels, rechnet man mit rund 140 erschlagenen Milanen pro Jahr, in Baden-Württemberg sollen es bis Herbst dieses Jahres sechs Opfer gewesen sein, so die Zahlen der Zentralen Vogelschutzwarte in Brandenburg. Wie in Baden-Württemberg wurden auch im Nachbarland Rheinland allein wegen des streng geschützten Milans Windparkprojekte untersagt.

Andererseits muss ein solches Vorkommen noch kein automatisches Aus bedeuten. In Laubach im Hunsrück werden vier Rotoren der Stadtwerke Tübingen einfach abgeschaltet, wenn die Bauern pflügen oder ernten und damit viele Milane anlocken. Nach ein paar Tagen verlieren die Tiere dann das Interesse an den Feldern, und der Rotor darf sich auch tagsüber wieder drehen. Nachts fliegen Milane nicht.

Investoren sollen nicht abgeschreckt werden

Im Gegensatz zur Fledermaus. 21 Arten listen die Karten des Umweltministeriums auf, von der eher seltenen Nymphenfledermaus bis hin zum weitverbreiteten Mausohr. "Die Karte ist ganz schön bunt", erkennt man im Umweltministerium, das solle aber nicht abschreckend auf Investoren wirken. Auch wenn die Daten wie für den Milan über Brutperioden hinweg kontinuierlich erhoben und nicht einfach nur hochgerechnet wurden, seien sie doch nur ein Baustein von vielen in der kommunalen Flächenplanung. Die daraus resultierenden Hinweise müssten bei konkreten Bauwünschen vor Ort immer auch auf ihre Aktualität überprüft werden und könnten dennoch die Planung von Windrädern beschleunigen.

Der Schweizer Nationalrat hat ein Gesetz erlassen, das erneuerbare Energien zum nationalen Interesse erklärt und grundsätzlich den Bau von Windrädern im Naturschutzgebiet erlaubt: Es gebe keinen Grund, dem Landschaftsschutz immer Vorrang einzuräumen.

Karten zu den Vogel- und Fledermausarten im Internet

Mehr zum Thema:

Autor: Andreas Böhme