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16. Dezember 2014 16:00 Uhr

Vorurteil 9

Fakten-Check: Flüchtlinge sind krimineller als Deutsche

Immer wieder wird kolportiert, dass in der Nachbarschaft von Flüchtlingsheimen die Kriminalitätsrate ansteigt. Insbesondere von Einbrüche und Drogendelikte ist die Rede. Kann man das so unterschreiben?

  1. Asylbewerber stehen oft unter Generalverdacht. Foto: dpa

Vorurteil: In der Nähe von Flüchtlingsheimen steigt die Kriminalität

"Dass auch im Umfeld von Flüchtlingswohnheimen Straftaten begangen werden, bei welchen Flüchtlinge sowohl als Täter als auch als Opfer in Erscheinung treten, ist uns bekannt. Auch hier können Drogendelikte und Einbrüche festgestellt werden.Ob dies allerdings signifikant höher ist als andernorts und Flüchtlinge mehr kriminelles Tun aufweisen kann durch die Polizei so pauschal weder behauptet noch belegt werden", sagt Laura Riske, Pressesprecherin der Freiburger Polizei.

Der Landesintegrationsrat NRW schreibt dazu: Quelle für die Behauptung, Ausländer seien deutlich stärker als Deutsche mit Kriminalität belastet, sind undifferenzierte Pauschaldaten von Kriminalitätsstatistiken. So genannte Ausländeranteile an Tatverdächtigen, Verurteilten oder Häftlingen werden explizit oder assoziativ mit den Ausländeranteilen an der Wohnbevölkerung verglichen.

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Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) erfasst Tatverdächtige, deshalb müsste sie eigentlich Polizeiliche Tatverdachtsstatistik heißen. Allerdings wird nur bei einem Drittel der tatverdächtigen Personen der polizeiliche Verdacht durch ein rechtskräftiges Urteil bestätigt. Außerdem sind bei nicht-deutschen Tatverdächtigen Verfahrenseinstellungen und Freisprüche deutlich höher als bei Deutschen.

Dem Vorurteil, dass Asylbewerber häufig kriminell sind und ein Flüchtlingsheim in einem Stadtteil zu mehr Kriminalität führt, sind auch die Kollegen in Potsdam nach gegangen. Sie schreiben: Doch die Realität sieht anders aus. Das zeigen den PNN auf Anfrage vorliegende Statistiken der Polizei für den Stadtteil Schlaatz. Dort hat die Diakonie 2009 ein Asylbewerberheim in einem Wohnblock An der Zauche eröffnet. Demnach ist die Zahl der Straftaten in dem Stadtteil seit 2008 sogar gesunken, nur im vergangenen Jahr gab es einen leichten Anstieg. "Statistisch hat sich das Asylbewerberheim nicht auf die Kriminalitätsentwicklung ausgewirkt", sagt Polizeisprecher Christoph Koppe.

Fazit: Die Behauptung, dass Ausländer krimineller als Deutsche sind, ist ein Vorurteil, das so pauschal nicht den Tatsachen entspricht. Wahr ist, dass in allen gesellschaftlichen Bereichen Straftaten und gesetzliche Regelverstöße vorkommen.

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Autor: Herceg, bz