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14. Juni 2010 20:36 Uhr

Zehnjahresinspektion

Fessenheim: Ein Gutachten belegt viel Schlamperei

Ist das Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim sicher? Zu dieser Frage liegt nun ein neues Gutachten vor. Entwarnung geben die Experten nicht – vielmehr bemängeln sie eine ganze Reihe besorgniserregender Punkte.

"Es wurde vieles verbessert." Das ist das Fazit der Physikerin Monique Sené zum Zustand von Block I des Atomkraftwerks im elsässischen Fessenheim. "Das beweist aber noch nicht, dass das ausreicht." Die Pariserin leitet eine unabhängige Wissenschaftlerkommission (GSIEN), die seit eineinhalb Jahren die dritte Zehnjahresinspektion von Block I begleitet und nun ihr Gutachten abgeliefert hat. Von Oktober 2009 bis März 2010 wurde der ältere der beiden Meiler einem großen Check-up unterzogen. Anfang 2011 entscheidet das Industrieministerium auf der Basis des Abschlussberichts der Atombehörde (ASN) über eine Laufzeitverlängerung um weitere zehn Jahre.

Klappen tauschen ohne das richtige Werkzeug

"Die ASN könnte durchaus eine provisorische Genehmigung für fünf Jahre erteilen und dann eine zweite Kontrolle ansetzen", räumt Monique Sené ein. Im Grundsatz stoße sie in ihrem Bericht auf "keinen alarmierenden Anlass". Im Detail bemängeln die Gutachter aber eine ganze Reihe besorgniserregender Punkte: von Ermüdungen beim Stahl des Reaktormantels bis zur Überhitzung der Schweißnähte. Auch der Sockel des Reaktorgebäudes sei nicht massiv genug, um im Ernstfall das magmaartige, hoch radioaktive Material vor dem Eintritt ins Erdreich zurückzuhalten und eine Verseuchung des Grundwassers zu verhindern.

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Aus Block I werden mit 240 sogenannten Ereignissen und Zwischenfällen in zehn Jahren mehr gemeldet als im französischen Durchschnitt. Besonders alarmierend: Oft sind es vermeidbare Vorfälle wie Nachlässigkeiten des Personals. In einem Fall musste eine Klappe am Primärkreislauf getauscht werden. Obwohl das nötige Werkzeug nicht vorhanden war, was an sich schon Anlass zur Kritik gibt, versuchte der Techniker sich an der Reparatur. Der Vorfall wiederholte sich im Abstand von wenigen Jahren.

Seit langem bekannt, aber nach wie vor ungelöst: In einem Wasserbassin im Reaktor lagert altes Brennmaterial. "Ein geeignetes Endlager", sagt Monique Sené, "wird es nicht vor 2025 geben."

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Autor: Bärbel Nückles