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11. September 2009 00:26 Uhr
Agrar
Forscher entdecken gentechnisch manipulierte Leinsamen
Das Landwirtschaftsministerium warnt vor genmanipuliertem Leinsamen. Der Genuss sei zwar unbedenklich, gleichwohl seien die aus Kanada stammenden Körner in der EU verboten.
STUTTGART. Kollegen haben die Forscher des Freiburger Chemischen Veterinär- und Untersuchungsamtes (CVUA) schon im Sommer auf die Spur gebracht: Im importierten Leinsamen wurde sogenanntes CDC Triffid gefunden. Diese Genveränderung macht die Körner unempfindlich gegen bestimmte Pestizide. Vor zehn Jahren wurden die Manipulationen in Kanada und den USA zugelassen. In Deutschland hingegen ist solcher Gen-Leinsamen nicht nur verboten. Hierzulande gilt sogar die Nulltoleranz. Das heißt, dass auch minimale Spuren nicht vorkommen dürfen.
Die Freiburger Forscher mussten deshalb zuerst ein neues Nachweisverfahren entwickeln. Dieses ergab, dass offenbar ein bestimmter Prozentsatz von Leinsamen am Markt gentechnisch verändert ist. Dieser liegt zwar nur zwischen einem und 0,05 Prozent. Im schlimmsten Fall ist aber eines doch von 100 Körnchen genmanipuliert; im günstigsten Fall sind es fünf von 10 000.
Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz erläuterte Verbraucherminister Peter Hauk am Montag in Stuttgart den vorläufigen Stand der Untersuchungen und sprach dabei von einer "unakzeptablen Verbrauchertäuschung". Die allerdings gilt mittlerweile europaweit. Kanada ist eines der wichtigsten Anbauländer für Leinsaat, es produziert ein gutes Drittel der weltweit 2200 Tonnen pro Jahr.
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Die EU wiederum ist der bedeutendste Abnehmer. Allein in Deutschland stammen 400 Tonnen des durchschnittlich 600 Tonnen umfassenden Imports aus Kanada. Untersucht wurden ganze Körner und Schrot, nicht aber Leinsamenbrot, das als hochwertig geltende Leinöl oder Müsli, dem Leinsamen gerne zugemischt wird.
Die Proben wurden in Bäckereien, Mühlen und im Großhandel gezogen, 41 wurden untersucht – in 16 wurden Spuren der Genmanipulationen gefunden. Dies gilt als Täuschung, nicht aber als gesundheitsgefährdend, betonte Hauk. Die wirklich gute Nachricht für Verbraucher: Die CVUA hat auch 14 Proben Öko-Leinsamen untersucht und keine Verunreinigungen gefunden. CDC Triffid wurde an der Universität Saskatchewan in Kanada für die Öl- und Futtermittelproduktion entwickelt und in den USA sogar für den Lebensmittelanbau zugelassen.
Aus Furcht, die europäischen Abnehmer zu verlieren, zogen die Kanadier die Genehmigung schon 2001 wieder zurück und verboten den Anbau. Crop Life Canada, eine Dachorganisation von Chemie- und Düngemittelfirmen erklärt, dass bislang kein CDC Triffid kommerziell angebaut worden sei. Nach Hauks Kenntnis gilt dies auch für die USA, wo der Anbau weiter erlaubt ist.
Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner rief die Länder zu schärferen Kontrollen auf. Für die Südwest-Grünen sind die Folgen von Genmanipulationen weder kontrollier- noch überschaubar. Hauk müsse sich für ein gentechnikfreies Baden-Württemberg einsetzen.
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Autor: Andreas Böhme
