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26. Oktober 2011

Energiewende

Fünf Gemeinden in Südbaden sind jetzt Bioenergiedörfer

Der Wettbewerb um den Titel "Bioenergiedorf" soll die Energiewende auf kommunaler Ebene stärken .

OBERHARMERSBACH. Die Preise sind verteilt, jetzt muss gearbeitet werden: Fünf südbadische Gemeinden haben den Titel eines "Bioenergiedorfes" errungen und müssen jetzt beweisen, dass sie ihn zu Recht tragen.

Am Dienstag haben sie in Oberharmersbach im Ortenaukreis auf einem Kommunalforum der "Bioenergieregion Südschwarzwald Plus" vor 120 Experten und Interessierten ihre Machbarkeitsstudien und Umsetzungspläne vorgestellt. Gewonnen haben im Wettbewerb des Regierungspräsidiums Südbaden die Gemeinden Breitnau (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald), Dettighofen (Waldshut), Teningen-Heimbach (Emmendingen) und Zell im Wiesental (Lörrach). Die kleinste der Siegergemeinden ist Dettighofen (646 Einwohner), die größte Zell im Wiesental (6000 Einwohner). Die Sieger haben geldwerte Leistungen von je 20 000 Euro für ihre Projekte bekommen.

Bioenergiedorf darf sich nennen, wer seine Stromversorgung zu 100 Prozent und die Wärmeversorgung zu mindestens 50 Prozent auf regional erzeugte erneuerbare Energien aus Biomasse, Wind-, Wasser- und Solaranlagen umstellt. Die Kommune muss einen Plan zur Selbstversorgung vorlegen, die Bürger und ihre gewählten Organe müssen dahinter stehen. Doch diese Definition gilt nur für diesen Wettbewerb, bundeseinheitliche Kriterien gibt es nicht. Das Umweltministerium versteht darunter eine "energieautarke Kommune".

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Gemeinsam ist allen ausgezeichneten Bioenergiedörfern, dass sie ein Nahwärmenetz aufbauen, betrieben mit Biomasse als Brennstoff. In vier von fünf Fällen wird es organisiert mit Bürgerbeteiligung in Form einer Energiegenossenschaft. Wenn weder Wasserläufe noch Windstandorte vorhanden sind ist es schwer, Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen.

Auf jeden Fall hat der Wettbewerb den Gemeinden geholfen und dem Gemeinwesen gut getan. "Ohne den Wettbewerb gäbe es das Bioenergiedorf nicht", betont etwa der Teninger Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker (CDU). Im Ortsteil Heimbach, 1100 Einwohner, bildet eine Energiegenossenschaft zusammen mit dem Bürgerverein die Basis für das Projekt. Die Energieagentur Freiburg hat in der Machbarkeitsstudie festgestellt: Der Gebäudebestand von rund 350 Einfamilienhäusern ist nicht effizient gedämmt. Der Strom stammt zu 95 Prozent nicht aus erneuerbaren Energien, Aussicht auf Strom aus Windkraft hat Heimbach nicht.

Darum muss vor allem Strom gespart werden. Das fängt beim Ersatz veralteter, stromfressender Kühlschränke an und endet noch lange nicht bei den Stand-by-Geräten. 30 Prozent Einsparpotenzial sieht die Energieagentur. Dazu müssen mehr Solardächer kommen und den Rest muss das geplante Blockheizkraftwerk bringen, betrieben mit Biomasse und Biogas. Es soll zugleich Wärme in die Haushalte liefern, die jetzt noch mit Gas und Öl heizen. Zu vergleichbaren Preisen.

So ähnlich wird auch in den anderen Gemeinden gerechnet. Allerdings können sowohl Oberharmersbach als auch Breitnau auf die Genehmigung einer leistungsfähigen Windkraftanlage hoffen und damit das Stromproblem mit einem Schlag lösen. Dettighofen produziert hingegen aus einem aus Biomasse gespeisten Kraftwerk schon jetzt fast zweieinhalb Mal so viel Strom, wie die Haushalte verbrauchen, freilich gibt es keinen Gewerbebetrieb. Anders als Zell im Wiesental, wo eine metallverarbeitende Fabrik allein die Hälfte des Stroms verbraucht. Zell will die Abwärme aus der Industrie erschließen und setzt auf Windstandorte. Ob es eine weitere Runde in dem Bioenergiewettbewerb geben wird, ist noch offen.



Autor: Heinz Siebold