Gemeinschaft im Mittelpunkt

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

So, 14. Januar 2018

Südwest

Der Sonntag Der Luzernenhof betreibt solidarische Landwirtschaft und startet nun Crowd-Investing.

Der Luzernenhof in Buggingen-Seefelden sucht Menschen aus der Region Freiburg-Markgräflerland, die Mitbesitzer des Hofs werden möchten. Am Donnerstag startete die dazu eigens angelegte Crowd-Invest-Kampagne.

Beim Luzernenhof geht es um Gemeinschaft. Um die Hofgemeinschaft, eine Gruppe von mittlerweile zwölf jungen Menschen um Landwirt Johannes Supenkämper, die den Biolandhof mit 32 Hektar Land, von denen 12 im Eigentum sind, bewirtschaften. Und um die Gemeinschaft der Kunden, das sind momentan 160 Haushalte in der Region Freiburg.

Nach dem Modell der solidarischen Landwirtschaft erhalten sie jede Woche eine Lieferung mit den von ihnen bestellten Produkten des Hofs und finanzieren dafür mit monatlichen Beiträgen in Höhe von durchschnittlich 120 Euro die Betriebskosten der Landwirtschaft. Und um die Besitzergemeinschaft, die sich am Ende der Kampagne gebildet haben wird: Möglichst viele Menschen aus der Region sollen Geld in die Kulturland Genossenschaft einbringen oder einen Direktkredit geben, damit der Hof, bestehend aus der landwirtschaftlichen Fläche und den Gebäuden, gekauft werden kann. 860 000 Euro sollen so zusammenkommen, 555 000 Euro für Grund und Boden, 305 000 Euro für Haus und Hof.

Beim Luzernenhof geht es aber auch um eine andere Form der Landwirtschaft. Um eine ökologische und faire Landwirtschaft, regional verwurzelt und auf Dauer angelegt. Kurz gesagt, um eine Landwirtschaft, wie es sie in Zeiten der Arbeitsteilung und damit einhergehender Monokulturen, Massentierhaltung und der Abhängigkeit von Weltmarktpreisen selten gibt.

Der Biolandhof ist der einzige in dem kleinen Dorf in der Rheinebene, der Kühe und Schweine hält. Ringsherum wachsen statt Lebensmittel Maisäcker, Flächen mit Sonderkulturen wie Spargel sowie Neubau- und Gewerbegebiete. Der Luzernenhof baut an, was man für eine gesunde Ernährung braucht: Gemüse, in einer Vielfalt von etwa 100 Sorten und sieben verschiedene Sorten Getreide. "Die landwirtschaftliche Produktion ist ein Kreislauf. Grundlage ist der fruchtbare Boden, auf dem wir mit Priorität pflanzliche Lebensmittel erzeugen. Wir nutzen ausschließlich hofeigenen Dünger. Die Kreislaufwirtschaft funktioniert nur bei einem ausgewogenen Verhältnis von landwirtschaftlicher Nutzfläche und Tierbestand", sagt Landwirt Johannes Supenkämper.

Alle zwei Jahre ruht der Boden, dann säen die Landwirte Kleegras ein, das den 16 Kühen und ihrer Nachzucht als Futter dient. Aus der Milch machen sie in der eigenen Käserei bis zu 20 verschiedene Käse und andere Milchprodukte. Die Molke, die übrig bleibt, bekommen die sechs Schweine. Einmal pro Monat wird geschlachtet. Das Getreide wird von einer befreundeten Bäckerei zu Brot verarbeitet.
2012 pachtete die Luzernenhofgemeinschaft den Hof, der seit 1986 ökologisch bewirtschaftet wird. Als der Hof dann 2014 plötzlich verkauft werden sollte, war die Not zunächst groß. Die Gemeinschaft konnte den Kaufpreis von 860 000 Euro nicht aufbringen. Zwei Privatpersonen sprangen mit einem Darlehen ein. Das muss nun abgelöst werden.

Die rechtliche Konstruktion, die die Luzernenhöfler entwickelt haben, um diese Summe unabhängig von Banken aufzubringen, ist kompliziert. Selbst das Landwirtschaftsministerium Stuttgart war involviert. Landwirtschaftliche Flächen, Haus und Hof mussten rechtlich getrennt und müssen getrennt finanziert werden. Grund und Boden ist in Besitz der Kulturland Genossenschaft, Wohn- und Wirtschaftsgebäude gehören der Weingarten 18 GmbH, die auf dem Prinzip des Mietshäuser Syndikats basiert. Die bundesweit agierende Kulturland Genossenschaft organisiert Gemeinschaftseigentum an Grund und Boden für bäuerlich geführte ökologische Landwirtschaft. Die Genossenschaft sammelt über Genossenschaftsanteile Geld, mit dem sie für regional eingebundene Biobauernhöfe Ackerland, Wiesen und Weiden kauft und pachtet. Damit sichert sie Flächen für den Ökolandbau und entzieht sie der Bodenspekulation. Zehn Biobauernhöfe in Deutschland profitieren von diesem Modell. Zwischen 2010 und 2016 sind die Bodenpreise massiv gestiegen, bundesweit um 88, in Baden-Württemberg um 23 Prozent. "Aus der ökologisch nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion kann man diese Bodenpreise nicht erwirtschaften", sagt Stefan Illi, Vorstandsmitglied der Kulturland Genossenschaft, "deshalb haben wir dieses Modell entwickelt. Es gibt genug Menschen, die sich für diese Form der Landwirtschaft einsetzen und sie ohne Renditeerwartung fördern wollen." Ab 500 Euro pro Genossenschaftsanteil ist man dabei. Den Kauf von Haus und Hof ermöglichen viele Direktkredite ab 500 Euro, die auf Wunsch mit maximal 1,5 Prozent verzinst werden. Etwa 20 weitere Haushalte können noch Mitglied bei der Verbrauchergemeinschaft werden.
Weitere Infos unter crowdinvest.luzernenhof.de.