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30. Oktober 2010 17:51 Uhr

Rheintalbahn

Grubes südbadische Charme-Offensive

Nach der Kontroverse um Stuttgart 21 will die Bahn ihre Pläne für den Ausbau der Bahnstrecke Karlsruhe-Basel auf den Prüfstand stellen. Das kündigte Bahnchef Grube bei seinem Besuch in der Region an.

  1. Charme-Offensive: Rüdiger Grube unterwegs im Breisgau Foto: Patrik Müller

  2. Rüdiger Grube am Rednerpult in Herbolzheim Foto: Patrik Müller

  3. Demonstration vor dem Kenzinger Rathaus. Foto: Patrik Müller

  4. Rüdiger Grube vor dem Kenzinger Rathaus. Foto: Patrik Müller

Die Bahn war selten so freundlich aufgetreten in letzter Zeit: DB-Vorstandsvorsitzender Rüdiger Grube gab sich alle Mühe, seinen Besuch zu einer Charme-Offensive werden zu lassen: Er traf sich mit einer Bahn-Anwohnerin aus Ringsheim zum Kaffee, er scherzte mit kleinen Kindern – und signalisierte Gesprächsbedarf in Sachen Ausbau der Rheintalschiene. "Wir wollen gemeinsam mit ihnen eine Lösung finden", sagte er vor mehreren Hundert Bürgern in Herbolzheim und Kenzingen, "wir wollen kein zweites Stuttgart 21."

Begonnen hatte sein Arbeitsbesuch am frühen Morgen in Offenburg, nach einem Zwischenstopp in Lahr traf er in Grafenhausen auf die Befürworter der Antragstrasse, auf Vertreter der Bürgerinitiative "Bahn an die Bahn" und die Bürgermeister von Friesenheim, Kippenheim und Meisenheim – unter anderem. Auch dabei: Riegels Rathauschef Markus Jablonski. Er und sein Gemeinderat sind dafür, dass das dritte und vierte Gleis direkt neben den bisherigen Schienen gebaut werden. "Beim Lärmschutz gibt es noch Klärungsbedarf", sagt er. "2006 waren es noch drei Meter hohe Lärmschutzwände, jetzt sind es noch zwei Meter – wir brauchen aber vier."

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Durch die Region geht ein Riss: Viele Gemeinden – sie haben die sogenannte "Grafenhausener Erklärung" unterzeichnet – sind im Großen und Ganzen mit den derzeitigen Ausbauplänen der Bahn einverstanden. Andere Gemeinden, Kenzingen und Herbolzheim zum Beispiel, wollen die Schienen an die Autobahn legen. "Wir haben uns jahrelang Mühe gegeben, so zu planen, dass wir nicht in Konflikt mit der Antragstrasse kommen", sagt Kappel-Grafenhausens Rathauschef Jochen Paleit.

Transparente, Trillerpfeifen, Badnerlied

Nach dem Auftritt in Grafenhausen trifft sich Grube mit der Ringsheimerin Karina Florido Martins – die hatte dem Bahn-Chef bei seinem Besuch in Bad Krozingen das Versprechen auf ein persönliches Gespräch abgerungen und lebt direkt neben der Bahn."In dieser Zeit", wird Herbolzheims Bürgermeister Ernst Schilling später kommentieren, "sind aber keine Güterzüge vorbeigefahren."

In Herbolzheim haben sich Hunderte von Bürgern mit Transparenten und Trillerpfeifen an der Unterführung bei der Maria-Sand-Straße versammelt. Die Stadtmusik spielt das Badnerlied, während Grube aufs Podium eilt. Dort steht auch Albrecht Künstle, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative BI Bahnprotest. Er erinnerte an die 172.000 Einwendungen gegen die derzeitigen Trassenpläne. "Papier ist geduldig, Pläne sind änderbar", kommentierte er. "Lassen sie den Kelch an uns vorübergehen, zu beweisen, dass wir Badener zu allem fähig sind", sagt er.

"Ich habe ein Problem", sagt Grube am Rednerpult. "Alles, was heute gesagt wurde, ist richtig." 172.000 Unterschriften könne man nicht einfach so ignorieren. "Ich bin hier, weil ich ihre Betroffenheit hören will", sagt er, "wir wollen eine Lösung mit ihnen finden." Er macht aber auch klar, dass er nicht in den Breisgau gekommen ist, um Lösungen zu präsentieren.

"Eine andere Dialogkultur"

Nach seiner Rede bei der Unterführung lässt sich Grube zum Spielplatz am Entennest kutschieren – und sich gemeinsam mit Herbolzheims Bürgermeister Schilling von einem Feuerwehr-Hubsteiger in die Höhe hieven. Danach geht es weiter nach Kenzingen, zu einem Pressegespräch im Rathaus. Davor warten schon mehrere hundert Kenzinger Bürger auf den Bahn-Chef. Der greift sich kurz ein Mikrofon: "Ich will, dass wir in Zukunft eine andere Dialogkultur wählen", sagt er. "Wir haben bisher auch nicht alles richtig gemacht."

Nun, so Grube, sollen Erkundungsbohrungen klären, ob der von den Offenburger geforderte Güterzugtunnel eine reelle Alternative ist. Zweitens: Die autobahnparallele Trasse zwischen Offenburg und Riegel soll in Punkto Schallschutz und Umweltauswirkungen intensiver geprüft werden. Beide Untersuchungen kosten 1,3 Millionen Euro. Das Land, so Grube, hat angekündigt, die Hälfte davon zu übernehmen.

Bis Ende nächsten Jahres soll das Ergebnis der Alternativuntersuchungen vorliegen – die soll dann nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten gewertet werden. "Ich schließe nicht aus", sagt Grube, "dass wir dann ein Konzept haben, das teurer wird."

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Autor: Patrik Müller