Europa-Park

Grundschüler aus Deutschland und Frankreich treffen sich in Rust

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Do, 21. Juni 2018 um 21:21 Uhr

Südwest

Die internationale Begegnung soll den Austausch zwischen beiden Ländern stärken. Projektarbeiten während des Schuljahres finden ihren Abschluss im Europa-Park.

Am Mittwochmorgen hatte die Klasse 4a der Emil-Gött-Schule in Freiburg Generalprobe und Premiere in einem. Die Premiere bestand in einer Skype-Verabredung mit ihrer Straßburger Partnerklasse. Per Online-Chat probten beide Klassen ein letztes Mal die Lieder, die sie einen Tag später im Europa-Park singen sollten. Dort dann wirklich zusammen – und gemeinsam mit 57 anderen Klassen aus 49 deutschen und französischen Grundschulen der Region. 1307 Kinder können ziemlich laut werden.

Seit November haben sich jeweils zwei der Klassen immer wieder besucht und gemeinsam Themen erarbeitet. Bei den Kindern der Emil-Gött-Schule und ihrer Partnerklasse der Gustave-Stoskopf-Schule in Straßburg ging es um Kinderrechte, über deren Bedeutung sie bei einem Besuch am Verwaltungsgericht in Freiburg und im Europaviertel in Straßburg sprachen. Das Freiburger Klassenzimmer hängt inzwischen voll mit französischen Fahnen. Fast alle Kinder wollen auch im nächsten Schuljahr weiter Französisch lernen. Dann auf einer anderen Schule.

Der Weltkrieg spielt nur eine Nebenrolle

Angestoßen wurde das grenzüberschreitende Projekt von der Académie de Strasbourg und dem Regierungspräsidium Freiburg. Da sich in diesem Jahr das Ende des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal jährt, sollte der Friede im Zentrum stehen, gemeinsam mit seinen Schwestern, der Freiheit und der Freundschaft.

Der Eingangsbereich des Domes im Europa-Park, wo am Donnerstag die Abschlussveranstaltung stattgefunden hat, ist dekoriert mit Plakaten, die die Schüler gebastelt haben. Blau-weiß-rote und schwarz-rot-goldene Farben dominieren.

Der Weltkrieg spiele bewusst nur eine Nebenrolle, erklärt die Freiburger Lehrerin Corinna Winterhalter. Die Kinder wüssten schon, dass es mal eine Erbfeindschaft gegeben hat. Doch spielten heute andere Konflikte eine Rolle. "Wir haben viele Flüchtlinge in der Schule, dadurch ist das Thema einfach präsent", erklärt sie. Ein Plakat auf Französisch spricht ein Kind aus einem Kriegsland an: "Ich werde dir eine weiße Fahne basteln", steht darauf. "Sollte das nicht reichen, werde ich dich holen. Bei mir in Deutschland ist Frieden!" Einige Klassen haben große Papierbrücken gebaut, andere sind in der Mitte des Festsaals damit beschäftigt, sich selbst zu Brücken aufeinanderzutürmen. Brücken sind im Deutsch-Französischen unumgänglich.

In Frankreich ist die Hälfte des Unterrichts auf Deutsch

Um die Zukunft der Brücken aber sorgt sich Angelika Stelzer vom Regierungspräsidium Freiburg. Dass es künftig keinen Französischunterricht in den ersten beiden Klassen geben soll, hält sie für fatal. "Wir haben so viele Partnerstädte am Oberrhein und die Grundschüler tragen das am meisten", sagt sie. Unter dem Wegfall des Französischen in Klasse 1 und 2 werde auch die Zusammenarbeit leiden, fürchtet sie. Dabei stehe außer Frage, dass Projekte wie das im Europa-Park Kinder nachhaltig beeinflussen. Schließlich erzählten sie noch Jahre später davon.

Auf französischer Seite dagegen spiele Deutsch eine ganz andere Rolle. "Da kann jede Familie ihre Kinder in eine zweisprachige Klasse geben, wenn sie das will", sagt Stelzer. Auch die Klasse der Gustave-Stoskopf-Schule ist zweisprachig. Die Hälfte des Unterrichts sei auf Deutsch, erklärt Klassenleiter Julien Taesch. "Durch die Treffen mit der Partnerklasse macht es für die Kinder nun mehr Sinn, Deutsch zu lernen", erklärt er. Die Sprache werde durch den Austausch erst richtig lebendig. "90 Prozent meiner Schüler haben einen Migrationshintergrund. Für die war Deutsch zuvor eine ganz fremde Sprache. Sie sprechen ja so schon eine andere Sprache als Französisch." Er wolle daher den Kontakt auch in Zukunft pflegen.

Und die Kinder selbst? Die haben ganz unterschiedliche Einschätzungen davon, um was es bei dem Projekt gehen soll. Sie erzählen vom Ersten Weltkrieg und von Kinderrechten, von Spielen, vom Gericht und vom Europaparlament – und davon, wie sie sich mit Händen und Füßen verständigen, wenn die eigenen Sprachkenntnisse an ihre Grenzen stoßen.