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13. Juli 2013 16:33 Uhr

Risse-Katastrophe

Kein Ende der Hebungen in Staufen in Sicht

Das Zentrum von Staufen hebt sich weiter – allerdings langsamer als in der Vergangenheit. Knapp sechs Jahre nach Beginn der Dauerkatastrophe ist nicht absehbar, wann die Erde zur Ruhe kommt.

  1. Foto: Thomas Kunz

Am Freitag informierten Experten die Bürger von Staufen über den Stand der Arbeiten zur Sicherung der historischen Altstadt. In der Spitze um 50 Zentimeter hat sich der Erdboden gehoben, 262 Häuser sind von den Bewegungen im Untergrund betroffen, darunter sieben städtische Gebäude. Auf 50 Millionen Euro bezifferte Bürgermeister Michael Benitz den bisher eingetretenen Schaden.

Zugleich hob Benitz hervor: "Staufen ist bei alldem nicht zerbrochen." Die Bürger hätten sich solidarisch gezeigt, Gleiches gelte für das Land sowie die baden-württembergischen Städte und Gemeinden, die sich an den Kosten beteiligen. Dafür bedankte sich Benitz ausdrücklich.

Bedrohliche Streckungen und Stauchungen

Er verwies zudem darauf, dass bereits mehr als 100 Schadensfälle über die Schlichtungsstelle, auf deren Einrichtung man sich verständigt hat, abgewickelt seien. "Wir haben uns allen durch die Schlichtungsstelle und die außergerichtlichen Einigungen viel Ärger und viel Geld gespart." Er sieht die Schadensbehebung auf einem guten Weg, auch wenn Haftungsfragen und Schadenersatzansprüche an Dritte noch nicht geklärt sind. Was jetzt noch fehle, sei eine abschließende technische Lösung. "Die Menschen brauchen eine Perspektive", sagte Benitz.

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Eine zufriedenstellende Antwort erhielt er nicht. Clemens Ruch und Gunther Wirsing, Geologen aus dem Regierungspräsidium Freiburg, zeichneten die Entstehung der Katastrophe nach. Zwei der sieben Bohrlöcher für Erdwärmesonden, die 2007 ins Erdreich getrieben wurden, durchdrangen quellfähigen Gipskeuper und stießen tief unten in eine wasserführende Schicht. Robert Breder von der Ingenieurgruppe Geotech aus Kirchzarten wies darauf hin, dass die größten Schäden nicht in der Zone entstanden sind, in der sich die Erde hebt, sondern am Rand. Hier komme es zu den bedrohlichen Streckungen und Stauchungen.

Eingriffe zeigen Wirkung

Inzwischen ist die Keuperschicht genau lokalisiert, die beiden Bohrlöcher sind abgedichtet. Zugleich wird an zwei Stellen Wasser abgepumpt, um den Grundwasserspiegel möglichst tief zu halten. Diese beiden Eingriffe zeigten Wirkung, die Ausdehnung lässt nach, aber es muss gepumpt werden.

Breder dämpfte zu große Erwartungen: "Wie viel Hebung noch zu erwarten ist, können wir nicht sagen." Zugleich riet Breder, keine abschließende Haussanierung zu beginnen, bevor die Erde nicht endgültig zur Ruhe gekommen ist. Aktuell sind es noch drei bis fünf Millimeter im Monat. Doch die damit verbundene statische Belastung könnte für manches Gebäude entscheidend sein. "Ein dauerhafter Pumpenbetrieb kann nicht die Lösung sein", meinte Benitz.



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Autor: Franz Schmider