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03. Februar 2016 19:09 Uhr

Erzbistum Freiburg

Kritik am Auftritt des Erzbischofs vor Erzkonservativen

Stephan Burger spricht im April bei einer Veranstaltung des erzkonservativen Forums Deutscher Katholiken. Angekündigt ist auch Limburgs ehemaliger Bischof Tebartz-van Elst. Nun wird Kritik laut.

  1. Erzbischof Stephan Burger Foto: Michael Bamberger

Der frühere Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, steht nach dem Skandal um den Bau des Limburger Bischofssitz, vor seinem ersten größeren öffentlichen Auftritt in Deutschland. Ende April soll er bei einem Kongress des Forums Deutscher Katholiken in Aschaffenburg einen Vortrag halten.

Bei der Veranstaltung spricht auch der Freiburger Erzbischof Stephan Burger – wenn auch nicht am selben Tag. Im Erzbistum werden nun Stimmen laut, die davor warnen, dass sein Auftritt von rechten Kirchenkreisen instrumentalisiert werden könnte.

Für reformorientierte Christen ein rotes Tuch

Das Forum Deutscher Katholiken gilt nicht nur reformorientierten Christen als rotes Tuch, als ein Verein Ewiggestriger. Kritiker werfen ihm vor, gegen Homosexuelle und "Genderwahnsinn" zu wettern und in der Flüchtlingskrise Ängste vor einer Islamisierung des Abendlandes zu schüren. Zudem pflege es eine Nähe zur rechtspopulistischen Pegida-Bewegung und zur ultrakonservativen christlichen Bloggerszene.

Das Forum selbst schreibt auf seiner Homepage, dass es papst- und kirchentreue Katholiken zusammenführen wolle. Es stehe allen Katholiken offen, die sich zu einem Glauben, wie er im Katechismus der katholischen Kirche zusammengefasst sei, bekennen. Einen Neuanfang der Kirche sehe man in der Loyalität gegenüber dem Papst und den Bischöfen.

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Kritik an der Teilnahme kommt von mehreren Seiten

Kritik an der Teilnahme von Stephan Burger äußert nun die Laienorganisation Wir sind Kirche: "Der Erzbischof muss sich sehr deutlich fragen lassen, warum er die Einladung für den Eröffnungsvortrag des Forums Deutscher Katholiken angenommen hat, die eine dezidierte Gegenorganisation des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist", sagt Monika Schulz-Linkholt, von Wir sind Kirche im Erzbistum Freiburg.

Allein schon die Teilnahme Burgers lasse befürchten, dass er von den Veranstaltern vereinnahmt und instrumentalisiert werde. "Gerade in der derzeitigen innenpolitischen Debatte sollten die Bischöfe keinesfalls die gesellschaftlichen Polarisierungen stärken, die leider auch innerhalb der katholischen Kirche an Bedeutung gewonnen haben."
"Es kommt darauf an, welche Positionen der Erzbischof dort vertritt." Magnus Striet
Auch der Freiburger Theologe Magnus Striet sieht die Gefahr einer Instrumentalisierung: "Dennoch stellt dieser Auftritt aus meiner Sicht keine Grenzüberschreitung dar. Es kommt darauf an, welche Positionen der Erzbischof dort vertritt." In Freiburg pflege Burger alles andere als einen autoritären Stil. Auch in der Flüchtlingspolitik stehe der Erzbischof für eine offene und liberale Haltung.

Striet gibt aber zu bedenken, dass Burger mit seiner Zusage ein Milieu bediene, das nur ein sehr kleines Segment innerhalb des Katholizismus vertritt. "Die gleiche Dialogbereitschaft kann man dann auch bei Anfragen anderer Gruppierungen erwarten – beispielsweise im Falle von Organisationen wie der katholischen Schwangerschaftskonfliktberatung Donum Vitae", sagt Striet.

Erzbischof Burger sieht in Teilnahme eine Chance

Über seine Pressestelle ließ Erzbischof Burger ausrichten, dass er sich über solche Ängste wundere. Seine Anwesenheit in Aschaffenburg bedeute nicht, dass er die Positionen teile, "mit denen andere Beteiligte am Forum Deutscher Katholiken vielleicht verbunden werden". Er sehe darin die Chance, den Menschen mit seiner Ansprache Ängste zu nehmen und seine eigene Position klar zu benennen.

Diese laute in Sachen Flüchtlinge: "An der Unterstützung für hilfsbedürftige Menschen führt aus christlicher Sicht kein Weg vorbei." Burger wolle in Aschaffenburg wie andernorts mit den Menschen in einen Dialog treten, anstatt diesen zu verweigern. Auch sein Vorgänger Robert Zollitsch habe 2011 bei "Freude am Glauben" einen Gottesdienst gefeiert.
"An der Unterstützung für hilfsbedürftige Menschen führt aus christlicher Sicht kein Weg vorbei." Stephan Burger
Über die Teilnahme von Tebartz-van Elst sei der Erzbischof zum Zeitpunkt seiner Zusage nicht informiert gewesen, versichert die Pressestelle. Die Veranstalter vom Forum verweisen hingegen darauf, dass alle Referenten bereits im Planungsstadium eine Übersicht über Themen und Teilnehmer erhalten hätten.

Die Frage, ob Erzbischof Burger auch gekommen wäre, wenn er von der Teilnahme von Tebartz-van Elst gewusst hätte, ließ das Erzbistum Freiburg am Mittwoch unbeantwortet.

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Autor: Sebastian Kaiser